Vortrag Ivo Gönner spricht an Hochschule über Corporate Governance

Ausschreibungen und Sponsoring beschäftigten Kommunen vor allem, so Ivo Gönner beim Symposium.
Ausschreibungen und Sponsoring beschäftigten Kommunen vor allem, so Ivo Gönner beim Symposium. © Foto: Markus Sontheimer
KATHRIN BULLING 29.04.2016
Wie funktioniert gute Unternehmensführung? An der Geislinger Hochschule sprach darüber unter anderem der Ulmer Ex-OB Ivo Gönner.

Der Abgas-Skandal bei VW oder Zinsmanipulationen von Deutsche-Bank-Mitarbeitern sind nur zwei Beispiele jüngeren Datums, wie verantwortungsvolle Unternehmensführung – Corporate Governance – gerade nicht aussehen sollte. Mit „Strategien erfolgreicher Governance“ beschäftigte sich am Donnerstag ein Symposium an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Geislingen. Ausrichter war das im Herbst gegründete Institut für Corporate Governance (ICG) der Hochschule.

Neue rechtliche Rahmenbedingungen und sich ändernde Sichtweisen auf Fragen guter Unternehmensführung und Regelverstöße stellten Unternehmen und Verwaltungen gleichermaßen vor die Herausforderung, gute Strukturen zu etablieren, erklärt Institutssprecher Professor Dr. Stefan Marx. Mit dem erstmals veranstalteten Symposium wollte das Institut Hilfestellung leisten.

Marx und seine Kollegen – die Professorinnen Katja Gabius und Heike Mayr-Lang sowie Professor Frank Reinhardt – holten dafür den Stuttgarter Rechtsanwalt Dr. Winfried Holtermüller, den Münchner Steuerberater Dr. Alexander Reichl und den Wirtschaftsprüfer Volker Zieske in die Fünftälerstadt. Die Experten sprachen über die strafrechtliche Bedeutung von Verstößen gegen Richtlinien im Unternehmen, die sogenannte Compliance. Außerdem ging es um Steuerehrlichkeit – die sogenannte Tax Compliance – und um interne Revisionen in öffentlichen Unternehmen und Verwaltungen.

Dass gerade für letztere das Thema Governance ein virulentes ist, machte Ivo Gönner deutlich. Der Jurist, der von 1992 bis 2016 Ulmer Oberbürgermeister war, sprach in Geislingen über seine Erfahrungen bei der Etablierung von Corporate-Governance-Systemen in der Stadt und kommunalen Beteiligungen. Die Welt der öffentlichen Verwaltung setze sich aus schwäbisch-preußischem Beamtentum und per se ehrbaren Kaufleuten zusammen, sagte Gönner augenzwinkernd. „Was hat man da also für ein Problem? Keins.“ So einfach sei das Thema aber nicht abzuhaken, schob er sogleich hinterher. Für die öffentliche Verwaltung gehe es vor allem um die Vermeidung von Korruption, erklärte er und zitierte Kurt Tucholsky: „In Deutschland wird nicht bestochen, in Deutschland wird beeinflusst.“

Geschenke an die Stadtverwaltung, Sponsoring und öffentliche Ausschreibungen seien die Themen, die die Kommunen beschäftigten. Um nicht ins Gerede zu kommen und sich abzusichern, habe er in Ulm beispielsweise Handlungsempfehlungen für die insgesamt rund 4300 Mitarbeiter erarbeitet, die die Sponsoringaktivitäten regelten – „denn heutzutage findet ja keine soziale oder Kulturaktivität in der Stadt ohne Sponsoring statt“.

Der Städtetage habe etwa Empfehlungen ausgearbeitet, die dabei hülfen, Ausschreibungen und Vergaben korrekt zu formulieren beziehungsweise abzuwickeln. „Die drei wichtigsten Punkte sind Transparenz, Dokumentation und Veröffentlichung“, betonte Gönner immer wieder. „Das ist der beste Schutz.“ Die Zuhörer – rund 35 externe Besucher und etwa 60 Studenten – hingen aufmerksam an seinen Lippen.

Die Rückmeldungen für den gesamten Tag seien sehr gut gewesen, berichtete Stefan Marx anschließend zufrieden. „Die Referenten haben uns darin bestätigt, dass das Thema bislang noch zu wenig wissenschaftlich behandelt wird.“ Das Symposium erfülle demnach eine wichtige Rolle. Künftig soll es mindestens einmal im Jahr stattfinden.

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