Es ist absolut verständlich, dass die Schüler, Eltern und Lehrer um ihre Schule kämpfen. Und es ist klasse, dass sie dafür auch auf die Straße gehen und sich Gehör verschaffen. Natürlich darf und muss dieser Protest laut sein. Schließlich sollen sie gehört werden. Was allerdings nicht geht, ist die Art und Weise, wie die Bürgermeister am Donnerstagabend vom Großteil der Demonstranten regelrecht niedergebrüllt wurden, wie diese mit ihren Buh-Rufen die Redner, die sich der wütenden Menge stellten, jäh unterbrochen ­haben.

Offensichtlich wollten diese Demonstranten gar nicht zuhören. Das ist respektlos und, abgesehen davon, nicht zielführend. Außerdem sind die Bürgermeister und Gemeinderäte im Täle gar nicht die richtigen Adressaten für diese Wut. Es wären vielmehr diejenigen, die das MiGy-Desaster verschuldet und zu verantworten haben.

Michelberg-Gymnasium Geislingen „Ein Pro-Gymnasium ist kein Thema“

Deggingen

Gut war der Vorschlag von Bad Überkingens Bürgermeister Matthias Heim, fünf Vertreter der Demonstranten zu einem kurzen Gespräch hereinzubitten. Das hat die Lage entschärft.

Dass die Bürgermeister im Täle – sollte das MiGy tatsächlich schließen – eine Lösung für die Kinder im Oberen Filstal ­suchen müssen, ist nachvollziehbar und legitim. Deshalb ist es nicht in Ordnung, dass sich die Unterschriftensammlung auch gezielt gegen ein mögliches Gymnasium in Deggingen richtet. Der Widerstand sollte sich einzig und allein auf das eigentliche Anliegen konzentrieren: das MiGy zu erhalten. ­Lösungsvorschläge zu torpedieren, die nach einem endgültigen MiGy-Aus umgesetzt werden könnten, hilft niemandem weiter.

Abwertender Begriff „Dorfgymnasium“

Die Bürgermeister haben am Donnerstagabend klargemacht: Ein Pro-Gymnasium wird es in Deggingen nicht geben. Doch es entsteht der Eindruck, dass es manchen der Gegner gar nicht mehr um diese Form eines Gymnasiums geht. Sie wollen generell nicht auf ein „Dorfgymnasium“. Dieser abwertende ­Begriff ist in einem Brief des MiGy-­Elternbeiratsvorsitzenden Robert Riemer und seines Stellvertreters Bernd Vogt an die ­Elternschaft gefallen.

Geislingen

Unabhängig davon gibt es in den Gemeinden des Oberen Fils­tals auch zahlreiche Befürworter eines Gymnasiums in Deggingen, die sich in Gesprächen gegenüber der GZ klar für das Projekt aussprechen. Deren Meinung fehlt in der öffentlichen Wahrnehmung – bislang. Auch diese sollten sich öffentlich zum Thema äußern.