Ulm/Salach Mordprozess: Hausarzt bestätigt Blutphobie nicht

JOCHEN WEIS 30.11.2012
Im Mordprozess gegen einen Salacher ging es am Freitag um die Frage: Leidet der Mann an einer Blutphobie? Einen Schaden an seinem Auto sieht die Verteidigung indes als Indiz für die Schilderung ihres Mandanten.

Hämatophobie oder Blutphobie: So bezeichnen Psychologen die krankhafte Angst vor Blut, genauer: vor dessen Anblick. Bei Betroffenen können die Reaktionen von Übelkeit bis hin zu Ohnmacht reichen. Im Mordprozess gegen einen 44-jährigen Salacher am Ulmer Landgericht stand am achten Verhandlungstag im Mittelpunkt, zu klären, ob der Mann an einer solchen Blutphobie in der extremsten Ausformung leidet. Er selbst behauptet dies.

Dem Salacher wird vorgeworfen, seine ehemalige Lebensgefährtin in deren Wohnung in Göppingen erstickt zu haben, um das alleinige Sorgerecht für die gemeinsame Tochter zu bekommen. Nach der Schilderung des 44-Jährigen soll die Frau jedoch durch eine Verkettung unglücklicher Umstände im Kofferraum seines Autos erstickt sein. Er will sie nach einem Streit auf einem Parkplatz nahe Adelberg gefesselt und dort eingesperrt haben, um ihr Angst zu machen. Angeblich hatte die Frau noch stundenlang gelebt, der Angeklagte den Kofferraum jedoch nicht mehr geöffnet – weil er fürchtete, sie habe sich eine blutende Wunde zugezogen.

Am Freitag war nun der langjährige Hausarzt des Mannes als Zeuge geladen. Der konnte die Darstellung des Angeklagten jedoch nicht bestätigen (allerdings auch nicht widerlegen), wonach selbiger an Hämatophobie leidet. Zwischen 1996 und 2007 war der Salacher sein Patient. In all dieser Zeit kam es aber offenbar nie zu Situationen, die auf eine Phobie schließen ließen.

Ob es je „Besonderheiten bei der Blutentnahme“ gegeben habe, wollte der Vorsitzende Richter, Gerd Gugenhahn, wissen. Antwort: Nein. „Es kann sein, dass er Angst vor den Spritzen hatte“, meinte der Mediziner, „die Angst vor Blutentnahme kommt mal vor, ist aber nichts Besonderes.“ An eine Bewusstlosigkeit konnte sich der Zeuge ebenso wenig erinnern wie an eine mögliche Frage des Angeklagten, ob man Hämatophobie therapieren kann.

Ob die Darstellung des Angeklagten vom Tod der Göppingerin plausibel ist, versuchte das Gericht zudem anhand eines Schadens am Auto des Angeklagten zu ergründen. Als Zeuge war ein Beamter der Spurensicherung geladen, der seinerzeit den Pkw mit unter die Lupe genommen hatte. Dabei ging es vor allem um eine Beschädigung der Innenverkleidung der Kofferraumklappe. Auf Fotos war ein großes Loch im rechten unteren Bereich zu sehen, das womöglich das Opfer verursacht haben könnte. „Zu dem Zeitpunkt, an dem wir den Wagen übernommen hatten, war die Beschädigung da“, bestätigte der Beamte.

Offenbar hatte an der Stelle schon zuvor ein Schaden bestanden, aber längst nicht in der Größe, wie der Vorbesitzer des Autos gegenüber der Polizei angegeben hatte. Ebenfalls zu sehen: vier punktförmige Dellen im Blech, außerdem zwei Schrammen am Lack auf der Außenseite der Kofferraumklappe, beide etwa in derselben Größe wie die Dellen. Ob beides in Zusammenhang gebracht werden könne, fragte deshalb Oberstaatsanwalt Peter Staudenmaier. Antwort hier: „Das würde ich nicht sagen.“

Die Verteidigung sieht zumindest in der kaputten Verkleidung ein klares Indiz für die Darstellung ihres Mandanten und gab eine entsprechende Erklärung ab: Die Beschädigung könnte demnach durch ein „Ranschleudern“ des Opfers entstanden sein, die Dellen im Blech durch ein „Ranschlagen mit der Hand“, bei dem etwa ein Ring entsprechende Spuren hinterlassen kann.

Der Prozess wird am kommenden Freitag fortgesetzt.