Schule MiGy-Einweihung nach zwei harten Jahren

Geislingen / Kathrin Bulling 14.10.2016

Nur ein paar Meter sind es von der Eingangstür des Michelberg-Gymasiums bis in die Mensa, in der an diesem Freitag das Einweihungsfest stattfindet. Sie geben einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie sehr sich das Gymnasium in Altenstadt verändert hat: Ein Glasdach flutet das Foyer mit Licht, Parkettböden und viel Weiß wirken freundlich und hell.

Es ist kein Vergleich zum Stand von vor zwei Jahren, wie auch Heiner Sämann in seiner Rede anmerkt. Der Schulleiter spricht von allgegenwärtigen Eimern fürs Tropfwasser im ganzen Gebäude, Schimmel an den Decken, aufgequollenen Böden, dunklen Fluren, Hitze im Sommer, Kälte im Winter und einem abstoßenden Geruch.

Nach nur 30 Jahren Nutzung wurde die Kritik am MiGy in den 2000er Jahren so massiv, dass die Stadt Geislingen als Schulträger nicht mehr um eine Sanierung herumkam. Die Vorzüge, die das Schulgebäude trotz aller Mängel immer besessen habe, kämen nun endlich zur Geltung, sagt Sämann und bekennt: „Diese Einweihung heute ist ein lang ersehnter Moment. Die Bauarbeiten haben uns eine hohe Flexibilität und Toleranz abverlangt.“

In der Tat hätten wohl weder Stadtverwaltung noch Gemeinderat oder Schulgemeinschaft mit einer solchen Belastungsprobe gerechnet, wie sie ihnen seit Sommer 2014 bis jetzt bevorstand.

Mit Horst Höfler hatte sich die Stadt nicht nur jenen Architekten geholt, der in den 1970er Jahren das MiGy gebaut hatte, sondern damit gleichzeitig ein neuartiges Energiekonzept eingekauft, das in seiner Umsetzung bislang selten erprobt worden war.

Ob die in der Folge massiv auftretenden Bauverzögerungen und Kostensteigerungen nur darin begründet liegen oder ob dem Architekten Fehler in der Planung und Bauphase vorgeworfen werden können und demnach Regressansprüche bestehen, das wird die Stadtverwaltung wohl noch gerichtlich klären lassen. Höfler war das vergangene halbe Jahr aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an den Arbeiten beteiligt, wegen Krankheit nimmt er auch nicht an der Einweihung teil.

Funktioniert das System mit Fotovoltaikanlagen, Bodenspeicher und Doppelfassade, dann wird das MiGy „von der Energieschleuder zum Kraftwerk“, wie es Sämann formuliert – es produziert mehr Energie, als es selbst benötigt. Ob der erhoffte Einspareffekt eintritt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen: Das System brauche noch ein halbes bis dreiviertel Jahr, bis es sich „einreguliert“ habe, erklärt Stadtbaudirektor Karl Vogelmann. In den nächsten zwei bis drei Jahren werde man die Ergebnisse auswerten. Vogelmann erwartet, etwa bei der Wärme rund 70 000 Euro einsparen zu können.

Für die schlussendlich 19,6 Millionen Euro teure Sanierung gab es mehr als sieben Millionen Euro an Fördergeld. Bei einem Neubau, der nicht unter 30 Millionen Euro zu haben gewesen wäre, hätte man gar keine Zuschüsse bekommen, betont Vogelmann. Doch er bekennt auch: „Die Generalsanierung ging sicher an die Grenzen des Zumutbaren und darüber hinaus.“

Für die Leistung der Lehrer und Schüler gleichermaßen, den Unterrichtsbetrieb auf der Baustelle aufrecht zu erhalten, gibt es an diesem Tag viel Anerkennung, Lob und Dank. Das Haus sei „einmal von rechts auf links gedreht“ worden, sagt OB Frank Dehmer. Die Sanierung habe sehr vielen Menschen viel abverlangt. „Gern hätte ich mich an dieser Stelle bei den Bürgermeister-Kollegen für die Beteiligung an den Kosten bedankt“, ergänzt Dehmer und spielt auf die juristische Auseinandersetzung mit den Umlandgemeinden an. Von dort stammten immerhin 70 Prozent aller MiGy-Schüler.

Dirk Frenzel, Schulreferent im Regierungspräsidium Stuttgart, bezeichnet das MiGy als Gewinn und die Investition in die Sanierung als eine Investition in die Zukunft: „Sie haben alle zusammengehalten und waren motiviert dadurch, dass am Ende ein Gewinn für alle da steht.“

Es habe sich gelohnt, das Gebäude sei toll geworden, erklärt der SPD-Landtagsabgeordnete Sascha Binder. Auf das Ergebnis könnten alle stolz sein, meint der Elternbeiratsvorsitzende Franz-Josef Fischer. Und auch Schülersprecher Fabian Probost konzentriert sich aufs Positive: „Das Ergebnis lässt uns die sehr schwierige, harte und nervenaufreibende Zeit vergessen.“

Auf die Feierstunde mit Musik von der Big Band und dem Schüler-Eltern-Lehrerchor folgt das Schulfest, das allen Gästen die Gelegenheit bietet, das „neue“ MiGy kennenzulernen.

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