In seiner launigen Begrüßung vor einer großen Zahl von Besuchern hob Tassilo Scheible für den Gastgeber Kreissparkasse hervor, dass sein Haus durch Anpassungen in Technik und Bauten so weit wie möglich den Erfordernissen seiner gehandicapten Kunden gerecht zu werden versuche. Und er zitierte eine Grußbotschaft der Bundestagsabgeordneten und ehrenamtlichen Vorsitzenden des Kreisbehindertenrings Göppingen, Heike Baehrens (SPD), die den Wunsch aussprach, dass zusätzlich zu den realen Schranken auch diejenigen in den Köpfen verschwinden mögen.

Namens des Stadtbehindertenrings Geislingen (STeiGle) skizzierte Gisela Kohle das Zustandekommen der Ausstellung, um dann sogleich eine Blockflöte zur Hand zu nehmen und zusammen mit zwei Musizierfreundinnen ein lautmalerisches Stück von Allan Rosenheck, „The Little Train“, anzustimmen.

Damit war die Bühne bereitet für den Karikaturisten Phil Hubbe. Kurz und knapp stellte er sich vor, versicherte, viele seiner Cartoons seien aus realen Begebenheiten entstanden, wie zum Beispiel die Reaktion eines Besuchten, als dieser überrascht feststellte, dass der an MS erkrankte Hubbe ohne Krücke oder Rollstuhl daherkam. Er bestand darauf, (s)eine Krankheit oder eine Behinderung dürfe kein Tabuthema sein, und forderte die Besucher auf, herzhaft zu lachen, wenn sie seine Karikaturen witzig fänden. Die Erfahrung zeige ohnehin, dass die am stärksten gehandicapten Menschen oft den schwärzesten Humor versprühten.

Jutta Pagel-Steidl, Geschäftsführerin des Landesverbands für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg, sprach von den alltäglich zu erfahrenden Nickligkeiten, denen sich Behinderte ausgesetzt sehen, und unterfütterte das Thema mit Zahlen: Jeder Zwölfte ist behindert, und 96 Prozent dieser Handicaps sind nicht angeboren, sondern werden im Lauf des Lebens „erworben“. Die Rednerin wünschte der Ausstellung viele Besucher, zum Beispiel auch Schulklassen, und schloss in Bezug auf die Cartoons mit einem Bonmot von Joachim Ringelnatz: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.‘‘

Der behinderte Matthias Berg bezeichnete zunächst sich selbst als Klugscheißer, weil er zum wiederholten Mal als ZDF-Experte bei den paralympischen Spielen im Einsatz gewesen ist. Sodann kennzeichnete er seinen Freund Phil Hubbe mit knappen, prägnanten Sätzen und endete mit der Sentenz, dieser verstehe es, einen Mangel einfach zu ignorieren, dafür aber zu nutzen, was ihm gegeben ist.

Mit „Das Butterbrot“, einem lustigen kleinen Walzer von Mozart, beschloss das Flötentrio die Vernissage, wonach an den hinreißend treffsicheren Ausstellungsstücken zahlreiche Grüppchen ins Gespräch kamen.

Info Die Ausstellung in der Kreissparkasse am Sternplatz in Geislingen ist von Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr geöffnet und läuft bis zum 20. Oktober.