Geislingen Mechatroniker brauchen nicht nur kühlen Kopf

Michael Schneiker von der Firma „Kälte Klima Service“ hat vor 20 Jahren den Beruf Kälteanlagenbauer gelernt. Heute bildet der Meister Nachwuchskräfte für Kältetechnik aus. Bei einem Bewerber zählt der Umgangston mehr als brillante Noten.
Michael Schneiker von der Firma „Kälte Klima Service“ hat vor 20 Jahren den Beruf Kälteanlagenbauer gelernt. Heute bildet der Meister Nachwuchskräfte für Kältetechnik aus. Bei einem Bewerber zählt der Umgangston mehr als brillante Noten. © Foto: Claudia Burst
Geislingen / Von Claudia Burst 22.06.2018
Der Mechatroniker für Kältetechnik ist dafür verantwortlich, dass Kühlgeräte funktionieren. Auszubildende arbeiten schon früh praxisbezogen.

Ohne Kältetechnik wären Annehmlichkeiten wie ein Eis, ein kühles Weizen oder auch frische Blumen vom Gärtner nicht denkbar. Ohne Tiefkühltruhe oder Kühlschrank beziehungsweise ganze Tiefkühl- und Kühlräume würden Lebensmittel verderben, hätten Bäckereien, Metzgereien, Gastronomien und zahlreiche Industriezweige ernste Probleme. Ohne Klimaanlagen in Serverräumen wäre der Computereinsatz nicht mehr möglich und in Operationssälen oder Laboren könnte nicht mehr gearbeitet werden.

Gut, dass es den Mechatroniker oder die Mechatronikerin für Kältetechnik gibt. Sie planen und montieren entsprechende Anlagen und Systeme der Kälte- und Klimatechnik, sie warten oder reparieren die Anlagen und sie sind in der Lage, diese bei Bedarf umzubauen. „Es ist ein absolut vielseitiger Beruf, weil unsere Monteure Einblicke in die unterschiedlichen Anforderungsbereiche unserer Kunden haben“, sagt Michael Schneiker von der Firma KKS „Kälte Klima Service“ in Eislingen. Er selber hat den Beruf vor 20 Jahren nach seiner Mittleren Reife gelernt, damals hieß dieser allerdings noch Kälteanlagenbauer. Heute ist Schneiker Meister seines Fachs. Das Berufsbild „Mechatroniker für Kältetechnik“ umfasst außer der Gerätemontage und dem notwendigen Rohrleitungsbau auch noch einen großen Teil Elektrotechnik, betont Schneiker: „Wir bauen unsere kompletten Steuerungen selber.“

Ein Mechatroniker-Azubi für Kältetechnik dürfe bereits „relativ früh relativ viel selber machen, weil man dadurch am meisten lernt“. Nach dreieinhalb Jahren Ausbildung – bei gutem Notendurchschnitt gibt es Lehrzeitverkürzung – sei ein Geselle in der Lage, Kunden über die vielseitigen Einsätze von Kühltechnik und die Möglichkeiten einer Klimaanlage so zu beraten, dass der sich hinterher über die für ihn optimale Lösung freut.

Von den Bewerbern fordert Schneiker „keine speziellen Schulabschlüsse oder Wahnsinnsnoten – auch wenn Mathe nicht gerade ein rotes Tuch sein sollte. Zu rechnen gibt es schon einiges.“ Was ihm dagegen ausgesprochen wichtig ist, sind vor allem Interesse und Motivation für den Beruf, handwerkliches Geschick und ein anständiger Umgangston mit den Kollegen und Kunden.

Die Theorie für den Beruf lernt der Azubi während des Blockunterrichts im Beruflichen Schulzentrum Leonberg. Dort findet auch die überbetriebliche Ausbildung einmal im Jahr statt, bei der fachspezifische Themen in Theorie und Praxis intensiv gelehrt und geübt werden. Bevor die Gesellen dann weitermachen zum Meister, Techniker oder – je nach Noten – sogar zum Ingenieur, empfiehlt Schneiker, erst noch als Geselle einige Jahre Erfahrungen zu sammeln. Der Grund: „Da man nach der Lehrzeit noch lange nicht alles gesehen hat.“

Bei der Berufswahl an Alternativen denken

Selten hatten junge Menschen so gute Startbedingungen für ihr Berufsleben wie jetzt. Fachkräfte mit einer Ausbildung und aufbauenden Qualifizierungen sind auf dem Arbeitsmarkt extrem gefragt und haben ebenso gute Karrierechancen wie mit einem Studium. Insgesamt gibt es rund 350 Ausbildungsberufe – und in nahezu allen werden Nachwuchskräfte gesucht. Es lohnt sich, neben den „Top 10“ der beliebtesten Ausbildungsberufe auch die nicht so bekannten anzuschauen und attraktive Alternativen für sich zu entdecken. In der Serie stellen wir einige von ihnen vor.

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