Geislingen Abbau: Wandteile des Gartensaals schweben

Geislingen / Heike Siegemund 03.04.2018
Die Demontagearbeiten des Tanzsaals auf der Wilhelmshöhe gehen voran. Die Einzelteile werden per Kran auf  Sattelschlepper verladen.

Die Demontage des Gartensaals an der Wilhelmshöhe in Geislingen läuft bereits seit Wochen. Das Dach ist längst abgebaut, jetzt geht’s an die großen Teile des historischen Gebäudes. Für Inge Hafner ist’s ein Stück Heimat, was hoch oben am Kran befestigt in Einzelteilen über ihrem Kopf schwebt. Die Geislingerin, die 32 Jahre lang als Altenhilfe-Fachberaterin des Landkreises Esslingen tätig war, blickt fasziniert gen Himmel, hält die Momente mit ihrer Kamera fest und schwärmt: „Ach, ist das schön. Das ist doch genial.“ In der Tat: Man sieht nicht alle Tage, wie ein historisches Gebäude in seine Einzelteile zerlegt wird und wie die Elemente mit einem Kran auf einen Sattelschlepper gehievt werden. Wenn man dann noch Kindheitserinnerungen mit dem Gebäude verbindet, wie Inge Hafner, die frühere Besitzerin, dann ist ein solches Szenario noch beeindruckender.

Am Gründonnerstag begannen Arbeiter die Wandelemente des 125 Jahre alten Gartensaals der früheren Gaststätte Wilhelmshöhe in Geislingen abzubauen. Geschützt in einer Spezialverpackung werden die Teile innerhalb mehrerer Tage Stück für Stück auf sogenannten Senkrechtsteller-Tiefladern und Schrägbock-Transportern zur Firma „JaKo“ nach Rot an der Rot gebracht. „Dort wird der Saal in einer großen Halle komplett wieder aufgebaut und restauriert“, informiert Carl-Heinz Mosch vom Hochbauamt des Landkreises Esslingen. Das Ganze müsse man sich wie ein Puzzle vorstellen: Zahlreiche Einzelteile des Gebäudes müssen wieder zusammengesetzt werden. Damit das gelingt, werden die Elemente nummeriert und in Plänen genau erfasst. Um wie viele Teile es sich insgesamt handelt, kann Mosch nicht beziffern. Er verweist auf jeden einzelnen Parkettstab, auf jede einzelne Fliese, die entfernt werden müssen. Sogar die Tapete an den Wänden werde abgetragen und originalgetreu reproduziert. „Das alles ist eine hochkomplexe Sache.“

Ist der Gartensaal bis Oktober fertig restauriert, beginnt das Spiel von vorne: Dann wird das Gebäude erneut abgebaut. Die Einzelteile verlassen die Restaurierungshalle in einem „Top-Zustand“, wie Carl-Heinz Mosch sagt, und werden nicht mehr zurück nach Geislingen, sondern nach Beuren gebracht, wo das Gebäude in der Museumssaison 2019 auf dem Areal des Freilichtmuseums seine neue Heimat und Bestimmung findet.

Es sind insgesamt 16 Wandelemente, die jetzt verladen und abtransportiert werden. Damit der Gartensaal des ehemaligen Ausflugslokals, der 28 Meter lang und 15 Meter breit ist, originalgetreu in Beuren wieder errichtet werden kann, müssen beim Abbau größtmögliche Teile erhalten bleiben, betont Mosch. So werde die Gebäudesubstanz fast nicht geschädigt.

Für Inge Hafner ist es ein „großer Glücksfall“, dass der Gartensaal künftig in Beuren zu sehen ist. Ihre Eltern wie schon die Großeltern hatten einst die Wilhelmshöhe geführt.

Auch Steffi Cornelius, Leiterin des Freilichtmuseums in Beuren, freut sich riesig über die neue Errungenschaft aus Geislingen. Sie hat den Gartensaal übrigens schon vor zehn Jahren zum ersten Mal gesehen. Seinerzeit hatte Inge Hafner sie zu einem Abend über die Geschichte der Wilhelmshöhe eingeladen. „Schon damals war ich von dem Saal begeistert.“

Dauerausstellung „Alte regionale Sorten“

Im Freilichtmuseum in Beuren wird der Saal im Zustand der 1950er-Jahre gezeigt. Wie berichtet, wird er Mittelpunkt des geplanten Erlebnis-Genuss-Zentrums sein. Geplant ist eine Dauerausstellung zum Schwerpunktthema „Alte regionale Sorten“ mit Genuss- und Schauküche. Im Foyer wird auf die Geschichte des Gebäudes eingegangen. Das Projekt, das insgesamt 1,6 Millionen Euro kostet, wird finanziert vom Landkreis Esslingen und vom Land Baden-Württemberg. Außerdem beteiligt sich der Förderverein Freilichtmuseum Beuren an der Maßnahme. Weitere Infos gibt es im Internet unter den Adressen:
www.freilichtmuseum-beuren.de und  www.wilhelmshoehe-geislingen.de