„Die Straße ist in einem katastrophalen Zustand“, sagt Reinhold Scharpf, Vorsitzender des Bogensport-Clubs Geislingen (BSC). Besonders wegen der Schlaglöcher müssten Autofahrer gut aufpassen. Die Straße führt vom Campingplatz an Kleingärten vorbei zum Bogensportplatz. Noch weiter rausfahren müssen Thilo Knoblauch zu seiner Gärtnerei und die Helfensteiner zu ihrem Lager.

Straße wird von Vereinen und von einem Unternehmen genutzt

„Mir geht es darum, dass die Straße befahrbar bleibt“, sagt Thilo Knoblauch. „Das Hochwasser im Mai hat ihr den Rest gegeben.“ Direkt vor den ersten Kleingärten sei sie so weit weggespült, dass sie beim nächsten Hochwasser wohl nicht mehr befahrbar sein werde. Knoblauch hofft auf eine Sanierung, doch es würde wohl auf ein Gemeinschaftsprojekt für etwa zehn Eigentümer hinauslaufen. „Das wäre schön, ist aber eher unrealistisch“, sagt er. Ein Problem bestehe schon deswegen, weil viele nicht einmal wüssten, wer für die Sanierung verantwortlich ist.

Einer, der es weiß, ist Ernst Kohn. Ihm gehört das Grundstück, auf dem der BSC seinen Bogensportplatz hat:  „Früher hat die Stadt die Sanierungen gemacht“, erklärt er. Das sei auf freiwilliger Basis geschehen, da es sich größtenteils um eine Privatstraße handelt. Der Stadtverwaltung gehöre eigentlich nur der Weg bis zum Ende des Campingplatzes. Die Straße beim BSC ist laut Ernst Kohn in einem guten Zustand und müsse nicht saniert werden. An anderen Stellen sehe sie sehr viel schlechter aus.

Stadtverwaltung will nicht mehr helfen, da es ein Privatweg ist

Das freiwillige Engagement der Stadtverwaltung endete 2013 nach dem damaligen Hochwasser. Dazu teilt Oberbürgermeister Frank Dehmer auf Nachfrage der GEISLINGER ZEITUNG mit: „Warum die Stadt die Schäden von 2013 nach dem Starkregen behoben hat, kann ich nicht sagen. Vielleicht hat der Bauhof hier in Unwissenheit gehandelt und die großen Schäden behoben.“ Offenbar sei man damals davon ausgegangen, dass der Weg nach dem Campingplatz noch ein städtischer sei, vermutet Dehmer, der seit 2014 der Chef im Rathaus ist.

Sanierung kostete 2013 einen „niedrigen vierstelligen Betrag“

Vielleicht sei der Weg auch mit in die Maßnahmen genommen worden, die damals bei der Beantragung von Fördermitteln zur Behebung der Hochwasserschäden zusammengestellt worden seien. Damals habe es einen Hilfsfonds aus Mitteln von der EU und dem Land gegeben, berichtet Dehmer. „Daraus kann man aber nicht ableiten, dass die Stadt auch zukünftig für den Unterhalt zuständig wäre.“ Wie viel Geld die Stadtverwaltung in die Behebung der Schäden von 2013 gesteckt habe, könne er nicht aus dem Stegreif sagen. Dehmer glaubt, dass es ein niedriger vierstelliger Betrag gewesen sei.

Thilo Knoblauch hat auf seinem Grundstück einige Schlaglöcher gestopft und will das auch künftig machen, doch in seinen Betrieb wolle er nichts mehr investieren, da völlig unklar sei, wie lange eine Zufahrt überhaupt noch möglich ist. Auf die Straße seien auch Kunden und Lieferanten angewiesen. Viele fürchteten aber einen Achsenbruch. Problematisch sei beispielsweise auch, wenn Knoblauch Heizöl brauche. „Das ist ein Gefahrgut und wenn im Winter die Straße vereist, kann es gefährlich werden.“

OB Dehmer: „Es gibt keine neuen Verhältnisse“

Seines Wissens nach wurde der Weg in den 1940ern angelegt. Bis etwa 1955 habe es eine Mülldeponie dort gegeben. Mehr als 70 Jahre habe sich die Stadtverwaltung um die Instandhaltung gekümmert, deswegen sei es für viele Eigentümer im Längental neu, dass sie bei einer Sanierung selbst ran müssten. Knoblauch wünscht sich, dass die Stadtverwaltung für Aufklärung sorge. Dagegen sagt Dehmer: „Es gibt keine neuen Verhältnisse aus meiner Sicht. Ich gehe davon aus, dass die Grundstückseigentümer wissen, dass über ihr Grundstück der Weg verläuft. Es sollte jedem klar sein, dass man sich um private Wege, die über sein Grundstück verlaufen, kümmern muss, beziehungsweise, dass hier eine Verkehrssicherungspflicht besteht.“ Zudem betont Dehmer, dass als ausgebaute Zufahrt zu den Kleingärtenanlagen eindeutig der asphaltierte Weg westlich der Kleingärten im Bebauungsplan ausgewiesen sei.

Helfensteiner: „Schlimm, aber es gibt Dringenderes“

Ines Kottmann von den Helfensteinern berichtet, dass sie und andere Vereinsmitglieder kürzlich „mit Entsetzen festgestellt“ hätten, was das jüngste Unwetter dort für Schäden angerichtet habe. Sie störe das, verstehe aber, dass die Stadt nicht sanieren wolle. „Es wäre schön, wenn sie einspringt, aber sie muss das ja nicht. Außerdem sind alle Vereinsmitglieder der Meinung, dass es Dringenderes in Geislingen gibt.“

INFO: Dieser Artikel stammt aus der Mittwochsausgabe der gedruckten GZ (19. Juni).

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