Geislingen / Jochen Weis (GEISLINGER ZEITUNG)  Uhr
Von Treffelhausen bis Kuchen und den Rorgensteig erstreckt sich das Natura-2000-Gebiet „Eybtal bei Geislingen“.

Die Geschichte hört sich hochbürokratisch an: Bereits seit 1992 existiert das FFH-Gebiet „Eybtal bei Geislingen“ (siehe Infobox), zugleich ein Natura-2000-Schutzgebiet. Für diesen Beritt entsteht nun ein sogenannter Managementplan. Diese Pläne sind von der Europäischen Union (EU) vorgeschrieben und dienen dazu, die Schutzgebietsrichtlinien umzusetzen. Auftraggeber und Zuständiger des Verfahrens im vorliegenden Fall ist das Regierungspräsidium Stuttgart.

Bestand an Tieren und Insekten wird erfasst

Um zum Ziel zu kommen, gab es zunächst eine Bestandsaufnahme mit dem Blick auf alles, was dort kreucht, fleucht, schwimmt und blüht. Basierend darauf hat das Ingenieurbüro Lange aus Moers einen Planentwurf erstellt, der im Geislinger Rathaus öffentlich auslag. „Die Anregungen oder Einwände werden dann noch mit eingearbeitet“ erklärt Sonja Pfau vom Umweltbüro der Stadt. 70 Prozent des Gebiets befindet sich auf Geislinger Gemarkung, es umfasst das Eyb- respektive Roggental sowie Teile des Längen- und Rohrachtals samt Hänge. 90 Prozent sind Wald, davon 44 Prozent in Privatbesitz.

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FFH-Gebiete dienen Erhalt von Arten

Das vermeintlich Hochbürokratische hat indes einen ganz simplen Sinn. „Die FFH-Gebiete dienen der Erhaltung und dem Schutz von Lebensraumtypen und Arten von europaweiter Bedeutung“, sagt Pfau: „Das Besondere am Lebensraum Eybtal ist der hohe Anteil an Buchenwald, er macht etwa 90 Prozent der bewaldeten Fläche aus. Außerdem kommt dort das Grüne Besenmoos vor.“ Bei der Fauna gebe es im Wesentlichen vier Arten, für die das Gebiet ein wichtiger Lebensraum ist. „Das ist zum einen die Spanische Flagge, ein Schmetterling, den man in der Region nur in diesem Bereich sieht“, sagt Pfau. Weitere spezifische Bewohner sind zum anderen die Groppe, ein Fisch, den manche vielleicht unter dem wenig schmeichelhaften Namen Rotzkopf kennen, sowie das Große Mausohr, eine Fledermaus.

Lebensräume sollen erhalten und verbessert werden

„Ziel des Plans ist es, das Gebiet so zu entwickeln, dass die ­Lebensraum-Situation erhalten bleibt oder besser wird“, erklärt Pfau. Das heißt beispielsweise, die bislang schon praktizierte naturnahe Waldbewirtschaftung beizubehalten mit der Prämisse, Alt- und Laubholzbestände als Jagdgebiet und Refugium des Großen Mausohrs zu erhalten. Ein Lebensraum, den auch das Grüne Besenmoos liebt. Oder aber – wie im Fall der Groppe – die „ökologische Durchgängigkeit“ der Eyb herzustellen. Em­pfohlene Maßnahmen hierfür sind der Abbau von Wehren und der Bau von Fischtreppen. Dabei soll das naturnahe Flussbett mit Totholz, Wurzeln oder Unterspülungen so belassen bleiben, damit die Fische Versteck- und Laichmöglichkeiten vorfinden. Für die Spanische Flagge gibt der Plan indes vor, die krautreichen Staudenflure zu erhalten, die dem Schmetterling ein entsprechendes Nahrungsangebot bieten.

Die Geislinger Steige wird wegen des Baus des neuen Radwegs für zwei Monate gesperrt. Der Verkehr auf der B10 muss sich eine Fahrspur teilen.

FFH soll nicht mit Tourismus kollidieren

„Man sieht, dass der Schwerpunkt vor allem auf der Erhaltung liegt“, sagt Pfau. Einschränkungen müssen Wald- und Grundbesitzer darum nicht fürchten, für sie sei letztlich der Status Quo relevant. „Für ein FFH-Gebiet gilt grundsätzlich ein Verschlechterungsverbot, aber kein Verbesserungsgebot.“

Befürchtungen, dass das große Thema FFH mit dem anderen großen Thema Tourismus kollidiert, hat Pfau nicht. Zwar legt der Managementplan für sensible Bereiche eine Abschirmung vom Tourismus nahe, „aber es geht nicht darum, alles unter eine Käseglocke zu stellen, sondern darum, den Leuten zu zeigen, was man hat. Man muss gute Angebote machen, aber den Tourismus eben entsprechend lenken.“

Info: Dieser Artikel erschien im Internet am Freitag, 16. August, 11 Uhr - im ePaper und der gedruckten GZ am Donnerstag, 15. August.

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Die Schutzgebiete und ihre Bedeutung

FFH-Schutzgebiete
Dies sind Schutzgebiete, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union ausgewiesen werden. Ziel ist es, die Lebensräume wildlebender Tiere und Pflanzen durch ein zusammenhängendes System dieser Schutzgebiete zu erhalten. Die Richtlinie gibt es seit 1992, aktuell gilt die Fassung aus 2013.

Vogelschutzrichtlinie
Die EU-Vogelschutzrichtlinie trat bereits  1979 in Kraft, derzeit gilt die Fassung aus dem Jahr 1979. Der korrekte Name lautet „Richtlinie über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten“ und ist zugleich Programm. Darin geregelt sind auch die Jagd, Fangverbote und der Handel mit bestimmten Vogelarten.

Natura 2000
Dieses Netz von Schutzgebieten, welche die EU-Mitgliedsstaaten ausweisen, sowie der Schutzgebiete auf Grundlage der EU-Vogelschutzrichtlinie nennt sich Natura 2000. Beide Schutzgebietstypen können sich überlagern. Aktuell gibt es in Deutschland 4544 FFH- und 742 Vogelschutzgebiete.

Gebiete bei Geislingen
Bei Geislingen gibt es zwei FFH-Gebiete: das 18,4 Quadratkilometer große Gebiet „Eybtal bei Geislingen“, das Gebiete auf Geislinger, Böhmenkircher, Kuchener und Donzdorfer Gemarkung umfasst, sowie das 55 Quadratkilometer große Gebiet „Filsalb“ mit Flächen von elf Filstal- Kommunen von Süßen bis Wiesensteig.