Geislingen Junge Geislinger helfen bei Hausbau in Bolivien

Geislingen / Alessa Steinleitner 05.09.2018
Jugendliche aus dem Raum Geislingen bauen an einem Kinder- und Jugendzentrum in Bolivien mit. Sie bleiben von Rückschlägen nicht verschont.

Einige Mauern stehen komplett, andere zur Hälfte. Die geschichteten Ziegelsteine sind Zeugen der harten Arbeit 13 junger Erwachsener, die zum Großteil aus Geislingen und Umgebung stammen. Im Zuge eines Workcamps der evangelischen Landeskirche Baden Württemberg reiste die Gruppe nach Bolivien. Unter der Leitung der Geislinger Pfarrerin Yasna Crüsemann vom Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung in Ulm, soll in der Stadt Santa Cruz ein Kinder- und Jugendzentrum entstehen (wir berichteten). Kinder sollen in dem Zentrum der lutherischen Kirche Unterstützung bei Hausaufgaben und Freizeitangebote erhalten. Regelmäßig berichten die ehrenamtlichen Helfer auf ihrem Internetblog über ihre Fortschritte.

Von Anfang an packten die Helfer auf der Baustelle mit an, mussten ihre Maurerarbeit jedoch erst noch verschieben, weil Materialien fehlten. Zuvor ging es unter anderem zu einer Grundschule, die von Hilfsorganisationen errichtet wurde und als Vorbild für das Bauprojekt dient.

Als das nötige Material endlich besorgt war, luden die jungen Erwachsenen 3000 Ziegelsteine auf der Baustelle ab. Mit Hilfe einer Menschenkette und Gesang erleichterten sie sich die Arbeit und legten noch am selben Tag mit dem Mauern los. Die ungewohnt frischen Temperaturen waren dafür verantwortlich, dass am nächsten Tag einige Helfer krank im Bett bleiben mussten.

Trotz der fehlenden Helfer bauten die jungen Männer und Frauen aber fast zwei Mauern fertig. Die fachmännische Leitung dabei übernahm Daniel Seibold vom evangelischen Jugendwerk Baden-Württemberg, mit Unterstützung eines bolivianischen Teams.

Die Freude über diesen Erfolg hielt jedoch nicht lange an: Der Wind hatte über Nacht die Mauern zum Einsturz gebracht, da diese auf „bolivianische Bauweise“ ohne Stützpfeiler errichtet worden waren. Auch die Aufräumarbeiten erschwerte der Wind, auf dem Internetblog der Teilnehmer heißt es: „Etwas betrübt begannen wir, die Trümmer zu beseitigen, Ziegel zu sortieren und Scherben beiseite zu schaffen.

Der Wind trieb uns den Zementstaub und den Sand in die Augen.“  Leiterin Yasna Crüsemann berichtet von Wetterwechseln zwischen Kälteeinbruch und „35 Grad  sengender Hitze“. Obwohl die Motivation der Helfer auf eine Bewährungsprobe gestellt wurde, war an Aufgeben nicht zu denken.

Ein weiterer Rückschlag blieb nicht aus: Die fünf gebauten Pfeiler genügten nicht. Um Platz für weitere Pfeiler zu schaffen, mussten sie die einzige vom Sturm verschont gebliebene Mauer zur Hälfte abreißen. Ihren Ehrgeiz fanden die Helfer aber schnell wieder: „Man bekam das Gefühl, dass jeder noch einmal richtig mit anpacken wollte“, schreiben sie auf ihrem Blog. Die Mauern wuchsen und wuchsen.

Am Freitag fliegen die jungen Frauen und Männer zurück in ihre Heimat, auch mit vielen kulturellen Eindrücken. Zusammen mit den bolivianischen Jugendlichen besuchten sie bedeutende Orte wie die Minenstadt Potosí und den Titicacasee.

Yasna Crüsemann ist beeindruckt vom Durchhaltevermögen der Jugendlichen. Trotz der Wetterstrapazen und der Rückschläge sowie „Sprachbarrieren, täglichen Fahrten mit dem klapprigen Bus zur Baustelle und Arbeiten bis zum Abend“ haben sich die Helfer nicht von ihrem Vorhaben abbringen lassen. Das Fazit der Projektleiterin: „Wir haben nicht nur Mauern eines Hauses gebaut, sondern auch Brücken zwischen Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen.“

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