Ausgerechnet der, der vor 40 Jahren das Michelberg-Gymnasium (MiGy) gebaut hat, soll jetzt die Misere mit Fassade und Dach wieder richten? Professor Dr. Horst Höfler, heute 73, brach gleich zu Beginn seiner Ausführungen die Speerspitze seiner Kritiker: "Man kommt immer wieder zu seinen Sünden oder seinen Erfolgen zurück." Jetzt galt es, den Geislinger Gemeinderat von Planung und Finanzierung der rund 13 Millionen Euro teuren Generalsanierung zu überzeugen, die energetisch derart ungewöhnlich ist, dass die Deutsche Bundesstiftung Umwelt die Planung mit 125.000 Euro sponsert - eine Art Nobelpreis, wie Höfler es stolz formuliert.

Weil nur eine energetische Sanierung auch zu einer wirtschaftlichen Lösung führe, gehe man neue Wege, sagt der Professor, dessen Forschungsgebiet an der Universität Siegen die Energieoptimierte Baukonstruktion ist. Das MiGy soll mehr Energie produzieren, als es verbraucht.

Dass das Vorhaben in Geislingen weltweit einmalig sein könnte, wie GAL-Stadtrat Bernhard Lehle mutmaßte und augenzwinkernd bereits Besuchergruppen anrollen sah, mochte Höfler nicht ganz bestätigen. Immerhin gebe es zwei ähnliche, jedoch wesentlich größere Projekte in Deutschland. Er beruhigte die Stadträte: "Sie sind kein Versuchskaninchen."

Weiterhin Be- und Entlüftung

Die Sorge, mit der geplanten vorgesetzten Glasfassade werde dem Gymnasium eine Käseglocke übergestülpt, sei unbegründet. Ganz im Gegenteil: Der breite Zwischenraum zwischen Glas und bestehender Fassade sorge für eine natürliche Be- und Entlüftung. Venturiflügel auf dem Dach, lösten nach Art einer Flugzeugtragfläche über den in die Fassade integrierten Lüftungsschächten einen Unterdruck aus. Dieser sorge in den Klassenzimmern pro Stunde für einen zweieinhalbfachen Luftwechsel.

Die Glashülle soll aber nicht nur frische Luft ins Haus bringen, sondern auch Wärme - und über eingebaute Fotovoltaik-Module zusätzlich Strom produzieren. Und zwar mehr, als das Gebäude selbst benötige, erklärte Höfler.

Wärme liefern zudem die Absorber-Kollektoren auf dem flachen Baukörper. Sie werden ebenfalls hinter Glas gestellt, womit zusätzlich das desolate Dach dichter wird. Den Einwand von SPD-Stadtrat Peters, die nur mit zwei Prozent geneigte drüberliegende Glasfläche könne rasch verschmutzen (wie das wesentlich steilere Glasdach von Peters Wintergarten), ließ Höfler nicht gelten: Die Regenwasssermenge von der riesigen Dachfläche wirke selbstreinigend. Und notfalls könne die Feuerwehr alle paar Jahre mal draufspritzen.

Wärme wird als heißes Wasser gespeichert

Weil die überschüssige Wärme für den Winter gespeichert werden muss, wird sie in Form von heißem Wasser geothermisch gespeichert - in mehreren Bohrröhren unter dem Pausenhof. Angesichts der Folgeschäden, die Geothermie-Bohrungen andernorts angerichtet haben, wolltens einige Stadträte genau wissen: Professor Dr. Richard Herrmann, Leiter des Instituts für Geotechnik der Universität Siegenher, verwies deshalb auf vorhandene hydrologische Gutachten, die beim Bau des Michelberg-Gymnasiums anhand von Bohrkernen erstellt worden waren. Ergebnis nach jetziger Sicht: Es gebe keine Einschränkungen. Zumindest im oberen Bereich habe man es "im Prinzip mit gutmütigen Schichten" zu tun. Ohnehin reiche die geothermale Speicherung nicht in jene Tiefen hinab, aus der Erdwärme gezogen werde.

Nun sollen Probebohrungen Aufschluss über die Situation in hundert Metern Tiefe geben. Natürlich, so ließ Herrmann durchblicken, handle es sich um ein Pilotprojekt - "da steckt auch ein bisschen Mut dahinter".

Noch kein Schulhaus mit dieser Methode saniert

FW-Stadtrat Hans-Ulrich Sihler zeigte sich zurückhaltend: "Die Sanierung sei das "spannendste Thema" während seiner bisher 15-jährigen Gemeinderatstätigkeit. Euphorisch werde er erst sein, "wenn Theorie und Praxis deckungsgleich sind". Der Gemeinderat brauche jedenfalls eine gehörige Portion Mut, das Projekt anzugehen. Auch Ismail Mutlu (GAL) hatte "Bauchschmerzen", zumal Höfler noch nie ein solches Schulhaus mit dieser Methode generalsaniert habe.

SPD-Fraktionschef Dr. Hansjürgen Gölz sprach "allen Bedenkenträgern zum Trotz" von einem "überzeugenden Projekt". Und auch Oberbürgermeister Wolfgang Amann meinte, es handle sich um ein Vorzeigeprojekt, das positive Schlagzeilen machen werde.

Auf Frage von Dr. Karin Eckert (CDU), erklärte Gymnasiums-Rektor Heiner Sämann, dass für die 13-monatige Bauphase, die im April beginnen soll, ein genauer Terminplan vorliege. Die größten Eingriffe in die Bausubstanz würden in den Oster- und Pfingstferien und dann wieder in den Sommerferien erfolgen. Als Ausweichquartiere stünden in der benachbarten Schubart-Realschule, im Kindergarten "Sonnenschein" und in Containern Räume zur Verfügung.

Was die Finanzierung anbelangt, erklärte Architekt Höfler auf Frage von Holger Schrag (GAL), es sei das Ziel unter zehn Millionen Euro zu bleiben. Die Stadt geht jedoch laut Stadtbaumeister Karl Vogelmann von zusätzlichen Investitionen aus, sodass mit 13,1 Millionen Euro gerechnet werde. Aus der Schulbauförderung des Landes erhofft man sich 6,7 Millionen Euro, außerdem einen Zuschuss aus dem Ausgleichsstock durch Beteiligung der Umlandgemeinden.

Bei einer Gegenstimme (CDU-Stadtrat Dr. Ulrich Volk) stimmte das Gremium der Ausführung und der Finanzierung des Vorhabens zu.