Man stelle sich vor, ein alleinstehender Mann im Alter von 25 Jahren bricht sich beim Radfahren beide Arme. Die Arme werden im Krankenhaus eingegipst, dann ist der "Fall erledigt", der Patient wird nach Hause geschickt, sofern er nicht sofort einen Reha-Platz bekommt. Und dann?

Dass es bei der Kurzzeitpflege an vielen Ecken klemmt, diese Erfahrung machte jetzt die frühere Vorsitzende des Geislinger Stadtseniorenrates, Monika Zeisler, aus eigener Betroffenheit. Ihre 54-jährige Tochter war wegen der Fallpauschale aus dem Krankenhaus entlassen worden, aber noch nicht rehafähig, sie wurde daraufhin in einem Altenpflegeheim untergebracht. "Das dortige Umfeld war und ist völlig ungeeignet, um jüngeren Menschen eine Stabilisierung ihres Allgemeinzustandes möglich zu machen, und spontan geht nichts", sagt Monika Zeisler. Abgesehen davon sind die Fragen der Finanzierung einer Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung noch weitgehend ungeklärt.

Monika Zeisler, die nach Aufgabe aller ihrer Ehrenämter eigentlich jetzt den Lebensabend genießen wollte, hat das so bewegt, dass sie zusammen mit Uwe Glöckner vom Samariterstift, Tabea Astfalk-Haffelder von der Diakonie, Claudia Burst, Gisela Schlegel und Brigitte Wasberg von der Geschäftsstelle für städtische Netzwerke im Mehrgenerationenhaus den Arbeitskreis "Kurzzeitpflege für Jüngere" gegründet hat. Gleich nach Gründung hat sie 21 Personen aus Pflege und Politik angeschrieben und auf das Problem aufmerksam gemacht, darunter beispielsweise den Landkreistag, den Chef der Alb-Fils-Kliniken Dr. Jörg Noetzel, den Sozialdezernent beim Landratsamt Hans-Peter Gramlich und DRK-Geschäftsführer im Kreis Göppingen, Alexander Sparhuber. Rasche Antwort bekam sie von der Göppinger SPD-Bundestagsabgeordneten Heike Baehrens, hier lief sie offene Türen ein.

Auch Heike Baehrens hat erkannt, dass es bezüglich Pflege von jüngeren Menschen Handlungsbedarf gibt, da das "Einstreuen" in die Kurzzeitpflege wahrlich nicht die optimale Lösung ist. Die Politikerin macht aber deutlich, dass Kurzzeitpflege, egal ob für ältere Menschen oder für Jüngere, ein großer pflegerischer und gleichzeitig nicht kalkulierbarer finanzieller Aufwand ist. Betriebswirtschaftlich, so Baehrens, wäre die Form der Übergangspflege nur vertretbar, wenn es eine Finanzierung gäbe, die zwischen Dauerpflege und Krankenhauskosten angesiedelt ist, was im Versorgungsstärkungsgesetz verankert werden müsse. Jüngere Menschen haben nun mal keine Pflegestufe.

Heike Baehrens, die selbst im Gesundheitsausschuss des Bundestages sitzt, ist aber sehr optimistisch, dass sich in nächster Zeit hinsichtlich dieser Problematik etwas tun werde.

Was Monika Zeisler aber trotzdem ärgert: "Es geht eigentlich immer nur ums Geld". Auch Uwe Glöckner, der Leiter des Geislinger Samariterstifts habe ihr erklärt, dass eine solche Einrichtung mindestens 96,5 Prozent Auslastung brauche, ein Vorhalten von Plätzen ist da unmöglich. Seine Einrichtung hat momentan sechs Kurzzeitpflegeplätze, die fast immer ausgebucht sind.

Heike Baehrens versichert dann gegenüber unserer Zeitung, dass sich die Bundestagsfraktionen bezüglich einer pflegerischen Übergangsversorgung ziemlich einig seien, im Krankenhausstrukturgesetz solle dazu eine Lösung Eingang finden. Baehrens: "Es ist erkannt worden, dass hier eine Lücke besteht". Und sobald es die Übergangsversorgung gebe, da ist sich die Politikerin sicher, wird es auch Angebote dazu geben.

Monika Zeisler kämpft derweil mit ihrem Arbeitskreis weiter. Morgen will sie mit Claudia Burst zu einer Sitzung der Enquete-Kommission in Stuttgart fahren, die sich mit generationengerechten Zukunftsfragen befasst, um auch die Landespolitik mit diesen Problemen zu konfrontieren.

Dialog zum Thema Pflege bei Veranstaltung in Göppingen

Pflege Der demografische und soziale Wandel führen dazu, dass sich die Versorgung pflegebedürftiger Menschen zukünftig großen Herausforderungen stellen muss. Das hat auch die CDU-Landtagsfraktion erkannt. Sie sucht den Dialog zum Thema Pflege mit einer Veranstaltungsreihe. Die Erfahrungen und Wünsche von Betroffenen, Angehörigen, Pflegekräften, ehrenamtlich Tätigen sowie Betreibern von Pflegeeinrichtungen sollen in die parlamentarische Arbeit einfließen. Eine Veranstaltung zum Thema Pflege in Baden-Württemberg findet deshalb am kommenden Montag, 6. Juli, um 15 Uhr in der Gaststätte der TPSG Frisch Auf Göppingen in der Hohenstaufenstraße 142 in Göppingen statt. Als Gesprächspartner stehen die Landtagsabgeordneten Jutta Schiller und Thaddäus Kunzmann zur Verfügung.