Hinter das Kapitel MiGy-Sanierung ­würde jeder Geislinger sicher am liebsten einen Schlusspunkt setzen. Leider ist es nicht so einfach, wie es sich jene Stadträte vorstellen, die in den vergangenen Wochen und jetzt am Mittwoch wieder dafür plädierten, es nun gut sein zu lassen mit der Aufarbeitung.

Klar: Die Klageverfahren vorzubereiten, die Containerschule zu planen, die Zukunft des MiGy auf den Weg zu bringen – all das ist wichtig, muss sorgfältig erledigt werden und kostet Zeit und Energie. Dazu kommen die vielen anderen Aufgaben in der Stadt, die erledigt werden müssen und für die es ebenso Zeit und Kraft braucht.

Dies ist aber keine Entschuldigung dafür, bei der Aufarbeitung, wie es zu dem ganzen Schlamassel kommen konnte, einfach auf halbem Weg stehen zu bleiben. Nichts ist geklärt, wenig wurde bisher zufrieden­stellend beantwortet! Geradezu hanebüchen ist das Argument, dass man wegen der Erinnerungslücken einiger Beteiligter sowieso nicht mehr richtig aufklären könne. Mit diesem Totschlagargument kann man jede Beschäftigung mit der Vergangenheit abwürgen. Ständig auf die Komplexität hinzuweisen und nicht wirklich aufzuklären, wirkt wie ein Ablenkungsmanöver.

Die Erklärung stellt infrage, ob sich die von den Bürgern gewählten Stadträte ihrer Rolle bewusst sind. Der Gemeinderat ist nicht der verlängerte Arm der Stadtverwaltung. In Paragraf 24 der Gemeindeordnung steht: „Der Gemeinderat ist die Vertretung der Bürger und das Hauptorgan der Gemeinde. [...] Der Gemeinderat überwacht die Ausführung seiner Beschlüsse und sorgt beim Auftreten von Missständen in der Gemeindeverwaltung für deren Beseitigung durch den Bürgermeister.“

Und: Eine Stadtverwaltung ist kein privates Unternehmen, sondern eine Behörde, die im Auftrag der Bürger und mit ­deren Steuergeldern arbeitet.
Es ist die Pflicht der Verwaltung, sorgfältig damit umzugehen und den Bürgern Rechenschaft über ihre Tätigkeiten abzulegen – so unangenehm und anstrengend das auch sein mag.

Es gebietet der Anstand, dass sauber und vollständig aufgearbeitet wird, was sich durch die Akteneinsicht an Widersprüchlichkeiten, seltsamen Vorgängen und offenen Fragen aufgetan hat und vielleicht noch an die Oberfläche kommt. Und der Anstand gebietet es auch, respektvoll mit jenen Gemeinderatskollegen umzugehen, deren Ansichten man nicht teilt.