Kommentar Jochen Weis: Kritik an falscher Stelle

Geislingen / Jochen Weis 07.04.2018
Die Sanierung des Parkhauses im Sonne-Center verschlingt viel Geld. Sie ist aber ebenso unumgänglich wie sinnvoll, sagt GZ-Redakteur Jochen Weis.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die verbalen Haudraufs – oder neudeutsch Basher – in den sozialen Netzwerken wieder ihre Keulen auspacken, um die Sanierung des Parkdecks im Sonne-Center als pure Geldverschwendung kurzsichtiger und unfähiger Lokalpolitiker zu geißeln. War in der Vergangenheit so, wird dieses Mal wieder so sein. Schade drum, denn mehr als der Ratschlag, das tote Geislingen vollends einzusargen, kommt ohnehin selten dabei heraus. Höchstens noch, dass die Stadt endlich mal einen Supermarkt in der Oberstadt ansiedeln oder die B 10 weiterbauen soll. Dass das nicht die Aufgabe und Zuständigkeit einer Kommune ist, sei einfach mal der Vollständigkeit halber erwähnt. Liebe Nörgler, ihr habt ja Recht, 2,5 Millionen Euro sind ein ordentlicher Batzen Geld. Aber was ist die Alternative? Das Ganze wegreißen? Wird immer wieder mal gerne vorgeschlagen, würde aber 15 bis 20 Millionen Euro kosten. Das wäre das gefundene Fressen schlechthin für alle Basher. Außerdem vergessen so manche Zeitgenossen ganz gerne, dass oberhalb des Sonne-Centers in den Wohnungen Menschen leben. Stadtwerke-Chef Martin Bernhart, zugleich Bauherr der Sanierung, hat deshalb völlig Recht, wenn er solche Szenarien einen „sozialen Wahnsinn“ nennt, der sich keinem normal denken Menschen vermitteln lässt. In Geislingen ist es nicht anders als in anderen Städten, die vor genau demselben Problem stehen, dass sie Klötze wie das Sonne-Center am Bein haben: Einkaufs-Galerien in den Altstädten, die schon lange nicht mehr funktionieren, weil sie für heutige Verhältnisse viel zu kleinteilig sind, muffig, ohne Licht, ohne Attraktionen wie Gastronomie, aber wiederum viel zu groß, dass ein Ankermieter sie allein füllen könnte. So gesehen kann man nur hoffen, dass der Modepark Röther als neuer Eigentümer des Einzelhandelsbereichs – er steckt hinter der KMM Immobilienverwaltungsgesellschaft – dem darbenden Sonne-Center neues Leben einhaucht. Und da spielt letztlich auch das dortige Parkhaus eine wichtige Rolle. Denn im Gegensatz zu anderen innerstädtischen Einkaufspassagen hat das Sonne-Center diesen einen entscheidenden Vorteil: Es hält Parkplätze vor, vielleicht das einzige Stück Weitsicht der Planung aus der Vergangenheit. So gesehen sind die 2,5 Millionen Euro nicht verbranntes Geld, sondern die einzig richtige Investition in einer Stadt, die eh viel zu wenig Parkplätze hat.