Konzert Lyrische One-Man-Show

Ob Blues oder Walzer, Pop oder Swing, Axel Nagel lässt kein Genre  aus, er trifft die Nerven des Publikums im Rätschegarten. Hier ist er am Theremin zu sehen. 
Ob Blues oder Walzer, Pop oder Swing, Axel Nagel lässt kein Genre  aus, er trifft die Nerven des Publikums im Rätschegarten. Hier ist er am Theremin zu sehen.  © Foto: Sabine Graser-Kühnler
Geislingen / Von Sabine Graser-Kühnle 07.08.2018

Der Hut ist sein Markenzeichen, doch seine Musik machen seine selbst komponierten und getexteten Songs aus, die grooven, oft mit lyrischen Melodien unterlegt sind und zum Träumen einladen oder aber zum Nachdenken: Axel Nagel hat den Nerv seines Publikums im Rätschegarten getroffen.

Das füllte den Biergarten trotz der am Abend immer noch schwülen Hitze reichlich und viele lauschten aufmerksam den Songs, blickten fasziniert auf den Mann auf der Bühne, der seine eigenen Loops live einspielte und so als One-Man-Band begeisterte. Wie mit einem Vorspiel begann ein jedes seiner Lieder, während er die einzelnen Loops aufzeichnete: Ein kleines Melodiefragment von der Gitarre oder der Querflöte, percussives Klopfen oder Besenstreichen auf dem Resonanzkörper seiner Gitarre, weitere Grooves mit Schellen, Rasseln oder Beatbox aus seinem Mund.

Im Zusammenspiel mit seinem Song entsteht ein Klangkörper, als spiele eine Band auf der Bühne. Und wenn es mal psychedelisch sein soll, kommt das Theremin zum Einsatz, ein elektronisches Instrument, das ganz ohne Berührung Töne erzeugt. Das umgangsprachlich auch „Ätherwellengeige“ genannte Gerät erzeugt Klänge, die wie aus dem Kosmos kommend scheinen.

Axel Nagel überzeugte seine Zuhörer nicht nur mit seinem elektrotechnischen Können, sondern verzauberte mit sinnigen, philosophisch angehauchten Texten, die er zeitweise in poetische Metaphern verpackt, alles eingehüllt in lyrische Melodien.

Ob Blues oder Walzer, Pop oder Swing, kein Genre bleibt aus, er trifft die Nerven eines breitgefächerten Publikums.  Selbst den wenigen Coversongs, die er spielt, drückt Axel Nagel seinen eigenen Stempel auf: Ein wenig natürliche Gelassenheit, unaufgeregte Nonchalance und wenn es gilt, auch mal intensiver Nachdruck. Es lohnt sich in jedem  Fall, auf seine Texte zu achten.

So singt er in „Waldläufer“ von der Reise durch den Wald, „hier tobt das Leben, beruht auf sich selbst“, beschwört in „Parallelwelten“ die „andere Seite, suche jetzt dort das Weite“, erzählt von seinem Besuch auf der Insel Mainau: „Zeig mir die leuchtenden Töne, um die grauen und dunklen zu verstehn.“

Musikalischer Weltverbesserer

Seinem Publikum erzählt Axel Nagel im lässigen Plauderton Hintergründe zur Entstehung seiner Songs, darin zeichnet er Lebensräume, in denen die Welt  in Ordnung ist, so, wie er sie sich gerne schaffen würde. „Ja“, meinte er im Gespräch, „ich bin ein Freund davon, selber Verantwortung zu übernehmen, das sind meine großen Themen“.

Er ist ein musikalischer Weltverbesserer, der ohne den moralischen Zeigefinger auskommt und seine Zuhörer mitnimmt, mit in seine heile Welt und seine groovige Musik.

Die Zuhörer im Rätschegarten folgten ihm mit immer größerer Begeisterung, davon zeugte der mit fortgeschrittener Stunde frenetischer werdende Beifall.

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