Mitte September fiel der Startschuss für den ersten Bauabschnitt des Geislinger Tälesbahn-Rad- und Fußwegs. 1,2 Kilometer lang, führt dieses Stück auf der ehemaligen Trasse der Tälesbahn von der Wiesensteiger Straße bis zum Albwerk. Nun ist der Abschnitt fertig, in einem letzten Arbeitsgang kam noch der Asphalt-Feinbelag auf die Piste. "Der Weg ist inzwischen für die Öffentlichkeit freigegeben, eine offizielle Einweihung wird es aber erst im Frühjahr geben", sagt Geislingens OB Wolfgang Amann. Dann, wenn Hinweistafeln für die "Route der Industriekultur" durchs Filstal stehen, deren Bestandteil der Tälesbahn-Weg ist.

Bei selbigem hätte die Stadtverwaltung am liebsten schon zum Monatswechsel die Ampeln auf Grün gestellt. Verhindert hatte dies das frostige Wetter: Wegen der eisigen Temperaturen war der Untergrund - in diesem Falle die Asphalt-Tragschicht - zu kalt, um darauf weiterarbeiten zu können. "Die nur drei Zentimeter dicke Asphalt-Deckschicht würde zu schnell auskühlen", erklärt der Geislinger Tiefbauchef Ulrich Weingart. Der Asphalt ließe sich nicht ordentlich verarbeiten, würde spröde und reißen. "Darum lässt sich wegen der Gewährleistung kein Bauunternehmen auf so etwas ein", sagt Weingart.

Ein Sanierungsfall wäre auch gar nicht im Sinne der Stadt gewesen, schließlich hat sie einen Batzen Geld für den Umbau der Tälesbahn-Trasse in die Hand genommen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 435 000 Euro, rund 220 000 Euro davon flossen als Fördermittel von Land und Region ins Projekt.

Die Crux an der Sache: Wer auf dem neuen Weg auf Tour ist, der bewegt sich weiterhin auf historischem Untergrund. Der Schotter der 1923 eröffneten und 1981 stillgelegten Strecke wurde als Unterbau wiederverwendet. "Wir haben den Gleisschotter untersuchen lassen, ob er Altlasten enthält. Da war nicht der Fall", sagt Weingart. Daraufhin rückte die Fräse an, entriss den Gleisschotter dem Pflanzenwildwuchs, der mit seinen Wurzeln bereits tief ins Bett eingedrungen war. Das Ganze wurde noch verdichtet und mit einem Trennfleece bedeckt, damit die Feinteile der darüber liegenden Frostschutzschicht aus Kies nichts ins Gleisschotterbett wandern. "Sonst könnte der Weg einbrechen", erläutert Weingart.

Lediglich auf 400 Meter Länge - zwischen Wiesensteiger und Ostmarkstraße - bleibt die alte Tälesbahntrasse unberührt und wird "sich selbst überlassen", wie es Weingart formuliert. In diesem Bereich gab es schon zuvor einen Rad- und Fußweg, der wurde nun übergangslos in den neuen Weg integriert. "Wir haben dort nur die Fahrbahn saniert", sagt Weingart.

Um die Strecke auch im Dunkeln sicher zu machen, hat die Stadt 38 LED-Leuchten aufstellen lassen. Außerdem wurde die Unterführung am Zillerstall in Schuss gebracht. Der Durchgang unter der Wiesensteiger Straße erhielt einen neuen, hellen Anstrich, außerdem eine Verkehrsführung in beide Richtungen mit Boden-Markierungen und Pfeilen. Die beiden neuralgischen Punkte, an denen der Tälesbahn-Weg die Paulinenstraße und die B 10 kreuzt, sind durch Vorfahrt-achten-Schilder gesichert. "Mehr halten wir nicht für erforderlich", sagt Weingart. Man habe lange diskutiert, ob man an diesen Stellen Umfahrungen installiere, dann den Gedanken verworfen. "Das würde nur Stau in eine Richtung geben, wenn die Schulkinder durchfahren. Außerdem kommt man mit Rädern nicht mehr aneinander vorbei", sagt Weingart. Damit Radler und Fußgänger sicher über die B 10 beim Nel Mezzo kommen, gibt es eine Straßeninsel als Querungshilfe.

Mit dem Bau des Tälesbahn-Rad- und Fußwegs bis zum Albwerk ist das Ende noch nicht erreicht. Im kommenden Jahr soll es in einem weiteren Abschnitt weitergehen bis zum ehemaligen Abzweiger ins Eybacher Tal. "Dort ist dann vorerst einmal Schluss", sagt Weingart. Den als dritten Teil geplanten Lückenschluss zum Geislinger Bahnhof verhindern vorläufig noch die Stromleitungen und -masten der Bahn und damit verbundene baurechtliche Hürden. Dieser Abschnitt werde aber auf jeden Fall kommen, versichert Amann.

Auch wenn bis dahin noch mindestens zwei Jahre vergehen, sieht Weingart das Projekt schon jetzt als Erfolg an: "Wenn die Strecke einmal durchgängig befahr- und begehbar sein wird, lässt sich Geislingen durchqueren, ohne auch nur einmal auf die Straße zu müssen. Das können nur wenige Städte bieten." Amann berichtet sogar schon von positivem Feedback aus der Bevölkerung. "Zu mir hat neulich jemand gesagt, ,dau hent ihr endlich mal was Gscheids gmacht" - aus Schwabenmunde ein Riesenlob.