Wiesensteig Mit Abt Tutamann durch Wiesontestaiga Mit Sven Gajo auf nächtlicher Zeitreise

Wiesensteig / PATRICIA JEANETTE MOSER 01.10.2013
Ein Abt, ein Bauer und eine Magd führten am Freitag 50 Gäste durch das nächtliche Wiesensteig - in Winkel, in die man sonst nicht vordringt.

Ungebrochen ist das Interesse an der Geschichte Wiesensteigs und ihrem mittelalterlichen Flair. An der jüngsten Führung "Abt Tutamann gibt sich die Ehre" nahmen unter anderem Gäste aus Geislingen, Westerheim und Heroldstatt teil. Bei angenehmen herbstlichen Abendtemperaturen startete man hinauf zum "Malakoff", einem ehemaligen Restaurant über den Dächern Wiesensteigs. Nach dem Aufstieg bot sich den Gästen ein traumhafter Ausblick und ein Treffen mit Abt Tutamann, alias Sven Gajo, Polizeibeamter, Stadtrat und Wiesensteiger Bürger. Dieser führte seine Gäste an Orte wie Honigberg, Im Gräble, Kirchhof und Schlossgasse. Die Historie erläuterte die Bedeutung der Orte von damals bis heute.

"Wiesontestaiga" wurde das Städtle einst genannt und die Fils war der Fluss "Felisia". Das Geschlecht der Helfensteiner prägte das Städtle und die Umgebung über fünf Jahrhunderte hinweg. Pekuniär waren diese zwar wohlhabend, jedoch auch zeitgemäß sozial ungerecht. Daran erinnern die Hexenprozesse - gerichtlich eine Farce, mit vielen Hexenopfern.

Interessant waren auch die Erklärungen Gajos zum architektonischen Aufbau der Stadt. Wegen Brandgefahr wurde der Schmied weiter außerhalb angesiedelt - in Wassernähe. Um die Kirche und den Marktplatz scharten sich die Kanonikerhäuser der Geistlichkeit. Bäcker und Fleischer setzte man in die zweite Reihe.

Diese Führung von Sven Gajo kommt ganz ohne Schauspielszenen aus und informierte in fesselnder Weise. In die Kirche führte er durch die Sakristei und gab auch Zugang zum Altarbereich. So mancher Gast fand zu dieser Führung, weil er für die sogenannte Lebendige "mittelalterliche" Stadtführung "Hexen-Grafen-Mönche-Bettler" im Rahmen der Sommer der Ver-Führungen keine Karte mehr bekam. Bei Interesse ist zu empfehlen, beide Führungen zu besuchen, so ein Teilnehmer, der schon beide erlebt hat. Sie vermitteln die Geschichte Wiesensteigs auf jeweils eigene Art.