Handwerk Mit Fachzeitschriften in den Urlaub

Ernst Häcker vor seinem Traditionsbetrieb in der Stuttgarter Straße 25 in Geislingen. Die Eisenwarenhandlung gibt es bereits seit 1963 und seit 50 Jahren am jetzigen Standort. Sie ist nicht wegzudenken.
Ernst Häcker vor seinem Traditionsbetrieb in der Stuttgarter Straße 25 in Geislingen. Die Eisenwarenhandlung gibt es bereits seit 1963 und seit 50 Jahren am jetzigen Standort. Sie ist nicht wegzudenken. © Foto: Claudia Burst
Geislingen / Claudia Burst 06.08.2018
Das über 100 Jahre alte Haus, in dem sich „Ernst Häcker Eisenwaren“ befindet, ist aus dem Geislinger Stadtbild nicht wegzudenken. Genauso wenig, wie das gut sortierte Einzelhandelsgeschäft selber.

Unterm Giebel freigelegtes Fachwerk, zur B 10 hin zwei große Bogenfenster, die Fassade verklinkert. Darauf mit geschwungenen Metall-Buchstaben die Aufschrift: „Ernst Häcker“, auf der ums Eck gelegenen Seite „Eisenhandlung“.

Seit genau 50 Jahren weist diese unaufgeregte, aber umso eindrucksvollere Aufschrift darauf hin, dass es hier genau das gibt: Eisenwaren. Und zwar alles – diesen Ruf jedenfalls haben sich Firmengründer Ernst Rolf Häcker ab 1963 und seit 1993 dessen Sohn Ernst Karl Häcker, der jetzige Eigentümer und Geschäftsführer, erworben. „Alles, was wir nicht am Lager haben, haben wir spätestens am nächsten Tag entweder bei uns oder gleich beim Kunden“, erzählt Ernst Häcker. Das sei ihm durch die Mitgliedschaft beim Einkaufsverband „Nordwest“ möglich, von wo über 30 000 Artikel aus dem Zentrallager „just in time“ geliefert würden.

Viele Dinge hat der 65-jährige Fachhändler aber im eigenen Lager, das er im Lauf der Jahre sukzessive auf 400 Quadratmeter erweitert hat und in dem er und seine Mitarbeiter sich genauestens auskennen und wissen, wo sie selbst seltene Schrauben oder Beschläge oder Ähnliches finden.

Auf das Mitarbeiter-Team sind Ernst Häcker und seine Frau Rosalija besonders stolz, weil die sechs Frauen und drei Männer selbstständig, kompetent und zuverlässig im Einsatz sind. „Alle meine Mitarbeiter haben ihre Ausbildung bei mir gemacht“, berichtet Ernst Häcker nicht ohne Stolz. In den vergangenen 30 Jahren hat er insgesamt 48 Azubi ausgebildet. „Leider ist es heute sehr schwierig, junge Leute zu finden, die sich auf diese vielfältige und interessante Arbeit einlassen und ausbilden lassen wollen“, bedauert er. Dabei legt Ernst Häcker großen Wert auf fundierte Ausbildung über die Schultheorie hinaus. Ausbildung, die sowohl den Umgang mit der Kundschaft als auch das Wissen über die Ware zur Grundlage hat. „Auch nach der Ausbildung gehen meine Mitarbeiter regelmäßig auf Schulung“, betont er.

Was kaum einer weiß: Das Ladengeschäft von „Eisen-Häcker“ macht nur etwa 20 Prozent des Umsatzes aus. „Der Laden ist unser Aushängeschild, unsere Anlaufstelle“, informiert Rosalija Häcker. Der größte Teil der Aufträge kommt vom Großhandel – von Schlossereien, Schreinereien, aus der Industrie. „Dabei handelt es sich um Werkzeuge, Baubeschläge, Arbeitsschutz-Ausrüstung, einfach alles, was in Firmen und Industrie so gebraucht wird“, sagt Ernst Häcker. Deshalb legt er auch „höchsten Wert auf Qualität“, wie er betont. „Bei mir gibt es keine Ware, von der ich nicht selbst überzeugt bin.“ Denn, so begründet er, „was nutzt billige Waren, wenn ich hinterher nur Reklamationen bearbeiten muss?“

Um den Trend der Zeit immer rechtzeitig zu erfassen, pflegen Ernst und Rosalija Häcker ihre Kontakte in die Industrie und sie besuchen Fachmessen. „Mein Mann nimmt sogar in den Urlaub einen Riesenpack Fachzeitschriften mit, um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben“, verrät seine Frau lachend. Ernst Häcker zuckt mit den Schultern: „Wenn ich das Kundeninteresse erst erkenne, wenn die Kunden nach etwas fragen, ist es zu spät.“ Ein solcher Trend, in dem „Eisen-Häcker“ inzwischen zu „dem“ Ansprechpartner zwischen Ulm und Stuttgart geworden ist, sind digitale Schließanlagen. Dafür interessieren sich vorwiegend öffentliche Kommunen, aber auch Industriebetriebe. Rosalija Häcker hat diesen Bereich für sich reklamiert und ist begeistert. „Das macht mir Spaß, das ist mein Ding“, schwärmt sie.

Weil Ernst Häcker jetzt 65 ist, und die beiden erwachsenen Kinder nicht ins elterliche Geschäft mit einsteigen, ist der Eisenfachmann dabei, die Zukunft zu planen. Das Geschäft, das jetzt 55 Jahre mit ihm beziehungsweise seinem Vater unter der Rechtsform „eK“ – eingetragener Kaufmann – gemeldet war, wird zurzeit in eine GmbH & Co. KG umgewandelt. „Mein Mitarbeiter Tobias Britzelmayer hat Interesse, das Geschäft in die Zukunft zu führen. In Form einer GmbH kann er sämtliche Aufgaben nach und nach übernehmen und ich mich entsprechend zurückziehen. Dann fängt eine neue Ära an.“

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