Geislingen Immobilienkongress blickt in die Zukunft

Geislingen / SWP 08.11.2018
Beim Tag der Immobilie in Geislingen sprechen Experten über bezahlbaren Wohnraum, Wohn­formen der Zukunft und Rezepte, um Handel und Gewerbe in den Innenstädten zu halten.

Mehr als 1300 junge Menschen haben seit seiner Gründung den Studiengang Immobilienwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) absolviert. Einer davon ist Oliver Lang. 2005 hat er sein Studium in Geislingen beendet, heute arbeitet er für ein globales Immobiliendienstleistungsunternehmen in Frankfurt. Beim 20. Tag der Immobilie in der Jahnhalle schilderte er, wie man von der „HfWU in den Traumjob“ kommt. Ein Patentrezept gebe es nicht, aber seine alte Hochschule biete alle Voraussetzungen, um beim Weg in den Beruf Erfolg zu haben, sagte er. Allein die Digitalisierung sorge dafür, dass die Erwartungen an die Mitarbeiter von Morgen exponentiell steigen. Der „Rohstoff Grips“ werde immer wertvoller. Veränderungsbereitschaft, Tiefgang, Umgang mit Freiheitsgraden und die Fähigkeit, Dinge zu Ende zu denken, sind für Lang entscheidende Fertigkeiten, die das Studium vermittle.

Lang war als Hochschulabsolvent einer der Redner der Jubiläumsveranstaltung zum 20-jährigen Bestehen des Studiengangs. Zwei weitere Absolventinnen, Julia Graf und Simone Bischoff, boten streng fachlichen Inhalt. Sie analysierten die schwierige Lage von Handel und Gewerbe, die trotz steigender Umsatzzahlen zu kämpfen hätten: Der Online-Handel boomt, große Shopping-Zentren kämpfen mit Anreizen, Events und Aktionen um Kunden, und die Händler in den mittelgroßen Städten sind samt der Kommunen die Verlierer.

Geislingens Oberbürgermeister Frank Dehmer hörte von den beiden Handelsgewerbe-Expertinnen, dass dieser Flucht der Händler in Städten zwischen 20 000 und 100 000 Einwohnern nur mit Tourismusattraktionen beizukommen sei. Was wirklich boome, seien Bahnhofverkäufe und Outlet-Center.

OB Dehmer selbst hatte zu Beginn in seinem Grußwort vor allem fehlenden Wohnraum als die große Herausforderung für die Kommunen bezeichnet. Dieser zu begegnen, sei auch deshalb schwierig, da in der Bevölkerung selbst eine hohe Sensibilität gegenüber neuen Baugebieten herrsche. Gerhard Lipka, der die freien Wohnungsunternehmen in Baden-Württemberg vertritt, sieht noch weitere Probleme: Der Bund lasse die Kommunen bei der Bewältigung des Problems weitgehend allein.

Mietpreisbremse, Baukindergeld und Förderprogramme reichten nicht, um dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu begegnen, sagte Lipka. Der Bund ­drücke sich davor, mit Bürgerthemen umzugehen. So würden Fördermittel ausgeschüttet, statt die Grunderwerbsteuer zu senken. Der ­Leiter der Veranstaltung und Studiendekan der Immobilienwirtschaft, Professor Dr. Dieter Rebitzer, zog daraus den Schluss, dass „dieses Kernthema noch immer nicht bei den Spitzen der Politik angekommen ist“. Dass auch die künftige Art zu bauen ein Ansatz ist, das Wohnungsproblem in den Griff zu bekommen, zeigt Patricia Lorenz: In ihrer Bachelorarbeit befasste sie sich mit neuartigen Wohntrends und der Zukunft des Wohnens.

Gefragt sei eine „smarte und ressourcenschonende“ Bauweise, berichtete sie. Zukunftsstädte, Nachverdichtung, Aufstockungen und modulares Bauen sind nur einige Stichworte, die in ihrer Gesamtheit für mehr Wohnraum sorgen sollen.

Für ihre Arbeit erhielt Patricia Lorenz während des Kongresses den Heinz-Weiler-Preis. Beiträge zu Hotel-, Wohnungs- und Einzelhandelsimmobilien standen auf dem weiteren Kongressprogramm. Theresa Hermann machte den Reigen der Ex-Studierenden bei den Kongressrednern komplett: Auch sie hat an der HfWU in Geislingen Immobilienwirtschaft studiert. Heute promoviert sie an der Technischen Universität Berlin zu einem statistischen Thema.

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