Freizeit Impro-Theater lockt Studenten aus der Reserve

Bei den Proben der Schimpanskis geht es auch mal chaotisch zu, und warum nicht mal im Garten des Gruppenleiters Harald Groß üben? Es geht schließlich um Improvisation! Das Wichtigste ist, dass die Studenten ihre Scheu überwinden, sagt Groß.
Bei den Proben der Schimpanskis geht es auch mal chaotisch zu, und warum nicht mal im Garten des Gruppenleiters Harald Groß üben? Es geht schließlich um Improvisation! Das Wichtigste ist, dass die Studenten ihre Scheu überwinden, sagt Groß. © Foto: Isabelle Jahn
Geislingen / Isabelle Jahn 12.07.2018
Bei der Improvisations-Theatergruppe Schimpanskis beweisen Geislinger HfWU-Studenten Mut. Die Mitspieler schätzen auch die Gemeinschaft.

Der junge Mann liegt reglos auf dem Boden. Zwei seiner Kommilitonen gehen auf ihn zu – werden sie ihm helfen oder führen sie gar Böses im Schilde? Die beiden haben es in der Hand, wie die Szene weitergeht.

Kein Drehbuch, keine Regie – beim Improvisations-Theater ginge das gegen die Regeln: „Das passiert alles vollautomatisch“, sagt Patrick von Stackelberg. Der 25-Jährige gehörte mehrere Semester lang zu den Schimpanskis, der Impro-Gruppe der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Geislingen. Nachdem er sein Studium in Immobilienwirtschaft abgeschlossen hatte, zog der junge Mann fürs Masterstudium weg. Er fühlt sich aber mit der Gruppe, die sich unterm Semester einmal in der Woche trifft, immer noch eng verbunden: „Einmal Schimpanski, immer Schimpanski.“ Die Harmonie unter den Teilnehmern sei entscheidend für ein gelungenes Impro-Stück, meint der ehemalige HfWU-Student. „Man muss wissen, wie der andere tickt.“

Die „Wohlfühl-Atmosphäre“ schätzt auch Jan Kasberger, der ein Jahr lang Teil der Gruppe war. Da der 24-Jährige nun mit dem Bachelor-Studium fertig ist, zieht er für den Master nach Görlitz. Mit den Schimpanskis will er aber in Kontakt bleiben – „es sind auch Freundschaften entstanden“, sagt der Student.

Caro Budimir spielt schon seit der Grundschulzeit Theater und kannte Impro damals vor allem als Aufwärm-Übung, erzählt sie. Jetzt geht die 21-Jährige, die im dritten Semester Energie- und Ressourcenmanagement studiert, regelmäßig zu den Treffen der Schmipanskis.

Erfahrung im Schauspielbereich sei jedoch keine Voraussetzung, betont Harald Groß, der die zurzeit zehnköpfige Impro-Gruppe leitet. Das Wichtigste sei, positiv auf andere zuzugehen und verrückte Ideen zuzulassen – „das Schlimmste ist die Schere im Kopf“, sagt Groß. Man müsse bereit sein, sich auf Neues einzulassen und dürfe keine Lacher erzwingen. „Humor muss aus der Situation entstehen.“ Auch im Impro gebe es außerdem nicht nur lustige, sondern auch berührende Szenen.

Schüchterne Menschen seien für diese Art von Theater nicht weniger geeignet als Klassen-Clowns, sagt Groß. Impro helfe dabei, lockerer zu werden und wirke sogar Prüfungsangst entgegen. Was laut Groß vielen Studenten das Mitmachen erleichtert: „Die Rolle, die ich spiele, bin nicht ich.“ Wer die Scheu überwinde, punkte auch in Vorstellungsgesprächen: „Man lernt, kreativ und positiv zu sein.“

Spontaneität und Kreativität reizen auch Daina Lautenschläger am Impro. Die 21-Jährige findet es spannend, die Perspektive zu wechseln: „Man ist zum Beispiel mal der Chef, und dann weiß man eher, wie es sich anfühlt, Chef zu sein.“ Sie studiert im vierten Semester Nachhaltiges Produktmanagement und ist seit dem zweiten Semester ein Schimpanski.

Bei den Auftritten wird – das ist typisch für Impro – das Publikum einbezogen, sozusagen als Impulsgeber, erklärt Harald Groß. So geben die Zuschauer zum Beispiel einen Ort des Geschehens vor oder eine Epoche, in der sich alles abspielen soll. Die Vorführungen, die einmal im Semester stattfinden, sieht Groß als wichtige Motivation an: „Der Auftritt zeigt: Das, was wir proben, ist bühnenreif.“

Groß spielt auch selbst seit vielen Jahren Impro, zusammen mit der Gruppe „Cash“ von der Rätsche in Geislingen. Als Schüler und Student habe er noch Theater gespielt. Impro sei für ihn aber viel geeigneter, und er verrät schmunzelnd, warum: „Da muss ich mir keinen Text merken.“

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