Der Paukenschlag, für den die CDU-Basis in Bad Überkingen gesorgt hat, wird noch in Nachbeben widerhallen. Beim Nominierungsparteitag erlitt der langjährige Bundestagsabgeordnete Klaus Riegert eine desaströse Niederlage. Seine Parteifreunde erteilten ihm eine Abfuhr, die seiner politischen Laufbahn ein jähes Ende setzt. Die Kreis-CDU geht mit Hermann Färber in die nächste Bundestagswahl. Zumal der überdeutliche Wahlausgang alle überrascht hat - gleichwohl hat er Gründe.

Klaus Riegert ist seit 20 Jahren Abgeordneter, fünf Mal in Folge holte er im Wahlkreis das Direktmandat. Riegert ist, wie er ist. Warum versagte ihm die Basis jetzt abrupt die Gefolgschaft - frei nach Schiller: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Vor elf Jahren parier- te Riegert einen Angriff noch mit Bravour - damals machte ihm die Kreisvorsitzende und heutige Landtagsabgeordnete Nicole Razavi die Bundestagskandidatur streitig - und holte sich eine blutige Nase.

Damals hielt Riegert die wohl mitreißendste Rede seiner Karriere. Sein Vortrag am Freitag war nicht dazu angetan, das Ruder noch herumzureißen und eine Mehrheit im Saal für sich zu begeistern. In seiner verheerenden Außenwirkung hat Riegert offenbar seinen Wegzug aus dem Kreis völlig unterschätzt. Damit fühlten sich viele CDU-Mitglieder in ihrem Eindruck bestätigt: Riegert ist mit seinem Privatleben beschäftigt, wir in den Ortsverbänden, unsere Anliegen und Sorgen interessieren ihn seit Langem nicht mehr. Diese offene Flanke hat Herausforderer Färber erkannt.

Mit Riegerts Einsatzbereitschaft erlahmte auch die seiner Anhänger für ihn - und führte zur schwachen Mobilisierung zum Nominierungsabend.

Der Unmut an der Basis ließ den Ruf nach einem Wechsel anstelle des "Weiter so" lauter werden. Dem Vernehmen nach sondierten Strippenzieher die Lage, handelten sich aber von Wunschgegenkandidaten Absagen ein.

Da warf Färber seinen Hut in den Ring. Zur Nominierungsversammlung brachte der Bauernverbandsführer gleich seinen großen Fanclub aus Böhmenkirch mit. Authentisch, unverbogen, geerdet, so präsentierte sich Färber. Ich kann mehr als Ackerbau und Viehzucht, lautete seine Botschaft. Dennoch klangen die politischen Ausführungen des CDU-Jungmitglieds eher bieder und handgestrickt. In die Rolle des Kandidaten muss Färber noch hineinwachsen. Erst recht ist es für jeden eine große Herausforderung, auf dem politischen Parkett in Berlin zu bestehen.