Geislingen Kirchenkonzert in Sankt Maria ist vom ersten Takt an bewegend

Stadtkapelle Geislingen und der Musikverein Nellingen bringen unter Normand DeChênes in Sankt Maria Geislingen konzertante Blasmusik zu Gehör.
Stadtkapelle Geislingen und der Musikverein Nellingen bringen unter Normand DeChênes in Sankt Maria Geislingen konzertante Blasmusik zu Gehör. © Foto: Sabrina Balzer
Geislingen / BETTINA VERHEYEN 19.04.2016
Als Dekan Martin Ehrler den Gästen am Sonntag in der katholischen Kirche Sankt Maria in Geislingen einen "beeindruckenden und bewegenden Konzertabend" wünschte, ahnte wohl kaum jemand, wie schnell dieser Wunsch in Erfüllung gehen würde.

Tatsächlich erzeugten schon die ersten Takte von "Only Time" der irischen Musikerin Enya Gänsehaut: Der Nachwuchs der Stadtkapelle Geislingen und des Musikvereins Nellingen unter der Leitung von Alexander Bilgery präsentierte das Stück angemessen getragen und doch gut akzentuiert. In seinem Arrangement für Blasorchester lässt Jan van Kraedydonck die unterschiedlichen Instrumentengruppen geschickt Spannung aufbauen. In großen Schwüngen dirigierend, spornte Bilgery die Musiker an, die ihm wiederum prompt folgten. So gelang dem Nachwuchs auch ein fein differenziertes Spiel mit der Lautstärke.

Wie "Only Time" waren auch die Stücke "We are World" (Lionel Richie/Michael Jackson, arrangiert von Larry Norred) und "One Moment in Time" (Whitney Houston, arrangiert von John Higgings) passend gewählt für ein Kirchenkonzert. Die jungen Musiker und ihr Dirigent hielten damit die beinahe andächtige Stimmung aufrecht. Durchweg beeindruckte das rund 30-köpfige Ensemble mit einem warmen, vollen, runden Klang.

An den überzeugenden Auftritt des Nachwuchses knüpften nahtlos die erfahreneren Spieler der Stadtkapelle Geislingen und des Musikvereins Nellingen an. Ihr neuer Dirigent Normand DesChênes hatte für seinen Einstand ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, dessen Ansprüche die rund 40 Musiker durchweg gerecht wurden. Mit minimalen Bewegungen beim Dirigieren holte DesChênes aus jedem Stück dessen ganz eigene Stimmung heraus: Festlich erklang "Sei uns gegrüßt!" von Richard Wagner (arrangiert von Siegmund Goldhammer); wuchtig, mit Paukenschlägen und in voller Lautstärke kam das siebenminütige "Chicago Festival" von Markus Götz daher; während bei den Balladen "Aria d'Amore" von Florian Ziller und "Bella Romantica" von Steve McMillan die zarten Töne gefragt waren, präsentierten die Musiker weitere Klangfacetten eines Blasorchesters bei Händels "Feuerwerksmusik" (arrangiert von Albert Loritz), bei Pachelbel's Canon (arrangiert von Fred Mills) und einem Teil der "Caucasian Sketches" von Nikolai Ippolitov-Ivanov (arrangiert von Steve McMillan).

"Fortuna Imperatrix Mundi" aus Carmina Burana von Carl Orff (arrangiert von Jay Bocook) bildete den gelungenen Abschluss dieses atemberaubenden Rittes durch die Literatur für Blasorchester. Hier kamen die beiden Percussionisten - der eine am Drum-Set, der andere mit Pauken und Schlagwerk ausgestattet - noch einmal voll zur Geltung.

Mit zwei Zugaben verabschiedeten sich die Musiker von ihrem ehrlich begeisterten Publikum und setzten ein weiteres Glanzlicht: Piazzollas Libertango (arrangiert von Lorenzo Bocci) und das Hallelujah von Leonard Cohen (arrangiert von Michael Brown).

Mit diesem Kirchenkonzert und jenem vor einer Woche in Nellingen knüpfen die Stadtkapelle Geislingen und der Musikverein Nellingen an eine Tradition an, die ihr Dirigent Gerhard Kunert in seiner Amtszeit (2002-2010) eingeführt hat. Für die Musiker sind diese Auftritte, wie auch ihr Herbstkonzert, eine gerne genutzte Gelegenheit, konzertante Blasmusik zu präsentieren. Dass sie hierin mit Normand DesChênes auf einer Linie sind, hat das Konzert in Sankt Maria bewiesen: Obwohl Dirigent und Orchester erst wenige Monate gemeinsam proben, agierten sie bereits wie ein eingespieltes Team. Wenn es so weiter geht, kann sich das Publikum freuen auf mehr "beeindruckende und bewegende" Konzertabende dieser Art.

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