Wiesensteig Jubiläum: Helmut Poloczek würdigt Wiesensteiger Spital

Das Spital in Wiesensteig: Im Jahr 1364 ist es erstmalig urkundlich erwähnt worden. Zum 650-jährigen Jubiläum beleuchtet der Wiesensteiger Helmut Poloczek seine wechselvolle Geschichte in einer Festschrift.
Das Spital in Wiesensteig: Im Jahr 1364 ist es erstmalig urkundlich erwähnt worden. Zum 650-jährigen Jubiläum beleuchtet der Wiesensteiger Helmut Poloczek seine wechselvolle Geschichte in einer Festschrift.
Wiesensteig / EVA HEER 19.07.2014
Das Spital in Wiesensteig feiert sein 650-jähriges Jubiläum: 1364 haben es Graf Ulrich X. von Helfenstein und Maria von Bosnien gestiftet. Helmut Poloczek hat es in einer ausführlichen Festschrift gewürdigt.

"Anno 1364 stifteten Graf Ulrich X. von Helfenstein und seine Gemahlin Maria von Bosnien auf Bitten des Probstes Eberhard von Randeck dieses Spital". Die Inschrift an der Vorderfront des heutigen Spitalgebäudes in Wiesensteig zeigt an, was am Sonntag, dem 27. Juli mit einem Sommerfest gefeiert wird. Dort wird auch Helmut Poloczek seine Festschrift "1364 bis 2014 - 650 Jahre Spital Wiesensteig" vorstellen, in der er ausführlich die Armen- und Krankenpflege im Allgemeinen und in Wiesensteig im Besonderen beleuchtet.

Poloczek, der als Laien-Historiker unter anderem Quellen aus der Chronik der Barmherzigen Schwestern in Wiesensteig, Archivunterlagen aus Untermarchtal, Gemeinderatsprotokolle, den Stiftungsbrief und weitere Dokumente aus dem Staatsarchiv Ludwigsburg genutzt hat, lässt die Festschrift früh beginnen: Mit der Entwicklung der Kranken- und Armenversorgung in der Antike. Ausführlich betrachtet er die historischen und theologischen Grundlagen dieser Tradition, die das Christentum aufnimmt und weiterführt, erläutert die Aufgabe der Klöster, die schon im Frühmittelalter wohltätig wirkten. Im Jahr 861 bekommt Wiesensteig, laut Urkunde, ein Kloster - gestiftet von einem Hochadeligen Rudolf und seinem Sohn Erich.

Im Jahr 1356, wenige Jahre vor der Stiftung des Spitals, wird der Ort erstmals als Stadt genannt. Helmut Poloczek zeigt das damalige Leben in Wiesensteig, die meisten der 6000 Einwohner lebten in den Dörfern um Wiesensteig herum, meist in Abhängigkeit zu ihrem Grundherren.

Weiten Raum nimmt in der Festschrift die Stiftungsurkunde ein, sie ist auch abgedruckt und aus dem Lateinischen übersetzt. Poloczek lenkt den Focus auf die Intension der Spitalstiftung: "Die adeligen Helfensteiner glaubten wie ihre Untertanen an das ewige Leben und an das Jüngste Gericht, in dem letztlich über den Aufenthalt der menschlichen Seele im Himmel oder in der Hölle entschieden wird. Sie bemühten sich nach christlichen Grundsätzen zu leben und ihre unchristlichen Taten durch gute Werke auszugleichen, um so ihre Seele vor der Verdammnis zu retten". Die an Luxus gewöhnte Maria von Bosnien wurde, wie den Quellen zu entnehmen ist, eine "umsichtige und hilfsbereite Gräfin, die den Armen und Kranken ein Trost und eine Hilfe war". In diese Zeit fällt die Stiftung des Wiesensteiger Spitals, das bis heute erhalten ist.

Poloczeks Arbeit zeichnet den weiteren Weg des Spitals chronologisch nach, nimmt die großen historischen Ereignisse als Ausgangspunkt: Reformation, der große Brand in Wiesensteig, den Wiederaufbau des Spitalgebäudes, die Übernahme des Spitals durch die Barmherzigen Schwestern in Untermarchtal, die Jahrhundertwende, Naziherrschaft, Zweiter Weltkrieg. Er beschreibt aber auch den Lebensalltag der Menschen.

Ausführlich geht der Autor auf die Umwandlung des Spitals in ein zunächst städtisches Alten- und Pflegeheim ein, als die Barmherzigen Schwestern sich zurückziehen. 1982 wird es um das Haus "Heilig" erweitern. 1989 wird das Christliche Jugenddorf Werk (CJD) Träger. Die Festschrift endet mit einem Ausblick: Das Pflegeheim "Spital zum Heiligen Geist" soll demnächst auf eine weitere diakonische Einrichtung übergehen: Die Samariterstiftung.
 


Helmut Poloczeks Festschrift wird am 27. Juli im Rahmen des Festprogramms zum Jubiläum am Spital in Wiesensteig der Öffentlichkeit vorgestellt. Beginn ist um 10.30 Uhr mit einem ökumenischem Gottesdienst.

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