Geislingen / Kathrin Bulling  Uhr
Das Geislinger Gymnasium ist nach Informationen der GZ so baufällig, dass laut Stadtverwaltung nur noch eine Generalsanierung oder gar der Abriss des Gebäudes infrage kommt.

Das Geislinger Michelberg-Gymnasium hat in seiner jetzigen Form keine Zukunft mehr: Oberbürgermeister Frank Dehmer bestätigte am Freitag Informationen, die der GEISLINGER ZEITUNG vorlagen, nach denen die Schule grundlegend saniert – das heißt, bis auf den Rohbau zurückgebaut – oder gar abgerissen werden muss.

Oberbürgermeister Frank Dehmer: „Das ist ein Desaster für die Stadt“

Das gesamte Gebäude sei in einem so schlechten baulichen Zustand, dass es nur diese Optionen gebe, bestätigte Dehmer und sprach von einem „Desaster“ für die Stadt. Dass der Abriss komme, stehe noch nicht fest; zu 100 Prozent ausschließen könne man dies aber nicht. Dehmer: „Wir müssen in alle Richtungen denken und gucken, was am wirtschaftlichsten ist.“

Die Geislinger Stadtverwalt­ung legt auf Antrag Sascha Binders (SPD) alle Unter­lagen zur Schule vor. Eine Schadens­ersatzklage läuft.

Seit Bekanntwerden der Brandschutzmängel im Mai und der Statikprobleme im August 2018 mit anschließender Sperrung des naturwissenschaftlichen Bereichs wegen Einsturzgefahr hatten Fachleute die Schule unter die Lupe genommen. Ein auf ihren Untersuchungen beruhendes Gutachten habe nun ergeben, so Dehmer, dass eine Summe an Mängeln vorliege. Diese bezögen sich nicht nur auf zum Teil schon bekannte Probleme wie den Brandschutz, die Statik des Absorber-Kollektoren- Doppeldaches im naturwissenschaftlichen Bereich und die Heizung, sondern beträfen auch die Fassade – genauer, deren Bau- und Funktionsweise sowie eventuell auch die Statik. Die Mängel seien in dieser Dimension neu dazu gekommen und so gravierend, dass es nicht möglich sei, den Zustand zu belassen.

Klar ist laut OB jetzt schon, dass die Schule komplett ausgelagert werden muss. Derzeit werde geprüft, wie viele Container benötigt werden und wo sie aufgestellt werden können – „wir werden gucken müssen, wo wir den Platz finden“. Bis feststehe, für welche Option man sich entscheide, könnten Schüler und Lehrer aber im MiGy bleiben, erklärt Dehmer: „Wir setzen im Schulgebäude niemand einem Risiko aus“ – es sei alles von den Fachleuten geprüft.

Ein Gebäude für Migy – und Hegy?

Die Containerlösung bräuchte es allerdings nicht, falls man sich für eine dritte Option entscheiden würde: einen Neubau an anderer Stelle in der Stadt. Dann könnten die Schüler bis zur Fertigstellung im MiGy bleiben. Diese Alternative werde auf Wunsch aus dem Gemeinderat geprüft, teilte Dehmer mit.

Seit Montag wird im Geislinger Michelberg-Gymnasium in zwei Pilotklassenzimmern und im Kriechkeller gearbeitet. Ein Zimmer wird zum Chemieraum umgerüstet.

Laut OB dächten einzelne Räte dabei an ein neues Gebäude, das künftig nicht nur das Michelberg-Gymnasium, sondern auch das unter Platzmangel leidende Helfenstein-Gymnasium fassen könnte. Als mögliche Standorte seien die Fläche beim Bolzplatz neben dem HeGy oder der Stadtpark ins Gespräch gebracht worden. Dehmer sagte dazu jedoch gestern: „Ich glaube nicht, dass das eine Option ist.“ Sporthalle und -plätze befänden sich schließlich beim MiGy in Altenstadt (Dehmer: „Es ist schlecht vorstellbar, dass ein Busshuttle dorthin eingerichtet wird.“); außerdem gebe es beim Notzental nicht genügend Parkplätze.

OB Dehmer: „Schadensbild insgesamt größer als 2018“

Die Stadträte habe er in der Gemeinderatssitzung am 29. Mai informiert, nachdem er selbst kurz vorher von dem Ergebnis des Gutachtens erfahren habe. Schulleiter Heiner Sämann habe er am letzten Tag vor den Pfingstferien informiert. Dass die Öffentlichkeit bislang nichts von den neuen Erkenntnissen zum MiGy erfahren hat, begründet Dehmer damit, dass keine Brisanz wie im vergangenen Sommer herrsche, als bekannt wurde, dass der naturwissenschaftliche Trakt einsturzgefährdet ist. Dehmer: „Das Schadensbild ist insgesamt natürlich durchaus größer als 2018.“

Der OB hofft, dass im September/Oktober feststehen wird, wie es mit der Schule weitergeht. Bereits seit Monaten laufen die Vorbereitungen für Schadensersatzklagen unter anderem gegen den Architekten und den Fachplaner (wir berichteten).

Dieser Artikel erschien zunächst im ePaper und der gedruckten Ausgabe der GEISLINGER ZEITUNG am Samstag (22. Juni) sowie als kurze Erstmeldung am Freitagabend (21. Juni, 21 Uhr).

Tipp für GZ-Abonnenten: Im Archiv Ihres ePapers finden Sie noch einen Leitartikel zum Thema (22. Juni).