Warum läutete mitten in der Nacht eine Glocke der Stadtkirche in Geislingen? Darüber haben zahlreiche User in der Facebook-Gruppe „Geislingen an der Steige“, in der es um das Stadtgeschehen geht, diskutiert. Spekuliert wurde etwa so: Hat Geislingens letzte Stunde geschlagen? Oder galt das Läuten – der evangelischen Kirche – gar dem jüngst verstorbenen Georg Ratzinger, Bruder des emeritierten Papstes Bendikt XVI.? Sowohl in der Nacht zu Mittwoch als auch zu Donnerstag war um 1 Uhr für ein paar Minuten das Läuten zu hören.

Glocke der Stadtkirche in Geislingen läutet nachts: Fehler bei Programmierung

Sigrid Ströhle-Staudinger lieferte am Donnerstag auf Nachfrage der GZ die Erklärung für den rätselhaften Fall: „Es gab einen Fehler bei der elektronischen Programmierung“, erklärt die Mesnerin, die für die Einstellungen zuständig ist. Abgesehen von den technischen Details der Steuerung kennt sich Ströhle-Staudinger auch mit den Glocken selbst genau aus und weiß: Es war die Gebetsglocke, die des nachts so manchen Geislinger weniger sanft aus dem Schlaf holte. Diese soll nun im Sommer eigentlich pünktlich um 7 Uhr, um 12 Uhr, um 15 Uhr und um 20 Uhr ihren Dienst tun.

Kirchenglocken stifteten Verwirrung zu Silvester

Auch Stadtkirchenpfarrer Dietrich Crüsemann, der nebenan wohnt, wurde durch den Gong kurz wach, erzählt er gegenüber der GZ. Während er überlegte, dem ungewollten „Konzert“ ein Ende zu setzen und die Glocken auszustellen, war dann aber schon wieder Stille. Dass es außerhalb der geplanten Zeiten zum Geläut komme, sei nicht zum ersten Mal passiert: Einmal läuteten gleich mehrere Glocken gleichzeitig – „da bin ich im Bademantel rüber gegangen, um sie auszuschalten“, sagt Crüsemann und lacht. Vor ein paar Jahren habe die Stadtkirche sogar an Silvester Verwirrung gestiftet. Und erst vor Kurzem – nach der jährlichen Inspektion – sei der Klang vorübergehend nicht klar genug gewesen. „Da war allerdings eine Schraube locker“, erklärt Crüsemann.
Über lockere Schrauben muss sich jedenfalls kein Geislinger Gedanken machen, weil er in zwei Nächten scheinbar zum Gebet geladen wurde. Mit dem unverhofften Weckruf dürfte es laut Sigrid Ströhle-Staudinger außerdem ein Ende haben, nachdem sie den Fehler behoben hat: „Heute Nacht sollte wieder Ruhe sein.“