Gastronomie Koch-Schule in Ruanda: Spülen mit Regenwasser

Geislingen / Von Claudia Burst 12.06.2018

Vier Wochen waren Günter Bandsze und Thomas Goerke in Ruanda. Ende Mai kamen sie zurück – und verarbeiten noch immer all die Eindrücke, die auf dem schwarzen Kontinent auf sie einprasselten. „Aufregend“ ist das Adjektiv, das beiden auf Anhieb einfällt, um diese Zeit zu charakterisieren. „Aufregend schlimm – aber auch aufregend schön“, präzisiert Günter Bandsze.

Er war bis zu seiner Pensionierung im vergangenen Jahr Küchenleiter an der Bad Überkinger Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe, sein Kollege Leiter beim Service-Unterricht. Ihr Fachwissen im Rahmen des „Senior Experten Service“ weiterzugeben war ihr Ziel – und zwar in einer Art Berufsfachschule im Nordosten Ruandas (wir berichteten).

„Wir hatten keine großen Erwartungen im Vorfeld, aber was wir vorgefunden haben, war dann doch ein Schock“, erzählt Bandsze und ist noch immer erschüttert, dass er seinen Schülern die Grundbegriffe an Hygiene beibringen musste. „Fließend Wasser gab es nicht. Dafür fließendes Abwasser“, schildert er. Dabei war es nur eine Schraube, die am Abfluss des Spülbeckens hätte fixiert werden müssen, um das Auslaufen des Spülwassers zu verhindern. „Aber dort macht keiner was, ohne konkrete Anweisung. Und dann gab es zuerst keinen Schraubenzieher oder passendes Werkzeug.“

Hatte er sich in Deutschland einige Rezepte überlegt, die er den zukünftigen Gastronomen oder Mitarbeitern in der Gastronomie beibringen wollte, so stellte er vor Ort schnell fest, dass die jungen Menschen – samt ihrem Lehrer – keinerlei praktischen Erfahrungen besaßen und er auch da bei Null anfangen musste: „Grundsuppe, Grundsoße, Grundteig.“

Aber, sagt er, „die jungen Leute waren schwer in Ordnung und die meisten von ihnen ausgesprochen interessiert. Und am Ende der Zeit haben sie doch einiges von dem umgesetzt, was ich ihnen beigebracht habe.“

Diesen Eindruck hat auch sein Kollege gewonnen, der ebenfalls unter erschwerten Bedingungen seinen Unterricht hielt. „Ich wollte ihnen zeigen, wie sie einen Tisch ansprechend decken können und hatte vorsorglich selber Servietten und Tischtücher und solche Sachen mitgebracht – aber sie hatten nicht mal Tische und Stühle zum Üben.“ Da Afrika das Land der Improvisationsweltmeister ist, wurden solche aus allen Räumen der Schule angeschafft, wo sie entbehrt werden konnten. Wie Kollege Bandsze in der Küche musste auch Goerke fast ausschließlich mit Regenwasser aus der Regentonne arbeiten und damit Gläser zum Strahlen bringen oder das Eis für Cocktails erst abkochen, dann in einer Schüssel einfrieren, um es schließlich mit einem spitzen Gegenstand zu zertrümmern. Und trotzdem bilanziert auch er, dass es Spaß gemacht hat.

Zum einen war die 22-jährige Lehrerin, die er mitsamt den Schülern unterwies, wissbegierig und intelligent und zeigte sich sehr motiviert, die Methoden des Experten für ihren Unterricht zu übernehmen. Zum anderen freute er sich am Interesse seiner Schüler. „Vielleicht machen sie nicht alles perfekt. Aber das machen sie auf jeden Fall mit ihrer Herzlichkeit wieder wett. Dort gab es keine missmutigen Gesichter.“

Beide werden die vier Wochen nicht vergessen. Aber nochmals hingehen? „Ja – aber unter anderen Voraussetzungen“, sagt Thomas Goerke. Die Schule benötige unbedingt eine bessere Ausstattung und große finanzielle Unterstützung von außen, alleine schaffe sie das nicht. Aber sie sei eine Chance für die jungen Menschen, denn der Tourismus mache in Ruanda einen stetig wachsenden Bereich aus. „Und landschaftlich war es wirklich wunderschön“, sind sich die beiden Männer wieder einig.

Begegnung mit einer jungen Eybacherin in Ruanda

Zufällig begegneten die Senior-Experten Thomas Goerke und Günter Bandsze in Gisenyi der Eybacherin Selina Schrag (20), ohne vorher von ihr gewusst zu haben. Beide waren bei ihrem Projekt „Cuisine du Coeur“ vor Ort und sind vom Einsatz der jungen Frau unter den Straßenkindern in Gisenyi (wir berichteten) tief beeindruckt. „Die Kinder dort waren so derart glücklich über das Essen, das sie durch den Einsatz von Selina erhalten, das werde ich mein Leben lang nicht vergessen“, betont Goerke und auch Günter Bandsze sagt: „Das hat mich bewegt. Sie ist wirklich dazu berufen. Hut ab!“

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