„Wir sind alle ziemlich geschockt“, sagt Melanie Kiemele. Sie spricht für die vielen Eltern, deren Kinder täglich den Weg zum Kindergarten oder zur Schule in Eybach gehen. Am Mittwoch war ein Fünfjähriger auf einem Zebrastreifen in der von Degenfeld-Straße von einem Auto erfasst und schwer verletzt worden.

In dem Unfall gipfelte das, was vor allem Eltern in Eybach schon lange beklagen: Der Fußgängerüberweg mit Verkehrsinsel in der von Degenfeld-Straße, den viele Kinder auf dem Schulweg benutzen, ist eine gefährliche Stelle. Viele Autofahrer auf der stark befahrenen L1221 ignorieren den Zebrastreifen und halten nicht an – obwohl ein Kind oder ein Erwachsener die Straße überqueren will, weiß Kiemele, die selbst Mutter ist. Vor allem morgens im Winter sei die Gefahr für Fußgänger groß.

Nach Unfall in Eybach: Elternbeirat sammelt Unterschriften für Ampel

Die Mitglieder des Elternbeirats der Villa Kunterbunt sind sich einig: Die Stelle muss sicherer werden, das Risiko geringer. Zu dem Eybacher Kindergarten war der Fünfjährige am Mittwoch unterwegs. Nicht erst jetzt verfolgt der Elternbeirat das Ziel, dass an der Gefahrenstelle eine Ampel aufgestellt wird. Es habe dazu bereits zu früherer Zeit Gespräche mit der Geislinger Stadtverwaltung gegeben, berichtet Kiemele stellvertretend für den Elternbeirat.

Jetzt will der Elternbeirat nichts mehr unversucht lassen und hat eine Unterschriften-Liste ins Leben gerufen. Diese wird in der Villa Kunterbunt, in der Grundschule Eybach, beim TV Eybach, in der Bäckerei Geiger und im Musikverein ausgelegt. Auch auf Facebook wurde die Liste bereits geteilt, viele User sprechen den Eltern ihre Unterstützung zu.

Wenn die Unterschriften gesammelt sind, will der Elternbeirat auf die Stadt zugehen mit der Hoffnung, dass sich an der Gefahrenstelle endlich was tut.

Gefahrenstelle auf L1221 Thema bei Verkehrsschau

Die Stelle, an der der Unfall sich ereignet hat, wurde mindestens bei einer Verkehrsschau im Jahr 2005 begutachtet, wie Christopher Flämig von der Straßenverkehrsbehörde in Geislingen auf Nachfrage mitteilt. Seinerzeit habe man sich nach dem Ortstermin, bei dem unter anderem auch die Polizei und das Straßenbauamt der Landkreise Esslingen und Göppingen beteiligt war, gegen eine Ampel entschieden.

Geislingen

Die Straße sei viel befahren, aber breit und gerade und damit übersichtlich für Verkehrsteilnehmer, erklärt Flämig. Da der geradlinige Verlauf aber auch günstig für Raser sei, seien in der Vergangenheit unter anderem Verkehrsinseln sowie Geschwindigkeits-Messanlagen angebracht worden.

Von 2014 bis 2016 zwei Unfälle mit Schwerverletzten in Eybach

Statistiken zufolge hätten sich zwischen 2014 und 2016 in Eybach zwei Unfälle „schwererer Art“, also mit Schwerverletzten, ereignet – laut Flämig verhältnismäßig wenig und Baden-Württemberg weit „im grünen Bereich“; Unfalltote habe es in diesen drei Jahren keine gegeben.

Stadtverwaltung Geislingen will Unterschriften-Liste berücksichtigen

Insgesamt liegt die Entscheidung für oder gegen eine Ampel beim Straßenbauamt, da es sich um eine Landesstraße handelt, erklärt Flämig. Doch die Stadt könne dies „forcieren und anschieben“. Sicher ist laut Flämig, dass die Gefahrenstelle erneut in einer Verkehrsschau berücksichtigt wird. Dann werde man auch die Unterschriften-Liste des Elternbeirats einbeziehen. Wann eine Ortsbegehung stattfinden soll, ist allerdings noch unklar. Die nächste planmäßige Verkehrsschau wäre im Frühjahr 2020 – für diesen Fall gebe es jedoch möglicherweise einen Sondertermin, erklärt Flämig.