Flüchtlinge Moslem hat Freude am Fest

Der 19-jährige Abdallah sitzt vor Geschenkpapier. In diesem Jahr verteilt auch er Weihnachtsgeschenke. Er hat das Weihnachtsfest schätzen und lieben gelernt, und das als Moslem. 
Der 19-jährige Abdallah sitzt vor Geschenkpapier. In diesem Jahr verteilt auch er Weihnachtsgeschenke. Er hat das Weihnachtsfest schätzen und lieben gelernt, und das als Moslem.  © Foto: Claudia Burst
Claudia Burst 26.12.2017
Zweimal hat der 19-jährige Abdallah bereits Weihnachten in Deutschland miterlebt. Der Moslem freut sich besonders auf das Singen in der Kirche.

Die Lieder in der Kirche, das ist mega-interessant. Nein, cool. Nein, ich finde das Wort nicht…“, sagt Abdallah Arbae und langt sich ans Herz. Genau dort spürt er die Lieder, sagt er.

Abdallah freute sich schon Mitte Dezember auf Weihnachten. Zweimal hatte der aus dem Irak geflüchtete Moslem zuvor schon das Fest in Deutschland miterlebt. Beim ersten Mal war er gerade mal drei Monate in Deutschland. Als UMA, wie unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Amtsdeutsch abgekürzt werden, wurde er der Eybacher Wohngruppe der Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung Berghaus Sankt Michael zugeteilt.

 „Auch bei uns im Irak gibt es Christen, aber ich wusste nicht genau, was Weihnachten bedeutet“, erzählt er. Michaela Barreith, die pädagogische Leiterin des Berghauses, habe ihm damals erklärt, dass Jesus an Weihnachten geboren wurde. „Mich hat es interessiert, was Christen an diesem Tag machen, deshalb ging ich mit Michi an Weihnachten mit in die Christmette in Geislingen“, erzählt der 19-Jährige. „Ich fand das schön, das Singen und das Beten. Und ich finde den Tag gut und wichtig, weil jeder zu seiner Familie geht.“

Weil Abdallah damals noch der einzige Flüchtling in der Eybacher Wohngruppe war und deshalb an Weihnachten zu keiner Familie konnte, lud ihn Michaela Barreith mit zu sich und ihrem Freund nach Hause ein.

Im vergangenen Jahr ging Michaela Barreith an Weihnachten zu ihren Eltern – und auch dort war Abdallah als Gast herzlich willkommen. „Wir haben dort lecker gegessen. Kartoffeln und hmm, Spätzle“, erinnert sich der junge Mann mit dem gestylten langen Bart lachend. Anschließend hätten alle gesungen und Herr Barreith habe die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vorgelesen. Er habe sogar ein Geschenk bekommen. „Dieses Jahr habe ich auch ein Geschenk für Michi – ich glaube, dass sie sich darüber freuen wird“, erzählt Abdallah und strahlt in Vorfreude. Michi und ihr Freund Patrick, das sei für ihn wie eine zweite Familie, sagt er. Obwohl seine Mutter und sein kleiner Bruder inzwischen auch in Deutschland – in Essen – leben, möchte Abdallah auch nach seiner Anerkennung als Asylbewerber auf jeden Fall in Eybach bleiben. Dort lebt er inzwischen selbstständig in einer Einzimmer-Wohnung und wird nur noch einmal pro Woche von einem Betreuer besucht. Er hat Freunde gefunden, geht in Geislingen in die Gewerbliche Schule und absolviert dort im Sommer den Hauptschulabschluss. „Mein Lieblingsfach ist Deutsch. Das ist cool“, betont er grinsend. Dass er das wirklich so meint, hört man – sein Deutsch ist gut. Ihm gefällt die Möglichkeit, in der Schule und dort in der Friseurabteilung praktische Erfahrungen zu sammeln. „Ich will Friseur werden. Oder Kaufmann. Aber zu 80 Prozent lieber Friseur“, sagt er, weil er den Kontakt zu den Menschen möge und „weil mich Mode und Styling einfach interessieren.“

Auch in diesem Jahr besuchte Abdallah wieder mit Michi und ihrer Familie die Christmette in der Stadtkirche. „Inzwischen kann ich die deutschen Lieder mitsingen. Und wenn die Kirchenglocken läuten, dann ist das wie eine direkte Verbindung zu Gott.“