Geislingen Irisches Lebensgefühl in der Rätsche

Die drei irischen Musiker gaben bei ihrem Konzert in der Geislinger Rätsche alles:  Sean Keane  spielte die Flöte und Fergus Feely riss gar die Gitarrensaite mitten im rasanten Tempo. 
Die drei irischen Musiker gaben bei ihrem Konzert in der Geislinger Rätsche alles:  Sean Keane  spielte die Flöte und Fergus Feely riss gar die Gitarrensaite mitten im rasanten Tempo.  © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Geislingen / Sabine Graser-Kühnle 09.11.2018
Séan Keane und seine Mitmusiker Fergus Feely und Shane McGowan boten authentische irische Musik in der Geislinger Rätsche: mal sehnsuchtsvoll ruhig, dann wieder wild und ausgelassen.

Der Ire Séan Keane hatte nur wenig im Gepäck, doch  mit diesem Wenigen flogen ihm die Herzen seines Publikums in der gut besuchten Geislinger Rätsche zu:  Seine kernige, sonore Stimme und irische Flutes, die Gitarristen Fergus Feely und Shane McGowan (anstelle des angekündigten Pat Coyne) sowie authentische irische Musik, mal sehnsuchtsvoll ruhig, dann in wilder Ausgelassenheit der irischen Tänze Jig und Reel.

„Tanzt, fühlt euch frei“, rief Séan Keane seinem Publikum mehrmals während seines zweistündigen Programms zu. Doch obwohl die Wildheit dieser Musik durchs Blut pulste, in den Füßen juckte, zum irischen Stepptanz, klebten die Zuhörer auf ihren Stühlen – zugegeben, viel Platz zum Tanzen gab es bei der Konzertbestuhlung am Donnerstagabend nicht.

Die Gäste klatschten deshalb lieber enthusiastisch mit, hämmerten im rasenden Tempo den Takt mit den Füßen auf dem Boden, um nach den letzten verklungenen Tönen in jubelnden Beifall auszubrechen. Doch es waren ebenso die ruhigen Songs, die Balladen, die von Liebe, Hoffnung und Sehnsüchten erzählen, die das Publikum liebte.  „Thank you so much, Folks“, bedankte sich Keane, sichtlich zufrieden, dass seine Musik sich den Weg bis in die Herzen und weiter in Hände und Füße seiner Zuhörer bahnte.

Zwischen den Liedern erzählte er von der grünen Insel, ihrer spröden Schönheit, ihrer Geschichte, er plauderte von seiner Heimat Galway: „Wer kennt diesen Teil Irlands?“, hakte er nach. Vereinzelt gingen Hände in die Höhe. „Macht nichts, ich nehme euch dahin mit“, versprach er.

Liebe und Sehnsucht im ruhigen Duktus, pure Lebensfreude, die sich im immer schnelleren Reel ausdrückt, vereinen der Sänger und seine Mitmusiker im überlieferten Lied „The Mountains of Pomeroy“.

Die drei Musiker gaben alles. Sean Keane  spielte die Flöte und Fergus Feely riss gar die Gitarrensaite mitten im rasanten Tempo. „Isle of Hope, Isle of Tears“ oder „Ellis Island in the Floyd“ sind den einstigen irischen Emigranten gewidmet, voller Sehnsucht und Hoffnung.

Keanes Lieder sind nicht nur überlieferte gälische Weisen, sondern inspiriert von den zahlreichen Stationen seiner Sängerkarriere. Zu Herzen gehend sein Song „The Man from Connemara“, mitreißend das im irischen Sean-Kleid gecoverte „I‘m no Stranger to the Rain“.

Hier legten die beiden Gitarristen ein schillerndes Duett hin. Ihnen räumte Keane für eigene Darbietungen die Bühne:  Fergus Feely begeisterte mit dem witzigen Folksong „When I kissed a Girl Goodbye“ und Shane McGowan riss die Zuhörer mit einem den Atem raubend schnell gezupften irischen Instrumentalstück zu frenetischem Jubel.  „Hey, die kann ich gut alleine lassen“, flachste Keane, „aber nicht lange“, gab Shane fröhlich zurück.

Der Abend war irisches Lebensgefühl pur – etwas, das die Rätsche in den 40 Jahren ihres Bestehens immer wieder anbietet. Und Séan Keane tritt gerne in Geislingen  auf, wenn ihn seine Touren nach Deutschland führen. „Unser Geburtstag wäre nichts, ohne Séan Keane“, sagte die Rätschevorsitzende Brigitte Aurbach dem Publikum.

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