Statt dass ein Ladengeschäft leer steht, wird es zur Kunstgalerie auf Zeit: Über derartige Zwischennutzungen referierte jüngst Annette Weinreich, Architektin und Ulmer Stadträtin, auf Einladung des Ortsverbands der Grünen im Helfensteiner Land in der Altenstädter Glück-Auf-Gaststätte. 30 Jahre Erfahrungen zur künstlerischen Zwischennutzung von Immobilien in Ulm ließ Annette Weinreich mit Fotografien und Geschichten Revue passieren: Beginnend mit "Magirus 117", einer Ausstellung mit Künstlern aus aller Welt in der Halle 117 der Firma Magirus 1985, bis zu ihrem eigenen "Baby", der von Weinrich mit initiierten "Kulturfahrschule KuFa". 2012 fanden in dem Gebäudekomplex am Ehinger Tor Ausstellungen, Ateliers, Proberäume und Cafés auf 4000 Quadratmetern für zwei Jahre eine Heimat.

Für den Erfolg solcher Projekte sei entscheidend, so Weinreich, dass Künstler, Eigentümer und Verwaltung vertrauensvoll zusammenarbeiteten. Ein Signal der Kommune, derartiges zu unterstützen, sei als Initialzündung hilfreich, entscheidend sei aber die künstlerische Leitung: "Es genügt nicht, zu sagen: Geht mal rein, und seid kreativ!' Es spielt schon eine Rolle, wer was wie macht." Ideal sei, wenn jemand künstlerisch und organisatorisch federführend sein könne.

Es gebe meist genügend Immobilien, die über Monate oder Jahre leer stünden, bevor sie kommerziell weitergenutzt werden könnten, weiß Weinrich; die Eigentümer und Investoren stünden häufig einer künstlerischen Zwischennutzung aufgeschlossen gegenüber. Sie befürchteten allerdings oft Vandalismus und juristische Scherereien im Anschluss der vereinbarten Nutzungszeit. Das müsse man vertraglich hieb- und stichfest regeln.

Die Vorteile einer Zwischennutzung sind nach Weinrichs Einschätzung für Eigentümer und Gemeinde immens: Durch die öffentliche Aufmerksamkeit werde das Objekt enorm aufgewertet, was der nachfolgenden Nutzung zugute komme. Darüber hinaus verhindere eine gut organisierte Zwischennutzung die Verwahrlosung. Finanziell dürften sich die Eigentümer allerdings nicht viel versprechen - an unrealistischen Mietforderungen sei schon manches Projekt gescheitert.

In der Diskussion verwies GAL-Stadtrat Bernhard Lehle auf die guten Erfahrungen, die man in Geislingen etwa bei der Weiternutzung des Schlachthofs gemacht habe. Die Aussicht, dass das alte Hallenbad über Jahre weitgehend ungenützt sein werde, begeisterte Annette Weinreich geradezu. Sie fragte schon mal an: "Soll ich mal ein paar Ulmer darauf loslassen?"