Liebesleben Kein Grund sich zu schämen

Kreis Göppingen / Claudia Burst 07.08.2018
„Brennt’s im Schritt?“ oder „Dein Date wird zum Dauerbrenner?“ steht auf Plakaten. Geschlechtskrankheiten werden thematisiert.

Geschlechtskrankheiten gehören nicht der Vergangenheit an. Sie kommen sogar häufig vor. Darauf macht eine Plakataktion der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, kurz BZgA, im Geislinger Stadtgebiet aufmerksam. Mit ihrer Kampagne unter dem Stichwort „Liebesleben“ kommuniziert die BZgA das Thema „sexuell übertragbare Krankheiten (STI) “, um es zu enttabuisieren und über Risiken und Schutzmaßnahmen zu informieren.

Chlamydien, Tripper (Gonorrhoe), Syphilis, Trichomonaden, Hepatitis B und C und Herpes gehören neben HIV zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten in Deutschland. Während vor allem Syphilis lange Zeit als besiegt galt, sind Infektionen mit dem Erreger heute wieder auf dem Vormarsch. Das bestätigt auch Bärbel Neubert-Humburg vom Göppinger Gesundheitsamt.

Wenn es im Intimbereich juckt, beim Wasserlassen brennt oder jemand Schmerzen beim Sex hat, dann können dies Anzeichen von STI sein. Werden solche Krankheiten nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, können sie schwerwiegende Folgen wie eine Schädigung des zentralen Nervensystems oder Unfruchtbarkeit nach sich ziehen. „Daher ist eine Vorbeugung gegen STI und die frühzeitige Behandlung einer Infektion von größter Bedeutung“, informiert die Homepage von „liebesleben.de“.

Als wichtigste Vorbeugungsmaßnahme plädiert die Bundeszentrale für die Verwendung eines Kondoms bei allen Sexualkontakten. Ist es bereits zu einer Infektion gekommen, sei das heutzutage jedoch „kein Weltuntergang“, beruhigt sie. Wichtig sei, bei allen Veränderungen, insbesondere im Intimbereich, aber auch etwa am Mund, sofort zu einem Arzt (Frauenarzt, Urologe oder Hautarzt) zu gehen, um die Ursache herausfinden zu lassen. „Es ist wichtig, den Erreger richtig zu erkennen und die entsprechende Behandlung zu finden“, begründet die BZgA diese Aufforderung. Eine weitere Möglichkeit ist der Gang zum Gesundheitsamt – auch in Göppingen –, das sowohl Beratung als auch Tests zu HIV und STI anonym anbietet. Die meisten Patienten dort wollen wissen, wie man sich mit Geschlechtskrankheiten ansteckt oder wie hoch das Ansteckungsrisiko ist, berichtet Bärbel Neubert-Humburg.

Eine weitere häufige Frage sei die nach aktuellen Behandlungsmöglichkeiten sowohl von HIV als auch von STI. „Eine Syphilis, Chlamydien- und Gonorrhoeinfektion kann mit einem Antibiotikum behandelt und in der Regel geheilt werden“, beruhigt sie. Dabei zähle eine Chlamydieninfektion zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Die Anzeichen für die unterschiedlichen Krankheiten sind jedoch – je nach Erreger – unterschiedlich.

„STI sind kein Grund, sich zu schämen. Sie sind Infektionskrankheiten wie andere auch“, heißt es auf der Homepage von „Liebesleben.de“

Merkmale und Anzeichen von Krankheiten

Mögliche Anzeichen für STI (sexually transmitted infections) sind zum Beispiel:
● Unangenehm riechender starker Ausfluss oder der eine ungewöhnliche Farbe hat.
● Zwischenblutungen
● Juckreiz, Ausschlag und Hautrötungen
● Hautveränderungen  und nässende Hautstellen
● Gelbfärbung von Haut und Bindehaut 
● Schmerzen beim Sex
● manchmal auch Grippesymptome wie Schwäche und Müdigkeit, Erbrechen, Durchfall und Appetitlosigkeit, eventuell Fieber (oft bei Hepatitis B oder HIV).

Bei einigen STI verschwinden die Beschwerden wieder – die Erreger können aber immer noch im Körper sein und die Gesundheit schädigen. Deshalb muss der Arzt eine STI-Infektion abklären. Seit Beginn der Meldepflicht derartiger Infektionen im Jahr 2001 hat sich die Zahl der deutschlandweit gemeldeten Syphilis-Fälle verdreifacht, wie aus den Veröffentlichungen des Robert-Koch-Instituts hervorgeht (von 1995 Fällen im Jahr 2001 auf 7500 Fälle im Jahr 2017). Auch bei HIV stiegen die gemeldeten Fälle von 1500 im Jahr 2001 auf 3419 Neudiagnosen im Jahr 2016.

Für den Kreis Göppingen liegen keine separaten Zahlen vor, weil die Infektionen anonym gemeldet werden.

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