Geislingen LEITARTIKEL B10 NEU: Ein bisschen lauter sein

Geislingen / KARSTEN DYBA 29.04.2016
Der städtebaulichen Entwicklung Geislingens und seiner stau- und lärmgeplagten Einwohner würde die neue B 10 kaum helfen. Frage: Was stimmt da nicht? Die Geislinger müssen jetzt ein bisschen lauter sein.

Man muss sich das mal vor Augen halten: Aus Sicht des Bundesverkehrsministeriums hat ein B10-Neubau durch den Schildwachttunnel bis Geislingen Ost eine wesentlich geringere städtebauliche Bedeutung als eine Umfahrung von Amstetten oder Urspring. Soll heißen: Der städtebaulichen Entwicklung Geislingens und seiner stau- und lärmgeplagten Einwohner würde die neue B 10 kaum helfen. Frage: Was stimmt da nicht? Und wie hat dann Schwäbisch Gmünd mit seinem B29-Tunnel jemals eines der teuersten Verkehrsprojekte des Landes genehmigt bekommen?

Der Gemeinderat hat nun die Stellungnahme der Stadt Geislingen zum Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 verabschiedet. Es ist nur recht und billig, wenn Oberbürgermeister Frank Dehmer und die Räte nicht nur gute Argumente für ein wichtiges Straßenbauprojekt auflisten, sondern auf sechs Seiten den Sachbearbeitern im Berliner Ministerium auch klarmachen, wie falsch die Grundlagen sind, mit denen die Bedeutung des Projekts bewertet wurde. Berlin geht von 9000 Fahrzeugen täglich aus, die durch den Schildwachttunnel rollen. Der Verband Region Stuttgart von 15000.

Es geht eben nicht um ein Umgehungssträßle. Denn die B10 ist nicht irgendeine Bundesstraße in der schwäbischen Provinz, sie ist die Verbindung zwischen Stuttgart und Ulm, Ausweichstrecke für die A8 und damit eine Hauptschlagader des Landes. Dass beide Straßen, die B10 und die A8, immer noch nicht auf voller Länge ausgebaut sind, ist nicht länger zu ertragen.

Um es mit Sascha Binder zu sagen: Die B10 neu bis Geislingen Ost im weiteren Bedarf des Bundesverkehrswegeplans einzustufen, wie es derzeit geplant ist, wäre ein Rückschritt. Ein zusätzliches Planungsrecht wäre kein Fortschritt – denn das stand schon im alten Plan. Ein echter Fortschritt ist nur die Einstufung in den vordringlichen Bedarf. Und weil sich das so ziemlich alle Interessenvertreter im Land für ihre Straßenbauprojekte wünschen, müssen die Geislinger jetzt ein bisschen lauter sein.

Das Bundesverkehrsministerium bietet dafür ein Forum: Die Bürgerbeteiligung im Internet. Die Unternehmer hat Oberbürgermeister Frank Dehmer gebeten, sich zu beteiligen. Jetzt rufen wir Sie, die GZ-Leser auf: Schreiben Sie dem Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), warum Sie nicht länger warten wollen. Das beste Argument zeigt sich vor der Haustür: Der alltägliche Stau. Derzeit müsste die Bürgeraktion B10 neu die Straße nicht einmal mehr aus Protest sperren. Sie ist schon verstopft.