KOMMENTAR · GEISLINGER ALTSTADT: Runder Tisch der Altstadt-Retter

RODERICH SCHMAUZ 15.03.2012

Was tun? Wo beginnen? Wer soll das schaffen? Solche Fragen bedrücken denjenigen, der mit offenen Augen durch Geislingens historische Altstadt geht. Wertvolle Bausubstanz - das kulturelle Erbe von unseren Vorfahren, ein wesentliches Stück unserer Heimat - droht unwiederbringlich vor die Hunde zu gehen. An allen Ecken und Enden bröckelt der Putz, es besteht dringender Sanierungs- und Handlungsbedarf.

Was also tun? Man kann darüber trefflich lamentieren: Warum kümmern sich diejenigen, die in diesen Häusern wohnen, nicht um ihr Zuhause? Warum halten die, denen diese Gebäude gehören, ihre Immobilien nicht in einem ansehnlichen Zustand? Vermutlich haben die einen keinen Sinn dafür, die anderen kein Geld.

Und was tut die Stadt Geislingen? Sie tut, was sie kann. Ihre Einwirkungsmöglichkeiten sind aber beschränkt. Geislingen war noch nie finanziell auf Rosen gebettet. Die Stadt muss sich mächtig anstrengen, damit ihr Erscheinungsbild als Handelsstandort entlang der B 10-Hauptachse einigermaßen ansehnlich bleibt. Trotzdem weist die Stadt unverdrossen Sanierungsgebiet um Sanierungsgebiet aus - nicht immer mit Erfolg. Trotz Zuschüssen ziehen Hauseigentümer bei Renovierungen oft nicht so mit wie gewünscht.

Also was tun? Selber aktiv werden. Erster Schritt sollte eine konzertierte Aktion sein, ein runder Tisch, zu dem der Kunst- und Geschichtsverein alle Interessierten, Betroffenen und Altstadtbewohner einlädt, vor allem die einschlägig bekannten Vertreter des Fachhandwerks, der Banken, der GSW und der Stadtverwaltung. In Ansätzen gab es das schon einmal.

Denkbar als nächster Schritt: Analog zur Drei-Kirchen-Stiftung, womöglich unterm Dach der Geislinger Bürgerstiftung werden Vermächtnisse eingeworben. Alteingesessene Geislinger, denen Alt-Geislingen am Herzen liegt, können so nachhaltig zur Bewahrung von Baudenkmalen beitragen. Aus den Erträgen des Stiftungsvermögens ließe sich die Renovierung denkmalgeschützter Häuser fördern.

Dritter Schritt könnte sein, dass die "Altstadt-Retter" ihren Absichten Taten folgen lassen, indem sie an einem maroden, aber wertvollen Gebäude ein Exempel statuieren: Sie kaufen es und lassen es fachgerecht restaurieren. Sie kriegen die Finanzierung auf die Reihe und kümmern sich um die spätere Wohnnutzung.

Dieser dritte Schritt wäre immerhin ein erster kleiner Schritt zur Sicherung der Geislinger Altstadt.