Bilanz Lebenshilfe: Nur Forderungen, keine Förderung

Das Wohnheim am Daimlerplatz in Geislingen: Wegen der neuen Landesheimbauverordnung und wegen schärferer Brandschutzauflagen muss die Lebenshilfe das Haus aufgeben.
Das Wohnheim am Daimlerplatz in Geislingen: Wegen der neuen Landesheimbauverordnung und wegen schärferer Brandschutzauflagen muss die Lebenshilfe das Haus aufgeben. © Foto: Roderich Schmauz
Kreis Göppingen / Roderich Schmauz 03.07.2018
Wegen neuer Gesetze muss die Lebenshilfe zwei Wohnheime aufgeben. Für Neubauten gibt das Land aber keine Zuschüsse.

Die Lebenshilfe, die im Kreis Göppingen 795 Menschen mit Behinderung ständig betreut, hat ihre Hausaufgaben gemacht. Darauf wiesen der Vereinsvorsitzende Hans Brodbeck und der Geschäftsführer Uwe Hartmann bei der Hauptversammlung am Stammsitz in Heiningen hin. Mehrere Jahre schrieb der große Sozialverein rote Zahlen. Auch dank externer Berater wurden Arbeitsabläufe und Personaleinsatz, zum Beispiel in den Wohnheimen, effizienter organisiert. Dadurch wurden spürbare Einsparungen erzielt. „Die negative Spirale ist gestoppt“, berichtete Brodbeck. Die Lebenshilfe schreibt wieder schwarze Zahlen. Die Gesamterträge summierten sich 2017 auf gut 25 Millionen Euro. Die Personalkosten machen fast 80 Prozent des Budgets aus – ist doch die Lebenshilfe Göppingen Arbeitgeber für 360 fest angestellte Mitarbeiter. Ihr wichtigster Partner ist der Landkreis, mit dem die Lebenshilfe die Pflegesätze aushandelt. „Trotz unserer guten Partnerschaft bleibt der Korridor bei diesen Verhandlungen eng“, weiß Brodbeck.

Ein stabiles wirtschaftliches Fundament ist wichtig angesichts des großen Aufgabenspektrums, das die Lebenshilfe abdeckt. Wie Geschäftsführer Hartmann darlegte, reicht es von der Förderung von Frühchen und ihrer Familien bis zur Betreuung betagter Menschen mit Handicap. Es umfasst lernen, beraten, arbeiten, wohnen und Freizeit. Damit nicht genug: Der Gesetzgeber sorgt bei den Verantwortlichen der Lebenshilfe zusätzlich für Kopfzerbrechen und Sorgenfalten. Wegen der neuen Landesheimbauverordnung, die zum Beispiel nur noch Einzelzimmer zulässt und Mindest-Quadratmeter fordert, und wegen verschärfter Brandschutzbestimmungen muss die Lebenshilfe zwei große Wohnheime aufgeben, das eine im Struttweg in Heiningen, das andere am Daimlerplatz in Geislingen. Deswegen werden als Ersatz dringend Neubauten notwendig, wie Hartmann erläuterte. Die Pläne sind fix und fertig, die Zeit drängt. In Geislingen ist eine Kooperation mit der GSW angestrebt, die Lebenshilfe will einen noch zu errichtenden Neubau an der Überkinger Straße von der GWS langfristig anmieten. In Süßen sollen auf einem Areal, das die Lebenshilfe vor einigen Jahren erworben hat, ein Wohnheim sowie Arbeits- und Betreuungsplätze für stark behinderte Menschen gebaut werden. Die reinen Baukosten sind mit neun Millionen Euro veranschlagt. Das kann die Lebenshilfe nicht aus eigener Kraft stemmen, doch just jetzt hat das Land seine Förderung eingestellt, weil es neue Förderrichtlinien ausarbeiten lässt. Damit hängt die Lebenshilfe in der Luft. Gemeinsam mit dem Landkreis hofft Hartmann aber noch zeitnah Lösungen zu finden.

Zahlen und Fakten zur Lebenshilfe

Organisation Der Verein Lebenshilfe Göppingen, der 601 Mitglieder zählt, betreut 795 Menschen mit geistiger und seelischer Behinderung. Um sie kümmern sich 360 fest angestellte Fachkräfte, zahlreiche Auszubildende und Praktikanten sowie 240 ehrenamtliche Helfer.

Arbeiten In Werkstätten an fünf Standorten im Kreis Göppingen arbeiten 553 Menschen mit Handicap. Zudem werden 88 stark behinderte Menschen betreut. Hinzu kommen 56 Außenarbeitsplätze in Firmen. Die Lebenshilfe betreibt den Rapp-Hof bei Wangen (Landschaftspflege, Hühnermobile), das Café am Kornhausplatz in Göppingen, die Mensa im Michelberg-Gymnasium in Geislingen und bald die Postagentur in Jebenhausen. In der Integrationsfirma Pro Move in Heiningen arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen.

Wohnen Drei Wohnheime bieten 149 stationäre Plätze. In Außenwohngruppen werden 55 Menschen mit Handicap betreut.

Lernen Im Bildungszentrum in Jebenhausen werden 85 Schulabgänger auf das Berufsleben vorbereitet.

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