Zeit gewinnen und ohne Druck die beste Lösung für die Zukunft des ­Michelberg-Gymnasiums finden können – das ist das erklärte Ziel aller Beteiligten in Sachen MiGy. Nachdem nach der versprochenen Unterstützung von Kultusministerin Susanne Eisenmann vor einer Woche etwas Ruhe in der Stadt und im Umland eingekehrt ist, steht das Gymnasium am Donnerstag wieder im Mittelpunkt: In einer Sondersitzung berät der Geislinger Gemeinderat unter anderem über Maßnahmen, um mindestens ein weiteres Schuljahr im Gebäude bleiben zu können. Weil der ­Kapellmühlsaal als regulärer ­Tagungsort bei den jüngsten Gremiumssitzungen zum MiGy an seine Kapazitätsgrenzen gelangt war, hat die Verwaltung die anstehende Sitzung am 20.2.20 in die Jahnhalle verlegt; Beginn ist um 16 Uhr.

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Die Stadträte werden über „radikale Eingriffe“ in die vorgebaute Fassade zu entscheiden haben, wie es Joachim Burkert vom Stadtbauamt formuliert. Nur unter diesen Umständen stimme der Brandschutzsachverständige der Nutzung des Gebäudes für ein weiteres Schuljahr zu.

Michelberg-Gymnasium in Geislingen: Mangelhafter Brandschutz

Das Problem ist der mangelhafte Brandschutz in allen Bereichen: So fehlen etwa bei der Fassade sogenannte Brandriegel, die das Übergreifen von Flammen auf die anderen Stockwerke verhindern würden. Zwar wurden vor Weihnachten unter anderem Teile der Fassade geöffnet, um im Brandfall besser löschen zu können. Doch die Stadtverwaltung hatte dadurch nur einen Aufschub bis zu den Sommerferien gewährt bekommen. Für ­einen längeren Verbleib im Gebäude reichten diese Maßnahmen nicht aus, ­erklärte Burkert gestern auf Nachfrage der GEISLINGER ZEITUNG: Dafür müssten mehr als 50 Prozent der Glaselemente auf den beiden unteren Stockwerken der Schule entfernt werden. Die Folge: „Dadurch fallen die Stagnationsfelder in der Fassade weg, die Simse werden freigelegt.“ Zwar würden Folien und Abdichtungen angebracht, „aber es werden viele Verbindungsteile offen liegen; die Bauteile werden massiv darunter leiden“.

Auch mit Einschränkungen im Komfort werde man wohl rechnen müssen, erläutert Burkert. „Das werden wir uns aber anschauen müssen – beispielsweise, ob im Winter zusätzlich geheizt werden muss.“ Das Gebäude sei immerhin besser gedämmt als früher, auch gebe es durch die offenen Fassadenelemente bessere Möglichkeiten zum Lüften im Sommer.

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Die Kostenprognose liegt laut Beratungsunterlage der Stadtverwaltung bei rund 500 000 Euro. Neben den baulichen Eingriffen muss das Personal auf vier Feuerwehrleute in ständiger Bereitschaft aufgestockt bleiben, die im Notfall sofort ausrücken können – diese Auflage gilt schon seit diesem Jahr. Ob das Gebäude sogar ein zweites Jahr genutzt werden könnte, lasse sich heute noch nicht sagen, erklärt Burkert: „Zunächst wäre die Nutzung für ein Jahr gesichert. Wir werden dann untersuchen müssen, wie sehr die Fassade gelitten hat.“ Burkert verteidigt den Brandschutzsachverständigen, an dem in der Öffentlichkeit immer wieder Kritik geäußert wurde: „Man muss ganz deutlich sagen: Er hat alles möglich gemacht, was zu verantworten war.“

MiGy: Eltern über Mängel am Gebäude informiert

Über die Mängel am Gebäude habe man vor einer Woche auch bei einem Treffen mit Fachleuten aus der Elternschaft gesprochen. Oberbürgermeister Frank Dehmer erklärte dazu in einer Pressemitteilung: „Aufgrund des laufenden Klageverfahrens können wir die Mängel nicht detailliert in der Öffentlichkeit darstellen. Es war uns aber sehr wichtig, dass wir Vertreter der Elternschaft darüber vollumfänglich informieren. Unter ihnen gibt es schließlich auch Sachverständige und Fachleute, die sich ihre Gedanken über mögliche Lösungen für das Schulgebäude machen.“ Bei dem Gespräch hätten die Vertreter der Elternschaft bestätigt, dass die Stadtverwaltung die Mängel mit Hilfe von externen Fachleuten ordentlich und tief aufgearbeitet habe und die Mängel in ihrer Gesamtheit so gravierend seien, dass einzelne Sanierungsmaßnahmen nicht zielführend seien.

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In der Sitzung am Donnerstag geht es auch um die Aufhebung der Vergabe der Container für die Auslagerung des MiGys – das ­Regierungspräsidium hatte Ende Januar erklärt, dass die Anmietung aufgrund der schlechten Haushaltslage der Stadt nicht finanzierbar sei.

Hunderte Menschen demonstrieren für MiGy und gegen Gymnasium in Deggingen

Demonstration in Deggingen Hunderte Menschen demonstrieren für MiGy und gegen Gymnasium in Deggingen

Reaktionen aus der Politik zur Unterstützung aus dem Kultusministerium


Nachdem Kultusministerin Susanne Eisenmann Unterstützung für das MiGy zugesichert hat, äußern sich Kommunalpolitiker:

Die CDU-Gemeinderatsfraktion begrüßt „ausdrücklich“, wie es in einer Pressemitteilung heißt, „dass nunmehr alle Beteiligten den Blick in erster Linie nach vorne richten wollen und sich bereit erklärt haben, tragfähige Lösungen für die Zukunft zu erarbeiten“. Damit stünden „ganz eindeutig“ die 600 Schüler, das Lehrerkollegium und die Schulgemeinschaft im Ganzen im Mittelpunkt aller Überlegungen. Es sei richtig gewesen, dass Oberbürgermeister Frank Dehmer mit der Einladung unter anderem der Umlandbürgermeister am 7. Februar die Initiative ergriffen habe und sich alle Verantwortungsträger auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt hätten. Damit sei auch ein Neuanfang im Verhältnis zwischen Geislingen und den Umlandgemeinden gemacht. Stadt, Umlandgemeinden und Schulverwaltung des Regierungspräsidiums müssten nun viele Hausaufgaben machen, um die grundsätzliche Zusage Eisenmanns in konkrete ­Hilfe umwandeln zu können.

SPD-Landtagsabgeordneter Sascha Binder drückt in einer Pressemitteilung seine Freude über das Versprechen der Kultusministerin aus, „eine ‚Zukunft auch mit dem Migy’ für die Schulgemeinschaft zu ermöglichen“. Über Gemeinde-, aber auch Parteigrenzen hinweg sei jetzt eine konstruktive Zusammen­arbeit notwendig. Binder: „Deshalb werde ich finanzielle Initiativen der Ministerin, die helfen, ihr Versprechen umzusetzen, im Landtag tatkräftig unterstützen.“ Dass man nun einen Schritt weiter sei, sei der MiGy-Schulgemeinschaft zu verdanken, die unermüdlich für den Erhalt ihres Gymnasiums kämpfe.