Der Name erinnert an einen Szene-Club: K 19. Hat aber damit genau so wenig zu tun wie S 21 mit Sparen. Hinter K.19 verbirgt sich das Kürzel für Karlstraße 19 – dort, wo sich früher Sport Gass befand und künftig wohl ein Kinderzentrum. K 19 ist ein gemeinsames Projekt der Stadt und Agapedia, der Stiftung des ehemaligen Weltklasse-Fußballers Jürgen Klinsmann, der aus Geislingen stammt und mit dem Vorschlag auf die Stadt zugekommen war.

Klinsmann ist Eigentümer

Klinsmann ist zugleich Eigentümer der Laden-Immobilie und hat angeboten, die Fläche mietfrei für das zunächst auf drei Jahre angelegte Projekt zur Verfügung zu stellen. Der Geislinger Gemeinderat hat nun in seiner jüngsten Sitzung das grundsätzliche Okay dafür gegeben. „Das ist ein nächster Schritt, aber noch nicht der Startschuss“, konstatierte Oberbürgermeister Frank Dehmer. Der Kontakt zu Agapedia besteht seit Herbst.

Zielgruppe sind Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren, vorrangig aus der Oberen Stadt. Dort liegt der Anteil an Kindern und Jugendlichen aus Familien mit Migrationshintergrund bei knapp 58 Prozent dieser Altersgruppe. Zugleich stammen viele der Kinder, die dort leben, aus sozial benachteiligten Familien. Bereits im Vorjahr hatte Stadtjugendreferent Klaus Nickel auf eine wachsende Zahl an Kindern und Jugendlichen hingewiesen, die ihre freie Zeit unbeaufsichtigt auf der Straße verbringen, auf Jugendgruppen, die bereits durch Drogendelikte, Vandalismus oder Lärmbelästigung aufgefallen sind. 

Kindern von sechs bis zwölf helfen

Genau dieser spezifischen Problemlage will das Projekt K 19 begegnen, wenngleich der Zugang zu dem Treff allen Kindern aus der Stadt sowie aus den Umlandgemeinden, die eine Geislinger Schule besuchen, offen stehen soll. Die Angebote entwickeln Vereine sowie Einrichtungen und Institutionen aus der Jugendarbeit, die in einem Netzwerk zusammengeschlossen sind, aber auch hauptamtliche Mitarbeiter. Diese Angebote können alle möglichen Bereiche umfassen, Sport und Bewegung, Kunst und Kreatives, Handwerk und so fort, in dem Treff stehen dafür unterschiedliche Bereiche zur Ver­fügung. Außerdem sollen die Eltern mit eingebunden werden, etwa über Infoveranstaltungen, Sprachkurse oder Dialogreihen.

Dabei legt Agapedia ausdrücklich Wert darauf, dass die Einrichtung partnerschaftlich betrieben wird. „Jürgen Klinsmann macht das nur, wenn er sieht, es ist eine Partnerschaft da“, betonte Geschäftsführer Stefan Barth in der Sitzung: „Oft ist die Erwartungshaltung, da kommt der reiche Onkel aus den USA, der soll doch alles bezahlen.“

100.000 Euro für Sozialarbeiter

Für Geislingen bedeutet diese Partnerschaft, dass sich die Stadt an der Finanzierung beteiligen muss – konkret mit 100.000 Euro ab dem kommenden Jahr für ­zwei Sozialarbeiter- sowie zwei FSJ-Stellen. Die Mittel stammen in diesem Falle dann aus der Integrationspauschale, die die Stadt über das Land vom Bund erhält. Laut OB Dehmer muss aber noch geklärt werden, ob das Personal „bei der Stadt angestellt wird ober bei der Stiftung“. In letzterem Fall wäre das Geld dann als Sachkosten deklariert.

„Ab Tag eins, an dem die Finanzierung steht, denken wir an Nachhaltigkeit, denken daran, Bildungspartnerschaften aufzubauen, schauen, wie ein Finanzierungsmodell aussehen könnte“, sagte Barth. Will heißen: Erst wenn das komplette Finanzpaket geschnürt ist, kann K 19 starten. An laufenden Kosten pro Jahr gehen Stadt und Stiftung von 195.000 Euro aus, darunter 5000 Euro für eine wissenschaftliche Begleitung durch die Hochschule Esslingen. Für Um- und Ausbau des ehemaligen Ladenlokals würden 200.000 bis 300.000 Euro anfallen.“

Zustimmung von allen Fraktionen

Zustimmung findet das Kinderzentrum bei allen Fraktionen. „Eine Investition in die Zukunft“, nannte es Ludwig Kraus, einen „großen Bedarf“ an solchen Betreuungsangeboten bescheinigte Bettina Maschke (beide Freie Wähler), die selbst in der Sozialen Gruppenarbeit tätig ist. Von „viel Geld, das sich die Stadt hinten raus sparen kann“ durch die Präventionsarbeit sprach indes Benedikt Dörrer, „vom großen Wurf, von dem wir nie zu träumen gewagt haben“, Bernhard Lehle (beide GAL). „Wir können die ausgestreckte Hand gerne und mit Freude annehmen“, stellte Sascha Binder (SPD) fest. „Wenn wir durch Agapedia etwas erreichen können, wäre das sehr sinnvoll“, betonte Holger Scheible (CDU), der aber zugleich anmahnte, an die Finanzierung über die drei Jahre hinaus zu denken.