Zeitenwende 1968 Lebensgefühl im Umbruch

Zeitenwende 1968 / Eva Heer 13.07.2018
Der Geislinger Kulturherbst geht in die sechste Runde. In den 22 Veranstaltungen der beliebten Reihe dreht sich ab 21. September alles um Rebellion, Blumenkinder und dem Aufbruch in eine neue Zeit.

Vor 50 Jahren begann der Aufbruch in eine neue Ära, ein politischer und gesellschaftlicher Umbruch, der bis heute nachwirkt. Rebellion gegen die als spießig empfundene Atmosphäre im Nachkriegsdeutschland, Blumenkinder, sexuelle Freizügigkeit, politisches Aufbegehren: Die 68er-Bewegung mit ihren charismatischen Anführern erfasste die Jugend in ganz Deutschland – auch in Geislingen, wo sich erste Jugendtreffs bildeten, aus denen sich der erste „Tag der Jugend“ entwickelte.

„The Times they are a-changing. Aufbruch und Mythos – 50 Jahre 68er-Bewegung in Geislingen“ ist auch der sechste Geislinger Kulturherbst überschrieben. Die Geislinger Vereine und städtischen Kultureinrichtungen haben für die Veranstaltungsreihe ein dickes und vielseitiges Paket geschnürt: Zwischen dem 21. September und 22. Oktober stehen 22 Veranstaltungen auf dem Programm: Filme, Kunst, Musik, Lesungen, Vorträge, Theater.

Mit dem „Sommer of Love“, einem Konzert mit Wolfgang Kruszek & Die mikroHelden und dem Sound der 1960er Jahre geht es am 21. September um 20 Uhr in der Rätsche los. Eine Party zum Mitsingen und Mittanzen.

Thematisch an Musik- und Kunstströmungen des Jahres 1968 orientiert, findet am 22. September in der Geislinger Stadtkirche eine Vernissage mit Arbeiten von Martin Ramsauer und Musik für Trompete (Gabor Szabo) und Orgel (Thomas Rapp) statt. Am Tag darauf geht es mit den vier Gitarrenlehrern der Musikschule Geislingen im Kapellmühlsaal auf eine musikalische Zeitreise in die späten 60er Jahre.

Das Thema Kino nimmt in diesem Kulturherbst einen größeren Raum ein: „Filme haben in dieser Zeit eine eigene, prägende ästhetische Form gefunden“, sagt der Leiter der Geislinger Stadtbücherei und Mitorganisator Benjamin Decker. Das Geislinger Gloria Kino zeigt also „Apocalypse Now“ (24. September), „Easy Rider“ (1. Oktober), „2001 – Odyssee im Weltraum“ (8. Oktober) und „Die göttliche Ordnung“ (15. Oktober).

Schüler des Michelberg-Gymnasiums zeigen am 26. September in der Geislinger Stadtbücherei ihren eigenen künstlerischen Zugang zur Kunst der 60er Jahre. Am 27. September führt Jürgen Kurzrock  in einer Revue in der Rätsche durch die Themen des Jahres 1968: Vietnamkrieg, Flower-Power, Studentenrevolte.

Zum ersten Mal beim Kulturherbst dabei ist die MieV. Die Geislinger Musikerinitiative lädt am 29. September zu psychodelisch-progressivem Sound mit der Band „Welcome inside the brain“. Um die christliche Befreiungsbewegung „Frühling der Kirche“, die vor etwa 50 Jahren in Lateinamerika begann, geht es am 2. Oktober in einem Vortrag mit Musik in der Stadtbücherei. Das Trio Glissando Stuttgart  gastiert am 4. Oktober mit seinem Programm „Wenn Nussknacker auf Carmer trifft“ im Kommunikationszentrum der WMF. Diese Veranstaltung sowie der Operettenabend „...ich lade mir gerne Gäste ein“ am 19. Oktober im Gewölbe bei Burr, tanzen thematisch ein wenig aus der Reihe.

Literarisch wird es am 5. Oktober in der Stadtbücherei. In einer Lesung mit Musik gehen Vorleser der Theatergruppe Obere Roggenmühle der Frage nach, welche Literatur junge Menschen 1968 angesprochen haben. Am 6. Oktober interpretiert das Dylan Trio in der Rätsche Songs von „His Bobness“ Bob Dylan neu. Eine Reise in die Geschichte der südwestdeutschen Popmusik unternimmt der Autor Christoph Wagner in der Stadtbücherei. Der Autor des Buches „Träume aus dem Untergrund“ liest dort am 10. Oktober – mit musikalischer Untermalung.

Ein musikalisches Revuetheater mit Rudi Rhode widmet sich am 11. Oktober in der Rätsche dem Musiker Rio Reiser. In einer Ausstellung in der Galerie im Alten Bau ab dem 14. Oktober geht es ein weiteres Mal um Bob Dylan: In einem Bilderzyklus aus Radierungen bringt der Ellwanger Künstler Ulrich Brauchle den Besuchern das Werk des Musikers und Poeten nahe.

„Talkin bout my generation“ heißt es am 17. Oktober. Geislinger 68er diskutieren über das Lebensgefühl in der Stadt und bewerten diese Zeit mit dem Abstand von 50 Jahren. Moderiert wird die illustre Gesprächsrunde vom ehemaligen Redaktionsleiter der GZ, Roderich Schmauz. Der Historiker Matthias Hofmann arbeitet die 68er-Bewegung am 18. Oktober politisch und gesellschaftlich auf. Sein Vortrag findet in der VHS statt.

Einen runden Geburtstag feiern Velvet am 20. Oktober in der Rätsche: Die Coverband um die Sängerin Olimpia Casa lässt  die Musik der 60er und 70er Jahre wieder aufleben. Der sechste Geislinger Kulturherbst endet am 21. Oktober mit der  großen Abschlussveranstaltung in der Rätsche. Im Mittelpunkt steht die Verleihung des Schubart-Kulturpreises an zwei Nachwuchs-Kulturschaffende.

„Wir fahren dieses Mal ein komplett anderes Programm als in den Jahren zuvor“, fasst Mitorganisatorin Brigitte Aurbach von der Rätsche zusammen: „Wir haben Zeitzeugen dabei, die damals politisch oder musikalisch aktiv waren. Nur eines sei wie immer: „Eine geniale Mischung in Top-Qualität“.

Info Karten im Vorverkauf gibt es in Geislingen in der GZ-Geschäftsstelle sowie bei den Buchhandlungen Ziegler und Herbi.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel