Seit einem Monat protestieren WMF-Mitarbeiter montagmittags in ihrer Pause mit Spaziergängen gegen die Umstrukturierung des Unternehmens mit Produktionsverlagerung und Stellenabbau. Eine ebenso einfache wie bestechende Idee: Der Protest findet nicht hinterm abgeriegelten Werkstor statt, sondern spielt sich mitten in der Stadt ab. So ist er nicht nur ­öffentlich und augenfällig, sondern – und das ist das Charmanteste daran – er bietet jedem (Geislinger) Bürger die Gelegenheit, mitzugehen und Solidarität mit den Beschäftigten zu zeigen.

Handlung eines Einzelnen kann große Wirkung haben

Wer sich jetzt darüber lustig macht, dass ein paar Spaziergänge ums Firmengelände doch nichts bringen, der sollte innehalten und einen Blick auf die Auswirkung der Handlung einer einzelnen schwedischen Schülerin werfen. Man kann der internationalen Fixierung auf Greta Thunberg kritisch gegenüberstehen wie man will – eines ist klar: Sie hat mit einer schlichten Handlung eine weltweite Bewegung ins Leben gerufen, die eine ungeahnte Wirkmacht entfaltet hat.

Aktion soll im Landkreis Göppingen immer mehr Teilnehmer finden

In solchen Dimensionen denken die Initiatoren von „Mondays for Jobs“ sicherlich nicht. Dass sie aber über die WMF hinaus die Kollegen anderer ­Unternehmen im Landkreis im Blick haben, die ebenso um ihre Jobs fürchten müssen, ist so ­ehrenwert wie clever. Denn im Zeitalter der Selbstdarstellung entfaltet nichts eine größere Wucht als starke Gesten, und wenig kann größeren Druck hervorrufen als öffentlichkeitswirksame Aktionen. Dies vor ­allem, wenn Unternehmen sich der Kritik ausgesetzt sehen, nicht aus Gründen des nackten Überlebens, sondern aus Gründen der Gewinnmaximierung harte Schnitte vornehmen zu wollen. Wer vom Verkauf angesehener Markenprodukte lebt, der sollte sich gut überlegen, welchen möglichen Imageschaden er in Kauf nehmen will.

Mondays for Jobs WMF-Mitarbeiter protestieren gegen Firmenpolitik