Eine Fahrspur der halbseitig gesperrten Kreisstraße K 1449 von Eybach nach Treffelhausen auf Höhe der Oberen Roggenmühle war auf einige hundert Meter zugeparkt. Dort standen vornehmlich alltagstaugliche Fahrzeuge jüngeren Datums. Doch auf dem Parkplatz der Oberen Roggenmühle, des nicht nur bei Wanderern beliebten Ausflugziels an der Eyb, durften nur automobile Raritäten mit mindestens 30 Jahren und mehr auf dem Buckel abgestellt werden. Kein Wunder: Der Veteranenclub Eybach (VCE) hatte zusammen mit Roggenmüller Martin Seitz zum 7. Oldtimertreffen ins Roggental geladen.

Für 200 Besitzer betagter Fahrzeuge war es deshalb keine Frage, den Sonntag in vertrauter Gesellschaft von Oldtimerfans und Gleichgesinnten zu verbringen. Liebevoll restaurierte Kleinwagen, Limousinen unterschiedlicher Nobelmarken oder Sportwagen englischer Herkunft bestaunten die Besucher ebenso wie PS-strotzende Boliden aus Amerika oder Landmaschinen und Traktoren aus Zeiten, als auch noch Ochsen und Pferde Karren und Pflug zogen.

Einer, der seinen 48 Jahre alten Ford Mustang auf dem geschotterten Parkplatz vor der Roggenmühle präsentierte, war Hans-Jörg Engstler aus Geislingen. Vor sieben Jahren hätte er den schwarzen Achtzylinder gekauft, der einmal in Florida unterwegs war. Seinerzeit sprach der Mustang ein breites Publikum an und entwickelte sich zum wahren Kassenschlager eines vornehmlich jüngeren Publikums. Für den Geislinger war es einfach aus Spaß an der Freude, als er seinen Fuhrpark um den 200 PS-starken, schwarz lackierten Exoten erweiterte.

Nur an Wochenenden werde das Gefährt aus der Garage geholt, erzählt Engstler, obwohl das Coupé ohne Weiteres alltagstauglich ist. Die Qualität sei gut, die Ersatzteilversorgung kein Problem und überdies seien Oldtimer eine gute Geldanlage. Gemäß einem Wertgutachten liegt der Preis des Mustangs bei etwa 18 000 Euro. Steuer und Versicherung seien bei Oldtimern grundsätzlich günstig. Nur der Betrieb des Amis gehe ins Geld. Gut 16 Liter Sprit auf 100 Kilometer schluckt der mit einem Hubraum von 4,7 Liter ausgestattete Motor. Doch die Fahrfreude lässt die Tankrechnung schnell vergessen.

Auch Claudio Canalini aus Eybach wird über den Durst seines 42 Jahre alten Chevrolets nicht nachdenken. Die 7,5 Liter Hubraum seiner Corvette Stingray schlucken satte 30 Liter auf hundert Kilometer. Doch dafür hat er sich einen Wunsch erfüllt, von dem er seit seinem zwölften Lebensjahr träumt und der vor einem Jahr in Erfüllung ging. Seither steht der glänzend weiße Targa in seiner Garage und wird nur zu besonderen Anlässen bewegt. Acht Zylinder, 275 PS und vor allem der gewaltige Hubraum sorgen für ein sattes Drehmoment, das dem Kreuzgelenk vom Kardan auf Dauer schlecht bekommt. Es sei anfällig, doch die Ersatzteilversorgung ist kein Problem. Die Teile kommen aus den USA und sind vergleichsweise preiswert. Bremsen, Elektrik und Lenkung werden nach den Worten Canalinis demnächst überholt und durch die anstehende Veredelung des Motorraums wird der Ami zum Hingucker schlechthin.

Das Kontrastprogramm zu Canalinis Boliden steuerte Horst Reichert aus Dornstadt zur Oberen Roggenmühle. Er chauffierte ein 12,5 PS-starkes Goggomobil, Baujahr 1968 mit einem Zweitaktmotor mit 245 Kubikzentimeter. Das bei der Firma Glas in Dingolfing gebaute Auto hat Reichert 1990 gekauft. Es sei in einem fürchterlichen Zustand gewesen und hat sich unter den Händen seines neuen Besitzers zu einem wahren Prachtstück entwickelt. Das mit einem Rolldach ausgestattete Goggo wurde in seine Bestandteile zerlegt, Sand gestrahlt, geschweißt, viele Neuteile eingebaut und seither als Hobby und Freizeitgefährt betrieben. Fünf Liter Zweitaktmischung im Verhältnis 1:25 schluckt der Motorradmotor. Und bei maximal 90 Stundenkilometer hat der 240 Kilogramm schwere Kleinwagen seine Grenzen erreicht.

Mit einem McCormick vom Typ Farmall DLD2 aus dem Hause der International Harvester Company (IHC) hat sich Herbert Lenz aus Gingen auf den Weg ins Eybtal gemacht. Vor fünf Jahren habe er den 61 Jahre alten Traktor in einem erbärmlichen Zustand gekauft und in neun Monaten harter Arbeit zu neuem Leben erweckt. Bis dahin sei der Bulldog jahrelang im Freien gestanden und war völlig eingewachsen. Doch als Basis für eine umfangreiche Sanierung habe sich das landwirtschaftliche Gefährt allemal angeboten - nicht zuletzt deshalb, weil der 14 PS-starke Dieselmotor sofort angelaufen sei. Der Traktor wurde komplett zerlegt, abgedichtet und wieder neu aufgebaut. Und nachdem er mit Pinsel und Walze in seinen Ursprungszustand Rot versetzt wurde, strahlt der Oldtimer wie am ersten Tag.

Auf nur zwei Rädern bewegte sich Roland Huber von Kuchen nach Eybach. Er kam mit einer 33 Jahre alten Suzuki GSX 250 E, die er vor 13 Jahren geschenkt bekam. Die Maschine stand lange Zeit im Freien und sei nicht mehr richtig gelaufen. Doch mit etwas Geduld und fachlicher Unterstützung habe der 17 PS-starke Zweizylinder wieder seinen Dienst und Fahrt aufgenommen, erzählt Huber.

Zwar falle das Motorrad für heutige Verhältnisse eher in die Kategorie Kleinkraftrad. Doch der Fahrspaß sei nicht zu unterschätzen, nicht zuletzt deshalb, weil Roland Huber mit nur maximal 80 Stundenkilometer unterwegs ist.