Laub Laubbläser sparen dem Bauhof Personalaufwand

© Foto: Maurizio Gambarini (dpa)
Sandra Schröder/Jochen Weis 27.11.2012
Laubbläser machen Krach – und das ordentlich. Deshalb greifen die Bauhofmitarbeiter der Stadt Starnberg auf Geheiß des dortigen Bürgermeisters wieder zu Besen und Rechen, um dem Herbstlaub auf die Pelle zu rücken. Wie aber ist die Lage im Kreis Göppingen? Ist dort Handbetrieb ebenfalls wieder ein Thema? Nein, sagen die Verantwortlichen in Göppingen und Geislingen unisono.
In der oberbayrischen Stadt Starnberg ging Medienberichten zur Folge dem Bürgermeister das laute und nervige Gedröhne der Laubbläser vor dem Fenster seiner Amtsstube so aufs Gehör, dass er den Hausmeistern den Einsatz der 25 Geräte untersagte. Probeweise kommen für ein Jahr beim Laubfegen nun wieder Besen und Rechen zum Einsatz, erklärt die Stadt in ihrem Amtsblatt „Stadtgespräch“.

Schon davor riet der Arbeitskreis Energie und Klimaschutz der Stagenda 21 Bürgern vom Gebrauch der Geräte ab. Nun unterstützt auch die Stadt Starnberg die Initiative und ruft öffentliche Einrichtungen und private Haushalte auf, freiwillig zu Besen und Rechen zu greifen.

In Göppingen setzt der Betriebshof mit seinen Außenstellen in den Stadtbezirken auf zehn Laubbläser „der modernsten schallgedämpften Art“, erklärt Sprecher Olaf Hinrichsen auf Nachfrage. Die Geräte werden über einen Verbrennungsmotor betrieben, weil bei Tests mit Akkus eine schwächere Leistung und vor allem eine kurze Betriebsdauer von ungefähr einer Stunde festgestellt wurden, so die Stadt weiter. Beschwerden hielten sich in Grenzen - weil viele Privatleute selbst solche Geräte benutzen.

„Laubbläser sind zeiteffizienter und senken den erforderlichen Personaleinsatz“, sagt Hinrichsen zu den Vorteilen. Kaum vorstellbar, aber seit etwa vier Wochen werden täglich zehn bis 15 Lkw voll Laub aus der Stadt gefahren. „Täglich sind viele Mitarbeiter und zwei Kehrmaschinen mit Laub beschäftigt“, sagt der Sprecher.

Bislang keine Bürgerbeschwerden

Ein ähnliches Bild auch in Geislingen. Insgesamt sechs Geräte hat der dortige Bauhof im Einsatz, „wir haben bislang noch keine schlechten Erfahrungen mit Bürgern gemacht, die sich über den Lärm aufregen“, sagt Traugott Oßwald. Die Laubbläser wieder abzuschaffen und auf Handbetrieb mit Besen oder Rechen zurückzukehren, ist für den Bauhofleiter keine Alternative, „der zeitliche und personelle Aufwand dafür wäre einfach zu groß. Wir verwenden die Geräte ja nicht nur um Laub zusammenzublasen, sondern auch für andere Aufgaben, etwa um nach Veranstaltungen den herumliegenden Müll großflächig zu beseitigen.“ Er könne zwa rdas genaue Verhältnis nicht benennen, „aber für einen Mitarbeiter mit Laubbläser müsste ich für dieselbe Aufgabe im Handbetrieb gleich mehrere Mann abstellen. Das würde – überspitzt formuliert – auf Dauer die Personalkosten ins Unendliche steigen.“

Die leisere Akku-Variante kommt – zumindest derzeit – in Geislingen genauso wenig in die Tüte wie in Göppingen: zu wenig leistungsfähig, meint Oßwald. Was aber nicht bedeutet, dass sich der Bauhof dieser Variante völlig verschließt, „man weiß ja nicht, wie gut die Geräte in ein paar Jahren sind. Warum sollten wir da nicht umsteigen?“ betont Oßwald. Bis dahin müssen also die mit Zweitaktmotoren versehenen Laubbläser ihren Dienst auf jeden Fall weiter tun. Damit die sich die Umweltbelastung in Grenzen hält, verwendet der Geislinger Bauhof übrigens Biokraftstoff.

Dass Laubbläser und -sauger die Arbeit erleichtern, streitet auch die Stadt Starnberg nicht ab. Vor allem bei großen Laubmengen würden die Geräte aber der Umwelt schaden. Besonders störend: die Lärmbelästigung. Laut Starnberg erreichen die Laubbläser teilweise mehr als 85 Dezibel. Dabei könne bereits ein Schalldruckpegel von 70 Dezibel vorübergehende Gehörschäden hervorrufen – ab mehr als 85 Dezibel könne das Innenohr bleibende Schäden bis hin zur Taubheit davontragen. Kein Wunder, dass die Bauhofmitarbeiter einen Gehörschutz bei der Arbeit tragen. Passanten und Anwohner hingegen sind dem Lärm ungeschützt ausgeliefert.

Der Starnberger Arbeitskreis Energie und Klimaschutz nennt in seinem Bericht weitere Nachteile der Laubbläser:
Die Abgase tragen zur Luftverschmutzung bei, die Geräte wirbeln Feinstaub und Mikroorganismen auf, sie stören das Ökosystem am Boden, weil sie auch direkt am Boden lebende Kleinsttiere einsaugen. Dazu kommt, dass selbst mit Laubbläser die Blätter am Ende mit Schaufel und Feger in Säcke verpackt werden. Eine Zeitersparnis ergibt sich höchstens beim zusammenpusten der Blätter zu Laubhaufen. Bei nassen Blättern dürfte sich aber auch das mit den Laubbläsern weniger effizient gestalten.

Wer sich mehr bewegen und ein paar zusätzliche Kalorien verbrennen will, der sollte zumindest im privaten Hof und Garten lieber zu Besen und Rechen greifen: eine Stunde Laubfegen verbrennt je nach Intensität immerhin zwischen 200 und maximal 500 Kilokalorien, sagt Trainingsleiter Markus Graul vom Göppinger Sportstudio In Shape auf Nachfrage. Das entspricht etwa der Kalorienverbrennung von einem Liter Cola.