Geislingen/Heilbronn NACHRUF ZUM TOD VON HERMANN RAU: Mit Tatkraft und Witz

86-jährig starb in der Nacht zum Dienstag Kirchenmusikdirektor Professor Hermann Rau.
86-jährig starb in der Nacht zum Dienstag Kirchenmusikdirektor Professor Hermann Rau. © Foto: Ulrich Schlecht
Geislingen/Heilbronn / ULRICH SCHLECHT 13.03.2014
In der Nacht zum 11. März, kurz vor Vollendung des 87. Lebensjahres, ist Kirchenmusikdirektor Professor Hermann Rau gestorben. Am Dienstag, 18. März, um 14 Uhr findet in der Kilianskirche Heilbronn die Trauerfeier statt.

"Des hot ma scho beim Hermann Rau gsonga" - solche Erinnerungen, noch vor Kurzem im Kuchener evangelischen Kirchenchor zu hören, wenn wieder ein Lied aus dem "Gölz", dem großformatigen Choralbuch, in Angriff genommen wurde, bezeugen den nachhaltigen Eindruck, den der junge Musiker Hermann Rau hinterlassen haben muss, als er ein halbes Jahrhundert zuvor für kurze Zeit als Dirigent des Chores tätig war.

Geboren in Eislingen, war Rau durch einen Arbeitsplatzwechsel seines Vaters nach Kuchen gekommen, genauer in die damalige SBI, wo er mehr als zwanzig Jahre ge-wohnt hat. Nach Krieg, Abitur und Studium der Kirchenmusik in Stutt-gart wurde er 1952 Nachfolger des städtischen Musikdirektors Gustav Schneider an der Geislinger Stadtkirche. Diese Stelle bekleidete er, bis er 1964 an die Kilianskirche in Heilbronn berufen wurde. In jener Zeit hat er auch zahlreiche Schüler im Klavier- und Orgelspiel unterrichtet, darunter seinen Nach-Nachfolger Gerhard Klumpp.

Noch als Student gründete Rau im Jahr 1948 den "Geislinger Sing-kreis", mit dem er sich auch nach seinem Weggang - als Ehrenchorleiter - stets verbunden fühlte. Aus kleinsten konzertanten Anfängen führte er den Chor in wenigen Jahren zu einem Ensemble von hohem Leistungsvermögen, das die großen Werke der Kirchenmusik in Geislingen zum Leuchten brachte.

Überhaupt war Hermann Rau eine ausgesprochen unternehmerische Natur. So ging er mit dem Singkreis über die Alb und führte im Zwiefaltener Münster große Oratorien auf; in der Stadtkirche konzertierte er an 18 Abenden sämtliche Orgelwerke von J. S. Bach; und in Heilbronn, wo zeitweise drei Chöre unter seiner Leitung standen, verantwortete er die namhafte Reihe "Heilbronner Kirchenmusiktage".

Daneben bewies Rau auch als Funktionär große Tatkraft. Er war Vorsitzender des württembergischen Kirchenmusikverbandes und Präsident des Verbandes evangelischer Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker in Deutschland.

Es war auch keine Frage, dass Rau sich nach seiner dienstlichen Zurruhesetzung nicht auf die Rentner-, sondern weiterhin auf die Orgelbank setzen würde. Er hat einen stillgelegten Bahnhof gekauft, in dem er die "Musikstation Heilbronn-Sontheim" einrichtete mit eigenen Konzertprogrammen und auch zahlreichen Gastmusikern.

Einer langwierigen Krankheit hat Rau noch die Niederschrift seiner Lebenserinnerungen abgerungen - und mit vielen Fotos, Tabellen und Dokumenten veröffentlicht. Wer ihn kannte, wird darin den echten Hermann Rau finden mit seiner Akkuratesse, seinem trockenen Witz und auch einer Prise Selbstironie.

 

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