Bier Kaiser-Brauerei befindet sich auf einem guten Weg

Christoph Kumpf setzt konsequent den Konsolidierungskurs der Kaiser-Brauerei um - mit Erfolg.
Christoph Kumpf setzt konsequent den Konsolidierungskurs der Kaiser-Brauerei um - mit Erfolg. © Foto: Rainer Lauschke
Geislingen an der Steige / JOCHEN WEIS 16.03.2015
Vor einem halben Jahr sah es noch düster aus in der Geislinger Kaiser-Brauerei, die Pleite drohte. Doch längst geht es wieder bergauf. Dabei hilft Christoph Kumpf, seit Januar im Betrieb, kräftig mit.

Gerade mal sechseinhalb Monate ist es her, da stand die Zukunft der Geislinger Kaiser-Brauerei auf des Messers Schneide. Seinerzeit mussten die Inhaber, die Brüder Hans-Friedrich und Ulrich Kumpf, den bitteren Gang zum Insolvenzgericht antreten. Technische Probleme, unter denen zeitweise die Qualität des Bieres litt, ein zu großes Produktportfolio, der Preisdruck am Markt und dazu ein verregneter Sommer - all dies hatte zum Umsatzabsturz geführt. Als der Ulmer Rechtsanwalt Tobias Sorg im Dezember als Insolvenzverwalter das Ruder übernahm, war das die Wende zum Besseren. Stück für Stück kämpft sich Geislingens letzte Brauerei seither wieder nach oben, Ende Februar gab die Gläubigerversammlung grünes Licht für den Fortbestand des Unternehmens.

Ein wichtiger Schritt war im Januar der Einstieg von Christoph Kumpf, Sohn von Hans-Friedrich Kumpf und als Diplom-Brauingenieur auf dem neuesten technischen Stand. "Mein Einstieg war erst in drei, vier Jahren geplant", erzählt Christoph Kumpf, der bis dato beim Neutraublinger Abfüllanlagen-Hersteller "Krones" arbeitete. Seine Zuständigkeit: technologische Beratung und Inbetriebnahme von Brauereianlagen, das Ganze weltweit. "Als dann die Nachfrage des Insolvenzverwalters kam, habe ich Ja gesagt - unter der Bedingung, dass ich das technische Ressort alleinverantwortlich übernehme." Eine klare Ansage des 25-Jährigen, der seither den Sorg'schen Konsolidierungskurs konsequent fortsetzt. "Wir haben seit Einleitung des Insolvenzverfahrens zirka 150.000 Euro investiert und werden bis Ende 2015 weitere 300.000 Euro in die Technik, in Leergut und so weiter investieren", sagt Christoph Kumpf.

Fokus liegt auf Stamm-Marke

Damit einher geht eine strategische Neuausrichtung, unter anderem eine Verschlankung in der Produktion. "Wir fixieren uns auf die Stamm-Marke Kaiser-Bier. Von unserer Marke Staufen-Bräu gibt es nur noch eine Sorte. Und wir haben diverse Lohnabfüllungen beendet", erklärt Christoph Kumpf. Außerdem hat die Brauerei die Abfüllung von einigen Gebinden wie Pils in 0,5-Liter-Flaschen und Fassbier in 50-Liter-Fässern eingestellt. Von der Soft-Drink-Marke Frucade gibt es nur noch drei, statt bisher sechs Sorten.

Als technischer Leiter ist Christoph Kumpf derzeit vor allem in der Qualitätssicherung und -optimierung tätig. Er setzt dabei Neuerungen um, die Insolvenzverwalter Sorg in die Wege geleitet hat, um effizient und kostensparend produzieren zu können. Eine davon: "Wir füllen nicht mehr fünf Tage die Woche in einer Schicht ab, sondern nur noch an drei im Zweischicht-Betrieb." Das bringe den großen Vorteil, dass dann zwei Tage für Wartung und Reinigung der Abfüllanlage zur Verfügung stehen. 5000 bis 6000 Kisten Bier kann die Brauerei pro Tag in den Handel schicken. Wobei Christoph Kumpf betont, dass "wir zeitnah abfüllen. Das Bier soll frisch sein und deshalb nur einige Tage bei uns stehen." Trotz aller Neuerungen und Veränderungen bei der Produktion kam die Brauerei aber nicht um eine - wenngleich moderate - Preiserhöhung herum. "Wir verlangen jetzt pro Kiste einen Euro mehr als früher. Diese Preiserhöhung war notwendig, um wirtschaftlich arbeiten und so einen hohen Standard halten zu können." Denn das ist aus Christoph Kumpfs Sicht der einzige Weg, um gegen die Billigheimer der Großbrauereien bestehen zu können, die 70 Prozent des Biermarktes in Deutschland beherrschen.

Deshalb spielt auch die Komponente "regional" weiterhin eine wichtige Rolle - nicht nur beim Braugetreide, das die Kaiser-Brauerei ausschließlich von den Landwirten aus dem Raum Geislingen bezieht. "Wir sehen unseren Absatzmarkt in einem Radius von 30, 40 Kilometern, in Geislingen und Göppingen. Da wollen wir unser Geld verdienen, nicht in Stuttgart", sagt Christoph Kumpf.

Um sich wieder als die regionale Marke zu positionieren, hat das Unternehmen seine Werbung forciert, nutzt dazu die Social-Media-Plattform Facebook, geht aber genauso zurück zu den Wurzeln und wirbt auf großflächigen Plakaten mit pfiffigen Sprüchen. Einer davon: "Schon Sissi stand auf Kaiser". Christoph Kumpf: "Diese Form der Werbung hatten wir gar nicht mehr. Wir müssen unser Produkt wieder in den Köpfen der Menschen verankern. Wenn das gelingt, steht es um die Zukunft des Unternehmens gar nicht schlecht."

Kaiser-Brauerei ist die letzte Brauerei Geislingens

Brauertradition 1835 gab es in der Oberen Stadt in Geislingen noch zehn Bierbrauereien. 160 Jahre später waren es in der gesamten Stadt noch drei, seit fünf Jahren ist davon nur noch die Kaiser-Brauerei der Familie Kumpf übrig. 1998 hatte die Brauerei Glocke (Uhland-Bier) nach dem Tod von Junior-Chef Axel Uhland den Braubetrieb eingestellt. 2010 folgte nach der (bereits zweiten) Insolvenz die Adler-Brauerei Götz in Altenstadt.

Arbeitsplätze Der Arbeitsplatzabbau bei der Kaiser-Brauerei hielt sich nach der Insolvenz stark in Grenzen. Von den rund vier Dutzend Mitarbeitern vor der Insolvenz - Festangestellte wie Aushilfen - haben nur sechs den Betrieb verlassen. Vier gingen entweder in den Ruhestand oder wechselten den Betrieb. Nur zwei Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz durch eine Kündigung.

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