Stadtentwicklung Kommunalentwicklung: Geislingen startet Pilotprojekt

Geislingen an der Steige / KATHRIN BULLING 27.02.2014
Geislingen packt das Thema Stadtentwicklung an. In einem Pilotprojekt sollen Bürger, Verwaltungsmitarbeiter und Gemeinderäte in den nächsten Monaten gemeinsam Ideen für die Zukunft der Stadt entwickeln.

Wie soll Geislingen in 20 Jahren aussehen? Was wünschen sich die Bewohner der Stadt? Und wie kann man diese Ziele erreichen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich - wenn es nach dem Wunsch der Stadtverwaltung geht - in den nächsten Monaten hoffentlich so viele Geislinger wie möglich.

Wie bereits berichtet, wurde die Fünftälerstadt neben Lörrach, Bad Säckingen und Waldkirch für ein Pilotprojekt des baden-württembergischen Umweltministeriums zusammen mit dem Städtetag ausgewählt - der Titel: "Nachhaltige Kommunalentwicklung - Gemeinsam auf dem Weg in die Zukunft".

"Das Schlüsselwort ist hier gemeinsam", machte Martin Müller vom Städtetag deutlich. Er stellte gestern im Geislinger Gemeinderat das Projekt vor und betonte wiederholt: "Diesen Prozess der Stadtentwicklung können wir nur gemeinsam schaffen." Bürgerschaft, Stadtverwaltungsmitarbeiter und Gemeinderäte sollen gemeinsam die Zukunft der Stadt gestalten und "jetzt den Trialog leben", so Müller. OB Wolfgang Amann stimmte begeistert zu: "Geislingen ist wir alle, nicht nur die Stadtverwaltung oder der Gemeinderat." Amann sagte, er sei sehr froh und dankbar für diese Chance. Die Stadt habe eine lange Tradition bürgerschaftlichen Engagements und müsse sich nicht verstecken: "Machen wir uns also weiter auf den Geislinger Weg."

Zusammen mit Martin Müller und dem Stuttgarter Stadtplaner und Moderator Frieder Hartung sollen die Geislinger jetzt "Schimpfa - spinna - schaffa". Am Anfang dürfe jeder gerne loswerden, was ihm nicht passe an der Stadt, so Müller, "das gehört dazu. Daraus wollen wir dann aber Visionen entwickeln - also spinnen - und sie umsetzen."

Erstmals konkret soll es bei der Auftaktveranstaltung am 29. März in der Jahnhalle werden: Dort kann jeder ab 13.30 Uhr seine Ideen für die Stadt mit einbringen und diskutieren. Fünf Themenfelder haben die Akteure ausgemacht, denen sie besondere Bedeutung zumessen wollen: Wohnen und Einkaufen, Wirtschaft und Hochschule, Kultur und Freizeit, Familie und Bildung, Klima und Mobilität. "Mach 5" lautet deshalb das Motto für die Werbeplakate. Müller ist zuversichtlich, nach dieser Veranstaltung schon Fassbares in der Hand zu haben, mit dem weiter gearbeitet werden kann: "Ich glaube, das wird eine richtig stimulierende Veranstaltung und ein ganz besonderer Tag."

Der Gemeinderat soll mit den Ergebnissen im Herbst in Klausur gehen und voraussichtlich Anfang nächstes Jahr erste Beschlüsse fassen, erklärte in der anschließenden Pressekonferenz Stadtplanerin Alwine Aubele, die mit Fachbereichsleiterin Margit Schrag Ansprechpartnerin der Stadtverwaltung ist.

Der Auftaktveranstaltung am 29. März geht am Vormittag ein von Christine Pfundtner vom Bürgerengagement organisiertes nichtöffentliches Treffen der Geislinger Vereine voraus. 35 haben sich bereits angemeldet, die sich besser kennenlernen und austauschen wollen.

Befürchtungen, dass das Projekt nur eines unter vielen bleibt oder zur Kopie des Geislinger Bürgerrats wird, haben weder Pfundtner noch Margit Schrag oder die anderen Akteure: "Beim Bürgerrat beschäftigt sich eine ausgewählte Gruppe mit punktuellen Themen. Jetzt geht es um eine allumfassende Zusammenarbeit aller Geislinger", sagte Margit Schrag. Frieder Hartung stimmte zu und sprach vom "großen Ganzen", das man in den Blick nehmen wolle.

Jens Burkert, der die Werbestrategie für das Projekt entwickelt hat, erteilte schließlich noch Zweiflern eine Absage, die befürchten, dass trotz aller guter Ideen am Ende das Geld zur Realisierung fehlt: "Meine Erfahrung ist: Wenn man eine gute Strategie hat, dann funktioniert es auch. Dann scheitert es sicher nicht am Geld."

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