Helmut Rau kam zuerst als Patient ins Respofit. Er hatte Probleme mit der Schulter und brauchte Krankengymnastik. Um die Muskulatur aufzubauen, fing er mit Sport an den Geräten an. „Und jetzt gehe ich seit 24 Jahren viermal pro Woche hin und fühle mich pudelwohl“, sagt der Senior, der kürzlich seinen 90. ­Geburtstag gefeiert hat.

Auf den Runden stieß er nicht nur mit Verwandten und Bekannten an, sondern etwas später auch mit der Clique – so bezeichnet er die Freunde, die er im Gesundheitszentrum gefunden hat. „Das sind lauter Leute, die wie ich schon morgens ab sieben Uhr an den Fitnessgeräten trainieren“, erzählt er und bezeichnet sie als „lustige Truppe, mit der es immer viel zu lachen gibt“. Rau zählt auch Chef Gerhard Oechsle und seine Frau Brigitte zu seiner „Res­po-Familie“, genau so wie „die Mädla“ – die Sportlehrerinnen und Therapeutinnen.

Früher war Sport an Fitnessgeräten für Helmut Rau unvorstellbar, bekennt er: „Ich fand die Sportler bekloppt, die sich an solchen Maschinen verausgaben.“ Damals zählte für ihn nur Wandern – mit seiner Frau entweder in der Gegend oder beim Urlaub in Südtirol.

Heute trainiert er nicht nur viermal pro Woche zwei Stunden an den Fitnessgeräten, am Montag lässt er diesem Sport  noch einen „Fit und Gesund“-Kurs folgen, am Dienstag eine Stunde Qigong, mittwochs und freitags geht’s hinterher in die Sauna. „Und am Donnerstag geh’ ich einkaufen.“

Seit seine Frau Klara vor 13 Jahren gestorben ist, versorgt sich Rau allein und hält seinen Haushalt in Ordnung. „Obwohl mir meine Tochter schon helfen würde, wenn ich sie ließe.“ Anstrengend findet Rau das nicht. Sowohl körperlich als auch geistig ist er topfit, nach wie vor interessiert er sich für gesellschaftliche Belange, liest täglich die GEISLINGER ZEITUNG sowie den WMF-Spiegel (heute das Company Magazine).

42 Jahre, ab 1948, hat der gelernte Automechaniker in der WMF gearbeitet, die ersten 30 Jahre in der Galvanik, wo ihn die Kollegen schon früh zum Vertrauensmann wählten. Als Betriebsratsmitglied wurde er schließlich freigestellt und sieben Jahre vor seiner Rente zum Vorsitzenden gewählt. Auch die Aufgabe als Aufsichtsratsmitglied und als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender übernahm er in jener Ära. „Das waren spannende Zeiten“, erinnert er sich an die Kämpfe um die 36-Stunden-Woche und die vielen Gespräche und Dispute mit Arbeitgebern.

Er sei, sagt Helmut Rau, immer einer gewesen, der seine Meinung deutlich gesagt und sich dafür Respekt erworben habe. „Am Anfang habe ich den Trubel vermisst. Aber heute sind meine Kontakte von damals alle weg, und die Jungen kennen mich ja gar nicht mehr.“

Eigentlich ist ihm das recht – deshalb musste Helmut Rau auch erst überredet werden, über sein Leben zu plaudern.

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