Stadtentwicklung In den Bruckwiesen entsteht ein Quartier für Familien

Geislingen an der Steige / Kathrin Bulling 29.09.2017
Moderne Mehrfamilienhäuser in Modularbauweise, ein Parkhaus und ein Spielplatz: Die Geislinger Bruckwiesen erhalten ab Sommer ein neues Gesicht.

Stadtplaner und Architekten reiben sich bei so etwas die Hände: In den Geislinger Bruckwiesen, am Ortseingang aus Richtung Kuchen, entsteht ab dem nächsten Jahr ein vollkommen neues Quartier. Es geht nicht nur darum, ein Haus in ein bestehendes Wohnumfeld einzufügen, sondern ein ganzes Areal neu zu entwickeln. Acht Häuser baut die Geislinger Siedlungs- und Wohnungsbau GmbH (GSW) und nimmt dafür zirka 20 Millionen in die Hand. Geschäftsführer Hansjörg Hagmayer stellte im Gemeinderat am Mittwoch die ­genauen Pläne vor.

Realisiert wird der Entwurf des Eybacher Architekturbüros „arch & art“, das sich im Wettbewerb mit einem „innovativen und interessanten Ansatz“, wie es Hagmayer nennt, durchsetzte. Die in der Sitzung gezeigten Pläne entsprachen nicht mehr exakt dem aktuellen Stand, der folgendermaßen aussieht: Auf dem Gelände rechts der B 10, begrenzt von der Oberböhringer Straße und der Fils, sollen acht Mehrfamilienhäuser die aus den 1930er Jahren stammenden Reihen- und Mehrfamilienhäuser ersetzen. Die drei Häuser parallel zur Fils sollen drei Vollgeschosse und ein Staffelgeschoss haben – ein Stockwerk höher als zunächst geplant –, die anderen werden zweistöckig mit einem Staffelgeschoss. Geplant sind zirka 94 Mietwohnungen mit 1- bis 5-Zimmerwohnungen zwischen 30 und 135 Quadratmetern, wobei zu den Wohnungen im Obergeschoss eine Dachterrasse gehört.

Weil das Architekturbüro eine Modulbauweise gewählt hat, die es problemlos zulasse, die Wohnungsgrößen zu variieren, stehe die endgültige Zahl noch nicht fest, so Hagmayer: „Wir planen im Moment einen breiten Mix, aber wenn wir sehen, dass für eine bestimmte Wohnungsgröße die Nachfrage geringer ist, machen wir davon halt weniger.“

Möglich wird diese flexible Art des Bauens, weil die GSW aus wirtschaftlichen Gründen zwei Bauabschnitte vorgesehen hat: Los geht es voraussichtlich im Sommer 2018 mit den Häusern entlang der Fils und jenem Gebäude, das dem Ortseingang am nächsten steht. Die anderen vier Häuser folgen später; nach fünf Jahren will die GSW mit den Arbeiten fertig sein.

Parkhaus, Aufzüge, Spielplatz

Es handle sich um Energieeffizienzhäuser 55, deren Flachdächer gegebenenfalls Fotovoltaikanlagen bekommen oder begrünt werden sollen, erklärte Hagmayer. Von einem Blockheizkraftwerk für das ganze Quartier habe man aufgrund der relativ langen Bauzeit aus ökonomischen Gründen eigentlich Abstand genommen und sich für eine dezentrale Lösung entschieden – Wärmepumpen- oder Pelletheizungen. Darauf angesprochen sagte Hagmayer im Gemeinderat, man könne dies nochmal prüfen.

Mit 79 Stellplätzen könne man für fast jede Wohnung eine Parkmöglichkeit direkt am Haus bieten; zudem soll an der B 10 ein Parkhaus gebaut werden. Eventuell sollen auch Fahrzeuge für Car-Sharing angeboten werden. Eine Tiefgarage sei wegen der Nähe zur Fils nicht möglich, so Hagmayer.

Der Abstand zum Wasser wird neun Meter betragen – gegen einen öffentlichen Fußweg an der Fils habe man sich aus Gründen der Privatsphäre für die Mieter entschieden. Alle Gebäude sollen mit einem Fahrstuhl ausgestattet werden, ein paar barrierefreie Wohnungen seien auch geplant, erläuterte Architekt Thomas Neugschwender den Räten. Gebrannte Ziegel in unterschiedlichen Farben sollen jedem Haus ein individuelles Aussehen verschaffen.

Durch die Erhöhung der drei Häuser am Fluss entfällt ein kleineres Gebäude in der Quartiersmitte – auf der frei werdenden Fläche soll ein Spielplatz entstehen. Die Bruckwiesenstraße bleibe eine Sackgasse, das Gebiet wolle man nach Möglichkeit verkehrsberuhigt gestalten, sagte Hagmayer. Der Geschäftsführer machte klar, dass die GSW nicht vorhat, als Bauträger aufzutreten; sämtliche Wohnungen sollen vermietet werden.

Architekt Neugschwender sprach von einer innovativen städtebaulichen Konzeption und einem Wohnviertel mit eigenständigem Charakter, mit dem sich die Bewohner identifizieren könnten. Man habe eine einheitliche Architektursprache gewählt und sich mittelalterliche Stadtstrukturen zum Vorbild genommen. Ansprechen wolle man vor allem Familien mit mittlerem Einkommen, es werde kein sozialer Wohnungsbau.

Die Räte sprachen von einem „tollen, ansprechenden Projekt“ (Bernhard Lehle, GAL) und einer „anschaulichen und wohldurchdachten Planung“ (Thomas Reiff, SPD). Oberbürgermeister Frank Dehmer sagte, damit erweitere die GSW ihr Portfolio. Umso näher die neue B 10 an Geislingen rücke, umso attraktiver werde das Gebiet für Pendler. „Da kann man sich drauf freuen“, meinte er.

Die alte Siedlung

Aktuell Acht Mieter wohnen noch in den Mehrfamilienhäusern, 52 Wohnungen sind bereits leer; in den ­Reihenhäusern leben noch sechs ­Mieter. Für alle sucht die GSW Alternativen – Hagmayer sagt, er sei guter Dinge, dass dies klappe. Nächste ­Woche beginnt die Entkernung der Mehrfamilienhäuser, im November sollen die Abrissbagger anrücken.