Kritik Jugendbeteiligung: Kritik an Stadtverwaltung

Der Bolzplatz in der Vorderen Siedlung: Eine Sanierung ist auf un­bestimmte Zeit verschoben, lediglich eine provisorische Instandsetzung vorgesehen. Das stößt auf Kritik.
Der Bolzplatz in der Vorderen Siedlung: Eine Sanierung ist auf un­bestimmte Zeit verschoben, lediglich eine provisorische Instandsetzung vorgesehen. Das stößt auf Kritik. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen / Jochen Weis 20.04.2018
Jugendbeteiligung in Geislingen könnte besser funktionieren, sagt Holger Schrag. In der Verwaltung versande zu viel.

Die erste Geislinger Jugendkonferenz vor knapp eineinviertel Jahren war die Initialzündung für Jugendbeteiligung in Geislingen. Die Fragestellung seinerzeit: Wie soll ein jugendfreundliches Geislingen aussehen? Welche Themen liegen den jungen Geislingern am Herzen? Und wie können sie sich in diese Projekte einbringen? Ideen gab es in der Folge viele – und soll es nach dem Willen des Netzwerks für Jugendbeteiligung, in dem alle maßgeblichen Organe zusammengeschlossen sind (siehe Infobox), auch weiterhin geben. Eins der Leuchtturm-Projekte, das erstmals bei der Konferenz aufs Wunschtablett gekommen war, eine Downhill-Strecke, treibt derzeit der Jugendgemeinderat voran. Kurzum: Es ist Bewegung in der Sache. Möchte man zumindest meinen.

Das Netzwerk sieht jedoch noch viel zu viel Sand im Getriebe, sieht die Jugendlichen von kommunaler Seite zu oft allein gelassen, sieht die Akteure aus den eigenen Reihen zu oft ausgebremst. Holger Schrag, Vorsitzender des Geislinger Stadtjugendrings (SJR), spricht hierbei „von einigen dicken Brettern, die wir noch bohren müssen“. Einer seiner Kritikpunkte: Bei der Geislinger Bürgerbeteiligung Mach5 „gibt es nach wie vor keine eigene Sparte für die Jugend. Das fällt dort lediglich unter Familie, Bildung und Soziales“, sagt Schrag, „was schade ist. Die Jugend sollte eigenständig in den Prozess eingebunden sein. Die Jungen sind ja die treibenden Kräfte“.

Was laut Schrag aber noch schwerer wiegt, ist, „dass Themen einfach versanden“. Als Beispiel nennt er den maroden Bolzplatz in der Vorderen Siedlung. Der sollte eigentlich ein neues Gesicht bekommen, einen Kunstrasen, ein Basketballfeld. Dazu waren die Geislinger Jugendgemeinderäte selbst auf die Straße gegangen, um bei ihrer Klientel nachzufragen, wie dieser Platz denn einmal aussehen sollte. Das Ende der Geschichte: Die Sanierung ist auf unbestimmte Zeit verschoben, weil die Geislinger Siedlungs- und Wohnungsbau GmbH (GSW) erst das darunter liegende Parkhaus sanieren muss. Nun gibt es zwar einen Kompromiss, der vorsieht, den Bolzplatz provisorisch herzurichten – ein Ergebnis, das aus Schrags Sicht dennoch nicht zufriedenstellend ist. Dabei geht es weniger ums Was, sondern vielmehr ums Wie: „Da wird ein Thema hin- und hergeschoben zwischen Stadtverwaltung und GSW, bei dem die Jugendlichen eigentlich davon ausgehen, dass es umgesetzt wird.“ Man kenne sehr wohl die knappe personelle Situation in der Stadtverwaltung, in der jeder am Limit  arbeite. „Aber solche Verzögerungen lassen sich den Jugendlichen nicht darstellen auch weil sie bereit wären, für diese Projekte selbst etwas  zu tun.“ Wenigstens  werde jetzt beim Bolzplatz eine Tafel aufgestellt, die über die Verzögerungen informiere.

Kai Hummel vom Stadtjugendring, der seinerzeit noch als Jugendgemeinderat die Umfrage mitangestoßen hatte, stimmt Schrag zu: „Da fragt man sich schon: Warum macht sich der Jugendgemeinderat diese Mühe? Am Ende stehen dessen Mitglieder als die Dummen da.“ Die Versäumnis-Liste lasse sich erweitern auf andere Dinge – auf überdachte Jugendtreffs, die Sanierung weiterer Bolzplätze im Stadtgebiet oder den Freizeitbereich beim Tälesbahnhof, der nun aber bei der Neugestaltung dieses Areals Priorität bekommt.

„Wir müssen einfach aufpassen, dass die Jugend nicht das Interesse verliert“, betont Schrag, der sich mehr Transparenz, mehr Kommunikation von Seiten der Verwaltung wünscht – und auch mehr Wertschätzung der Jugendbeteiligung durch den Gemeinderat, dem auch Schrag angehört: „Das Thema ist einfach noch nicht in den Köpfen drin. Der Gemeinderat muss sich endlich fragen: Was bedeutet uns die Jugend?“ Zumal deren Beteiligung bei relevanten Themen durch die Gemeindeordnung vorgeschrieben ist und der Jugendgemeinderat immer wieder mal mit den zuvor aufgezählten Projekten im Gremium vorstellig war.

Trotz des von Schrag angesprochenen Nachholbedarfs: Es gibt auch weiterhin Fortschritte bei der Jugendbeteiligung. Aktuell hat der Stadtjugendring ein Projekt initiiert. Der Name: „Geislingen wird bunter“. Die Mittel stammen vom Landkreis, genauer: aus dem Bundesfördertopf „Demokratie leben“. Zum einen ist geplant, auf kommunalen Grünfächen und Verkehrsinseln Blumenwiesen auszusäen, zum anderen in der Stadt zehn Sitzbänke aufzustellen. „Die Jugendlichen gießen dazu aus Beton Würfel und bemalen sie. Diese Würfel sind die Sockel, auf die die Sitzlatten kommen“, erklärt Hummel. Mitmachen kann jeder, die Stadtjugendring gibt die Termine noch bekannt. Hummel: „Wo die Bänke stehen werden, soll ein Wettbewerb entscheiden. Die Jugendlichen könne ihre Vorschläge dann auf der Homepage geislinger-jugend.de anpinnen.“

Jugendgemeinderat trifft sich heute zur Sitzung

Der Geislinger Jugendgemeinderat trifft sich heute, Samstag, um 10 Uhr im Ratssaal des Geislinger Rathauses zu einer öffentlichen Sitzung. Themen sind unter anderem die Gedenkveranstaltung zum Geislinger KZ-Außenlager am 29. April, der Kurzfilm-Wettbewerb des Jugendgemeinderats, eine Downhill-Strecke für Geislingen und das Projekt des Netzwerks für Jugendbeteiligung, „Geislingen wird bunter“. Außerdem ist in der Sitzung eine Jugendfragestunde eingeplant.

Zum Netzwerk für Jugendbeteiligung gehören der Jugendgemeinderat, das Stadtjugendreferat, der Stadtjugendring, die Mobile Jugendarbeit, der Kreisjugendring und die beiden Jugendhäuser Maikäferhäusle und Tälesbahnhof.