Noch ist das rund zwei Hektar große Areal zwischen der Konrad-Adenauer-Straße und den Gleisanlagen des Geislinger Bahnhofs ein Stück urbane Wildnis: Bäume, Sträucher, Wiese, dazu ein Hubschrauberlandeplatz und ein paar Parkplätze. Von oben betrachtet hat das Ganze das Flair eines australischen Buschlandeplatzes. Was zwar romantisch ist, aber mit Blick auf den eh knappen Baugrund im Geislinger Talkessel auch pure Verschwendung.

Nun hat sich bei der Stadt ein Investor gemeldet, eine Gesellschaft aus Bad Soden. Die möchte auf dieser ehemaligen Bahnfläche im Katzenloch eine Siedlung errichten: 54 zweigeschossige Reihenhäuser mit Dachgeschoss, dazu 82 Stellplätze für Autos entlang einer Erschließungsstraße, zugleich die Grenze zum bestehenden Bahngelände. Zielgruppe: junge Familien auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum.

Ein Projekt, das auch die Stadt befürwortet: „Aus Sicht der Verwaltung fügt sich die geplante zweigeschossige Reihenhausbebauung in die Umgebungsbebauung ein und trägt zur Aufwertung der Gesamtsituation bei“, heißt es dazu in einer Vorlage für den Gemeinderat. Und: „Mit der Entwicklung des Baugebiets kann wichtiger innerstädtischer Wohnraum geschaffen werden. Dies entspricht auch dem vom Gesetzgeber geforderten Gebot, insbesondere die Wiedernutzbarmachung von Flächen, Nachverdichtungen und andere Maßnahmen zur baulichen Entwicklung der Gemeinden zu nutzen.“

Das Gremium musste in seiner jüngsten Sitzung grünes Licht für die Ausarbeitung eines Bebaungsplanentwurfs geben – was es denn auch einstimmig tat. Hintergrund: Die Brache ist zwar schon im Besitz der Geellschaft, hat aber noch keinen Baugebiet-Status, sondern ist bislang als Sonderfläche Bund respektive Grünfläche ausgewiesen. Dabei gibt die Stadtverwaltung klar vor: „Ziel ist es, dass sämtliche mit der Planung und Erschließung des Baugebiets verbundenen Kosten vom Investor getragen werden. Dies gilt auch für Folgekosten, die sich aus der Planung beziehungsweise der Erschließung ergeben.“ Ein Passus, der nicht ganz unwichtig ist: Weil sich das Gelände eben in direkter Nachbarschaft zur Filstalbahn befindet und das für die künftigen Bewohner der Siedlung viel Zug­lärm bedeuten würde, plant der Investor den Bau einer etwa sechs Meter hohen und 300 Meter langen Lärmschutzwand.

Vorteil für die Stadtverwaltung: Sie muss keine zusätzliche Infrastruktur etwa in Form neuer Straßen schaffen. Zugleich können nach den Worten von Oberbürgermeister Frank Dehmer („Wir haben in der Kernstadt nicht so viele Möglichkeiten, 56 Wohneinheiten unterzubringen“) „auch die bisherigen Anwohner der Adenauer-Straße von der Bebauung profitieren“.

Wie bei der Stadtverwaltung stößt das Projekt auch bei den Stadträten auf Zuspruch. Allerdings herrscht ebenso darüber Einigkeit, sich nicht das Heft des Handelns aus der Hand nehmen zu lassen, wenn ein Ingenieurbüro im Auftrag des Investors den Bebauungsplan erstellt. „Wir müssen das so begleiten, dass es gewisse gestalterische Möglichkeiten gibt“, sagt Holger Scheible (CDU), „wird dürfen nicht zu viel Spielraum lassen.“

Thomas Reiff (SPD) wurde indes schon recht konkret und kritisierte die in einem Entwurf dargestellte starre Anordnung der Wohnungen in Reih und Glied („So sieht das Ganze schon etwas langweilig aus“). Zudem mahnte Reiff mit dem Blick in die Zukunft, die Verwaltung möge schon jetzt an notwendige Kindergartenplätze denken, wenn tatsächlich die Zielgruppe junge Familien die Siedlung füllt.

GAL-Stadtrat Bernhard Lehle wiederum brachte schon mal als Anregung einen Nahwärmeverbund für die Siedlung ins Spiel – und Peter Maichle (CDU) mit Blick auf die ständig zugestellten Straßen den Gedanken, dort ein unterirdisches Parkhaus zu bauen, „um der Parkflucht in dem Bereich Herr zu werden“.