Vor einigen Wochen war die Tür zugeschlagen, nun hat sie sich wieder einen Spaltbreit geöffnet: Der Weilerner Michael Geier und der Tierschutzverein Geislingen werden sich zu Gesprächen treffen, um Möglichkeiten auszuloten, ob und wie eine Beteiligung an der neuen Tierschutzkooperation (doch noch) möglich ist.

Geier betreibt in dem Geislinger Stadtbezirk eine Zoohandlung, hat zudem den Tierheim-Status und darf – im Gegensatz zu den anderen Tierheimen im Kreis – Exoten unterbringen. In zwei Anläufen war er gescheitert, hatte wegen der fehlenden finanziellen Unterstützung jegliches Engagement beendet. Vor Geiers Ladentüre werden in schöner Regelmäßigkeit Exoten – Schlangen, Echsen und Ziervögel – abgestellt. Bisher hatte er sie komplett auf eigene Kosten versorgt, inzwischen gibt er sie nur noch ans Ordnungsamt weiter.

Weilers Ortsvorsteherin Bettina Maschke hatte beide Parteien sowie Geislingens Oberbürgermeister Frank Dehmer in den Ortschaftsrat eingeladen, um für die „unschöne Geschichte“ doch noch eine Lösung zu finden. „Es kann ja nicht sein, dass Mitarbeiter des Ordnungsamts die Tiere holen und umherfahren – auf Kosten der Allgemeinheit.“

Ehe man im Guten auseinander ging, war jedoch ein steiniger Weg zu meistern. Mehrfach habe er sich ans Geislinger Ordnungsamt gewandt mit dem Anliegen, bei den Gesprächen zwischen Tierheimen und Kommunen dabei sein zu dürfen – was ihm auch zugesagt worden sei, monierte Geier in der Sitzung. Nur um dann irgendwann zu erfahren, „dass die Gespräche schon gelaufen sind“.

Auch bei der Tierheimleitung in Türkheim habe er angerufen mit der Bitte um ein Gespräch mit dem Tierschutzverein, worauf aber nie eine Reaktion gekommen sei. Wobei Aussage gegen Aussage steht, schon im Herbst, nach Abschluss der Verhandlungen, hatte der Vereinsvorsitzende Hans-Georg Hoffmann erklärt, dass sich „Herr Geier nie bei uns vorgestellt hat“.

Was Geier nach eigenem Bekunden vollends auf die Palme brachte, war das Verhalten der Tierheime, die „die Leute mit den Exoten zu mir geschickt hatten. Und nun kriegen sie plötzlich alle Exoten unter, obwohl sie gar keine Erlaubnis dafür haben.“ Es könne nicht sein, dass die Tierheime das Geld nehmen und die Tiere, die sie nicht wollen, zu ihm schicken. Letztlich gehe es ihm bei einer finanziellen Beteiligung nur um den Strom – 1200 Euro an Kosten allein für die Unterbringung der Fundtiere sind laut Geier in jedem Jahr angefallen – sowie um etwas Futter.

OB Dehmer machte indes deutlich, dass es keine kommunale Allein-Finanzierung des Geierschen Tierheims geben kann: „Die Stadt kann nicht die Kosten für Fundtiere übernehmen, die ja nicht nur aus Geislingen kommen, nur weil sich die Tierhandlung in Weiler befindet.“ Außerdem stehe nicht in der Vereinbarung, dass die Tierheime Fundtiere aufnehmen, sondern sie versorgen. „Das heißt auch, sich darum zu kümmern, wo sie hinkommen.“ Darüber hinaus sei die Telefonnummer des Tierheims bei Türkheim bekannt, das man anrufen könne, um die Tiere abholen zu lassen. „Das läuft genauso, wenn zum Beispiel ein Hund aus dem Umland im Göppinger Tierheim abgegeben wird, das nur noch Fundtiere aus dem Stadtgebiet aufnimmt.“

Zugleich wies das Stadtoberhaupt noch einmal darauf hin, dass er Geiers Anliegen sehr wohl unterstützt und ihn bei den Gesprächen um eine neue Kooperation ins Spiel gebracht habe – mit dem Hinweis, dass es kreisweit keine Auffangstation für Exoten gibt.

