In den vergangenen zwei Wochen hat die GZ die Kandidaten der Parteien vorgestellt, die beim Urnengang in zwei Wochen überhaupt eine Chance auf den Einzug ins Parlament haben. Auf den rund 130.000 Stimmzetteln im Wahlkreis Geislingen finden sich aber weitere drei Namen von Bewerbern, deren Parteien der Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde nicht zugetraut wird: ÖDP, NPD und Republikaner.

Alle drei Kleinparteien haben eines gemeinsam: Sie treten mit nur einem Kandidaten in den Wahlkreisen Geislingen und Göppingen an. Da es sich um Parteien handelt, die im aktuellen Parlament nicht vertreten sind, mussten die Kandidaten mindestens 150 Unterstützer in beiden Wahlkreisen haben, um sich bewerben zu dürfen. Vor allem die Ökologisch-Demokratische Partei tat sich dabei schwer. Ihr Kandidat Manfred von Campenhausen tingelte - unterstützt von Parteifreunden aus Bayern - über die Wochenmärkte in der Region, um möglichst viele Unterstützer ins Boot zu holen. Letztlich hat er es dann doch geschafft. Ebenso die beiden anderen Parteien. "Da gab es keine Probleme", sagt der Wahlorganisator des Landratsamts, Manfred Gottwald.

Als schwieriger gestaltete es sich für Gottwald hingegen, mit Karl Seitz in Kontakt zu treten. Mehrmals rief er beim Bewerber der Republikaner an. Vergebens. Auch der GZ erging es so. Selbst der Versuch, über den Landesverband den Bewerber an die Strippe zu bekommen, scheiterte. Folglich bleiben nur die dürren Daten der Wahlbewerbung, um den Republikaner vorzustellen: Karl Seitz, geboren 1949 in Göppingen, Technischer Angestellter, wohnhaft in Zell unter Aichelberg.

Kontaktfreudiger zeigt sich der NPD-Kandidat Michael Österle aus Gruibingen. Der 35-Jährige ist seit Kurzem Vorsitzender des 27 Mitglieder zählenden Kreisverbands. Dass seine Kandidatur in Gruibingen das Dorfgespräch ist und auch in den sozialen Medien heftig diskutiert wird, stört den Bautechniker wenig, der als Bauleiter in einem mittelständischen Unternehmen in Göppingen arbeitet. Die Kommentare seien negativ wie positiv - "aber da stehe ich drüber".

Österle hat sich vor zwei Jahren entschlossen, der NPD beizutreten. Als Beweggrund nennt er die verfehlte Asylpolitik. "Eine Kanzlerin, deren Ziel es ist, so viele Fremde wie möglich nach Deutschland einreisen zu lassen, kann und will ich nicht akzeptieren", schreibt der Gruibinger in seinem Profil auf der Homepage der Landes-NPD und fordert: "Merkel muss weg." Man müsse wieder "Herr im eigenen Haus" werden und dürfe das Schicksal des Landes "nicht der Islamisierung, dem Großkapital und den etablierten 'Deutschlandabschaffer'-Parteien überlassen."

Parteiname hin oder her, der 35-Jährige betont im Telefongespräch ausdrücklich, kein "Nazi" zu sein - "davon distanzieren wir uns". Als Begründung schiebt er nach: "Meine Freundin ist selbst Ausländerin, sie stammt aus Georgien." Überhaupt: Für ihn bedeute national zu sein nicht, "fremde Völker zu hassen, sondern das eigene zu lieben".

Der ÖDP-Kandidat Manfred von Campenhausen nimmt sich selbst nicht so wichtig. Aus ökologischem Interesse heraus ist der 49-Jährige schon seit Mitte der 1980er Jahre mit der Partei verbunden. Wenngleich der fünffache Familienvater aus Göppingen erst im vergangenen Jahr der ÖDP beigetreten ist. "Ich hätte mir nie träumen lassen, zu kandidieren", gibt er unumwunden zu. Doch weil bei der Landtagswahl eine Partei nur Stimmen über die Kandidaten bekommt, habe er sich zu dem Schritt entschlossen. "Es ist wichtig, dass wir in möglichst vielen Wahlkreisen mit Kandidaten vertreten sind." Nur so habe man die Chance auf einen Achtungserfolg.

Für Campenhausen ist die ÖDP eine bürgerliche Partei, die ein breites Themenspektrum abdeckt - "wir sind nicht abgedreht". Deshalb werde die ÖDP auch keine spektakulären Ereignisse wie die Flüchtlingskrise ausnützen, um populistisch auf Stimmenfang zu gehen.

Der Lehrer für Latein und Geschichte am Göppinger Freihof-Gymnasium ist mit der Bildungspolitik des Landes nicht einverstanden. Er fordert die Wahlfreiheit für G 9 und ein Nebeneinander von Ganztages- und Halbtagesschulen - "und zwar flächendeckend". Außerdem wünscht sich Campenhausen mehr Koordination unter den Schulen und weniger Konkurrenzdenken.

Sorge bereitet dem Kandidaten die Lage der Polizei, die "personell am Limit ist". Neben mehr Einstellungen müsse die Polizei auch besser ausgerüstet werden. Und vor allem wünscht sich Manfred von Campenhausen, dass den Frauen und Männern wieder mehr Respekt gezollt werde.