Geislingen Kommentar: Vesperkirche vereint die Vielfalt

Isabelle Jahn 12.01.2018
Die Vesperkirche ist eine Chance, uns aus unseren sozialen Milieus heraus zu bewegen, betont GZ-Redakteurin Isabelle Jahn.

Armut kennen viele Menschen nur aus den Nachrichten in den Medien. Da kann man schnell umschalten, wegklicken oder weiterblättern, wenn es einem nicht behagt. Wie präsent dieses Phänomen tatsächlich in unserer Gesellschaft ist, erkennt man oft erst in direktem Kontakt; zum Beispiel, wenn jemand davon erzählt, dass er kaum die Wohnungsmiete bezahlen kann und beim Einkaufen auf Sonderangebote oder den Tafelladen angewiesen ist. Wir bewegen uns aber meistens in Kreisen, in denen unsere Gegenüber sozial ähnlich gestellt sind.

Ein Ort, an dem sich diese Kreise ineinander bewegen, ist die Vesperkirche, die am Sonntag in Geislingen beginnt. Wie viel Geld jemand auf dem Konto hat, wo er geboren und aufgewachsen ist oder woran er glaubt, spielt dort keine Rolle, und das ist auch gut so. Wer einfach nur hungrig ist, bekommt ein warmes Essen für wenig Geld. Wer Gesellschaft sucht, weil er zu Hause vielleicht immer alleine vor dem Teller sitzt, findet diese an den Tischen in der Pauluskirche. Und wer im Vertrauen über seine Sorgen oder anderes sprechen möchte, kann sich mit jemandem von den Ehrenamtlichen auf die Kirchenbank zurückziehen. Die Vesperkirche ist ein Angebot für alle, die nicht die Augen vor der Wirklichkeit verschließen wollen.