Was sich wegen der von Hoffmann kritisierten mangelnden Initiative Geiers zerschlug. Ein Punkt, bei dem auch Maschke mäßigend eingriff. Egal ob oder von welcher Seite es einen Fehler gegeben habe: „Man kann nicht nur darauf warten, angesprochen zu werden.“

In diesem Sinne machte Jürgen Peters als Vertreter des Geislinger Tierschutzvereins deutlich, dass „diese Runde eigentlich die falsche ist, um das Thema zu bereden“. Ansprechpartner für Geier sei nicht die Kommune und nicht die Tierheimleitung. „Wenn wir eine Regelung hinbekommen wollen für Exoten, muss der nächste Schritt sein, sich mit den Vorständen der drei Vereine zusammen zu setzten. Doch ich kann jetzt schon sagen: Bis wir eine Lösung haben, wird es lange dauern.“ Um in die Puschen zu kommen, wird es auf jeden Fall zuvor das klärende Gespräch der beiden Geislinger Akteure geben.

Grundlegendes Problem ist und bleibt laut Peters das Geld, „man kann sagen, alle Tierheime krebsen rum. Auch das, was wir bekommen, reicht nicht, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Unser Verein ist deshalb auf Spenden angewiesen.“ Anders formuliert: Anfallende Kosten lassen sich nicht refinanzieren, „wir können Tiere nicht zum selben Preis weitervermitteln“. Allein die Tierarztkosten verschlingen den Großteil der Zuschüsse. Ob und wie man da Geier in die Kooperation miteinbinden kann – der neue Vertrag hat eine Laufzeit von zehn Jahren – müsse man nun klären.

In diesem Sinne regte Dehmer an, dass sich Geier auch noch einmal an den Göppinger Tierschutzverein wenden solle, der ja dasselbe Problem mit der Unterbringung von Exoten habe.

Die Vorgeschichte: Die alte und die neue Tierschutz-Kooperation


Michael Geier, der in Weiler eine Zoohandlung betreibt, hatte über Jahre ausgesetzte Exoten, Reptilien und Ziervögel aufgenommen und komplett auf eigene Kosten versorgt. Ebenso hatte er über Jahre versucht, in die damalige Kooperative der beiden Tierheime von Göppingen und Geislingen sowie des Donzdorfer Katzenschutzes aufgenommen zu werden – jedoch erfolglos. 2016 war Göppingen aus- und trotz eines Vermittlungsversuchs des Deutschen Tierschutzbundes nicht wieder eingestiegen. Geier hatte darauf gehofft, bei einer Neuregelung berücksichtigt zu werden, zumal es keine Einrichtung im Kreis Göppingen gibt, die Exoten aufnehmen kann und darf.

Doch auch dieser Anlauf scheiterte: in der neuen Kooperation kümmern sich nun Tierschutzverein Geislingen, Katzenschutz Donzdorf sowie – neu hinzugekommen – die Tierherberge Donzdorf um die Versorgung der Fundtiere des Landkreises – mit Ausnahme des Göppinger Stadtgebiets. Für das ist künftig der dortige Tierschutzverein in Eigenregie verantwortlich.

Durch die Neueregelung wird sich die finanzielle Ausstattung der Tierheime verbessern. Zuvor führen 38 Kommunen des Landkreises zehn Prozent ihrer Einnahmen aus der Hundesteuer an die Kooperative ab. Aus dem Topf – rund 100 000 Euro – erhielten Göppingen und Donzdorf je 45 Prozent, Geislingen den Rest. Bei der neuen Regelung gibt es eine Pro-Kopf-Pauschale von 77 Cent, der genaue Verteilerschlüssel steht noch aus. Doch auch das wird kein Schlaraffenland sein: Geislingen peilt eine Kostendeckungsgrad von etwa 30 Prozent an, zuvor waren es 20 Prozent.